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Chronik Österreich
06/28/2021

Zwei tote Polizisten: “Ich wurde zwölf Jahre lang belogen“

Witwe fordert “endlich Aufklärung“. Hilfeersuchen an Innenminister Karl Nehammer.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Anton Haiderer war ein “Polizist mit Leib und Seele. Er war immer korrekt“, sagt Monika Haiderer. Dass der Grund für den Tod ihres Mannes noch immer nicht geklärt ist, macht sie wütend, sie fühlt sich belogen: “Von Kollegen meines Mannes gab es immer Zweifel am Vorgehen der Abläufe.“

Am 10. März 2009 stürzte ein Polizei-Hubschrauber in Deutschlandsberg in den Ort. Der Flug fand ohne Not unterhalb der vorgeschriebenen Mindest-Flughöhe statt. Laut einer Untersuchung durch den Sachverständigen Peter Vyskocil und des Verkehrsministeriums war ein Pilotenfehler die Ursache. Der entsprechende Bericht mit dem brisanten Ergebnis wurde vom Verkehrsressort allerdings zurückgehalten.

Drei Jahre später tauchte eine neue Möglichkeit auf. Bei einem ähnlichen Absturz in Frankreich war ein defekter Wärmetauscher schuld. Der Sachverständige hielt diese Theorie prinzipiell für möglich. Daraufhin wurde der Abschlussbericht im Verkehrsministerium umgeschrieben.

Zuständig waren dafür zwei Personen, die auch in einem anderen Fall eine dubiose Rolle spielen. Bei einem Absturz eines anderen Hubschraubers wurde eine Witwe mit Zwillingen offenbar mit einem (weiteren?) falschen Bericht um Schadenersatz gebracht.

In der Causa Deutschlandsberg jedenfalls war nun plötzlich ein technischer Defekt die Ursache. Damit dürfte sogar der Hersteller Airbus überzeugt worden sein, dieser soll den gesamten Schaden übernommen haben. Allerdings nur den materiellen.

Absturz offiziell ungelöst

Von so einem Deal erfuhren weder die Öffentlichkeit noch die Hinterbliebenen, offiziell wird dies sogar dementiert. Noch 2019 bei der Trauerfeier zehn Jahre nach dem Unglück hieß es von einem ranghohen Flugpolizisten, dass dieser Unfall ungelöst ist.

“Ich war im ständigen Kontakt mit Werner Senn, dem Leiter der Flugpolizei“, berichtet die Witwe. Erfahren hat sie von all diesen Entwicklungen dennoch nie etwas, sagt sie: “Ich hatte Vertrauen in die Untersuchungen, wurde aber hingehalten und belogen. Dabei würde ich gerne endlich die Wahrheit wissen und Aufklärung haben.“

Als der KURIER vor wenigen Wochen die Umstände dieser offensichtlichen Vertuschungsaktion aufdeckte, war der Ärger der Angehörigen entsprechend größer. Monika Haiderer hat deshalb Ende Mai einen Brief an Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) geschrieben, darin ersucht sie um Hilfe bei der Aufklärung der Umstände des Tod ihres Mannes.

Der Grund für den Brief: “weil trotz mehrerer Dokumente, die auf gröbste Mängel und Vertuschung bei der Unfalluntersuchung hinweisen, in den zuständigen Ministerien niemand gewillt ist, für Aufklärung zu sorgen.“

Neuer Untersuchungsleiter

Nach dem KURIER-Bericht hat das Verkehrsministerium nun nach 12 Jahren einen neuen Untersuchungsleiter bestimmt, der den Unfall aufarbeiten soll. Dem Vernehmen nach könnte das aber schwierig werden, da das Wrack noch vorhanden ist, aber ausgerechnet der Wärmetauscher nicht mehr auffindbar sein dürfte.

Antwort auf Ihren Brief hat Haiderer jedenfalls noch keine bekommen.

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