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Chronik Österreich
11/16/2020

Zurück zum Distance Learning: Wie es Eltern, Schülern und Lehrern damit geht

Ab Dienstag heißt es für Schüler wieder von Zuhause aus lernen. Der KURIER hat sich umgehört, wie es Eltern, Schülern und Lehrern damit geht.

von Wolfgang Atzenhofer, Teresa Sturm, Bernhard Ichner, Laura Schrettl, Claudia Koglbauer-Schöll

Mit dem Lockdown wird auch der Unterricht an allen Schulen (mit Ausnahme der Sonderschulen) grundsätzlich auf Distance Learning umgestellt werden - wie das genau aussehen soll, wird allerdings in der entsprechenden Verordnung nur sehr allgemein geregelt. Der Begriff selbst wird auch nicht verwendet, vielmehr ist von "ortsungebundenem Unterricht" die Rede. Weiterhin soll es an den Schulen allerdings auch Vor-Ort-Betreuung geben. Der KURIER hat sich in den Bundesländern umgehört, was Direktoren und Eltern dazu sagen. 

Montagfrüh geht es vor der Elsa-Brändström-Volksschule in Amstetten in Niederösterreich noch ruhig und routinemäßig zu. Eltern bringen die Kinder zur Schule, die an zwei verschiedenen Eingängen empfangen werden. Bei Betreten der Schule setzen die Kinder ihre Masken auf. In den Klassen müssen sie diese aber nicht tragen, berichten Eltern. Manche sprechen kurz aber unaufgeregt den bevorstehenden Lockdown an. Andere warten vor der Schultür, weil sie mit Lehrkräften reden wollen.

Mutter: "Regierung hat Fehler gemacht"

Direktorin Lucia Steindl will die bevorstehende Umstellung nicht kommentieren: "Ich darf über Anweisung meiner Behörde keine Auskunft geben", sagt sie.

"Ich habe ab Dienstag wieder alle vier Kinder daheim. Da hat die Regierung Fehler gemacht, aber man kann es nicht ändern", sagt die Vierfachmutter Susanne Zineder aus Amstetten, die ihre jüngste Tochter in die Elsa-Brändström-Volksschule begleitet hat.

Zwei Töchter, die die HAK und das Gymnasium besuchen sind bereits daheim. Ab Dienstag kommen die beiden Kinder aus der Neuen Mittelschule und der Volksschule dazu.

"Die Kinder finden es cool, wenn sie in der Früh erst später aufstehen müssen, ansonsten ist es zeitweise eine Katastrophe", erinnert sich die Niederösterreicherin an den ersten Lockdown im Frühjahr. Die Kooperation mit den Schulen in der Zeit des Distance Learnings klappe ganz gut, schildert Zineder. Dass die Familie gerade auf der Suche nach zwei Laptops ist, sei belastend, erzählt sie.

Mutter: "Wird schon zu schaffen sein"

"Meine drei Buben gehen alle in die Volksschule, aber ich denke, das wird in den nächsten zweieinhalb Wochen schon ganz gut zu schaffen sein, wenn sie zuhause sind. Man kann es nicht ändern, im Frühjahr dauerte es viel länger und war auch zu schaffen, sagt die dreifache Mutter Esmiralda Mustafic. "Es macht mir Spaß, mit den Kindern zu lernen".

Bildungsdirektor in NÖ: "Betreuungsmöglichkeit für alle Kinder"

Es brauche keinen Beweis, wenn man Kinder weiterhin zur Betreuung in die Schule bringen möchte, sagt NÖ- Bildungsdirektor Johann Heuras.

„Die Botschaft ist nicht, dass die Schulen zu sind. Es gibt keinen Präsenzunterricht, aber es gibt für alle Kinder, die eine brauchen, eine Betreuungsmöglichkeit", sagt Heuras. 

Dies gilt einerseits für Eltern, die sich aufgrund der beruflichen Situation nicht um den Nachwuchs kümmern können. Aber andererseits sei dies auch möglich, wenn Eltern das Gefühl hätten, dem Kind würde die entsprechende Betreuung in der Schule gut tun. 

Die Stimmung sei im Schulbereich aber schon einmal besser gewesen, beschreibt Heuras die Situation. „Es hatten schon viele gehofft, dass mehr Offenheit bleibt als jetzt da ist. Aber ich glaube, die Akzeptanz ist inzwischen da, dass wir einen kurzen gravierenden Schritt machen, damit das schulische Leben dann wieder besser funktioniert.“

Wiens Bildungsdirektor: "Werden nicht nachfragen, warum" 

Auch Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer betont dies. „Schulen sind offen und bleiben offen, für alle die das brauchen“, sagte Himmer im Ö1-Morgenjournal. „Wir werden auch nicht nachfragen, warum.“

Für die Eltern selbst sei es keine einfache Entscheidung. Es gebe auch viele Berufsgruppen, die keine Wahl hätten und ihre Kinder weiter in die Schulen schicken müssten.

Schulleiterin ist überrascht über Schließung 

Die Schulleiterin der Mittschule (MS) Mattersburg im Burgenland, Ursula Piller, zeigt sich überrascht über die Schulschließung. „Mit einem zweiten Lockdown für die Schulen haben wir ehrlich gesagt nicht gerechnet. Wir sind am Samstag schon überrascht worden“, sagt sie.

Das Wochenende über haben sie und ihre Lehrer-Kollegen sich auf die neue Situation vorbereitet. Die Kinder bekommen ein Info-Schreiben, digitale und analoge Lernpakete wurden vorbereitet. Am Montagvormittag laufen die Telefone heiß, Eltern fragen nach, wie es weitergeht, andere melden ihre Kinder zur Betreuung an.

„Wir haben ja die Schule nicht geschlossen, sondern haben von Montag bis Freitag geöffnet“, sagt die Direktorin. Jene, die zu Hause nicht betreut werden können – etwa weil die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten – oder Kinder, die für das Distance Learning über keine entsprechenden Endgeräte verfügen, können weiter in die Schule kommen.

Das Land habe indes die Bereitstellung von Endgeräten wie Laptops in Aussicht gestellt, sagt die Schulleiterin. Derzeit werde noch der Bedarf erhoben.

20 bis 30 Prozent der Schüler erwartet 

Piller, rechnet damit, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Schüler in den kommenden Wochen eine Betreuung in Anspruch nehmen werden. 

Wie viele es tatsächlich sein werden, ließe sich aber schwer voraussagen. „Manche Eltern müssen erst im Laufe des heutigen Tages mit ihren Arbeitgeber abklären, ob sie von zu Hause aus arbeiten können, oder ob sie sich für die Betreuung ihrer Kinder freinehmen müssen."

Direktor in Wien verärgert

"Einerseits sagen die Pädagogen, die Schulen müssen offen bleiben. Andererseits meinen die Mediziner, die Schulen müssen geschlossen werden. Und was haben wir jetzt? Die Schulen sind offiziell zu, aber jeder darf kommen", sagt Horst Pinterich, Direktor der Volksschule in der Wiener Quellenstraße. Er ärgert sich über die neuen Maßnahmen.

Nachdem die Wiener Bildungsdirektion ebenso wie in Niederösterreich klargestellt hatte, dass an den Schulen ab Dienstag zwar kein Regelunterricht stattfinde, Eltern ihre Kinder aber zur Betreuung bringen dürften, ist nicht nur beim Lehrpersonal die Verunsicherung groß.

"Keiner weiß, woran wir jetzt eigentlich sind", klagt Pinterich. "Ist die Situation an den Schulen nun gefährlich oder nicht? Das wollen auch immer mehr Eltern von mir wissen."

 

Nach Pinterichs Ansicht, hätte man den Unterricht im Schichtbetrieb nach dem Frühjahr aufrecht erhalten sollen. "Das hat gut funktioniert." Darüber hinaus hätten großflächige Testungen an den Schulen für Beruhigung gesorgt.

Lehrer: "Schüler vermissen ihre Klassenkollegen"

Alexander Pekarek unterrichtet die erste Klasse an der Volksschule in der Wiener Quellenstraße. Er ließ seine Schüler am letzten Tag vor dem zweiten Lockdown abstimmen. Die Frage lautete: Freust du dich, dass du nicht in die Schule darfst? "Von 24 Kindern haben aber nur vier aufgezeigt. Der Rest ist traurig."

Wobei es den Kindern in der ersten Klasse nicht primär um Schwierigkeiten beim Distance Learning gehe, wie der Pädagoge betont. Sondern um das soziale Gefüge: "Die meisten vermissen ihre Klassenkollegen und ihre Sitznachbarn."

 

Der Unterricht werde insbesondere mit den ganz Kleinen, die noch kein Handy oder gar Tablet haben, mit der räumlichen Distanz natürlich nicht einfacher. "Wir haben Arbeitspakete aus Papier für die Schüler vorbereitet und ich bin zwar telefonisch erreichbar", sagt Pekarek. Letztlich hänge aber alles von der Kooperation der Eltern ab.

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