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Chronik Österreich
02/24/2021

Wie Gastein den Spagat zwischen Verfall und Luxus schaffen will

Der Hotelinvestor im historischen Zentrum hat seine Pläne vorgestellt und mit dem Bau begonnen.

von Matthias Nagl

Der Baukran steht, der Bagger ist aufgefahren. Gut drei Jahre, nachdem das Land Salzburg die fast 30 Jahre lang leer stehenden Hotels Straubinger, Badeschloss und Alte Post in Bad Gastein als Zwischenhändler gekauft hat, kehrt am Straubingerplatz wieder Leben ein.

Die Hirmer Gruppe aus München, die das historische Ensemble 2018 vom Land übernommen hat, hat mit den Sanierungsarbeiten begonnen, und stellte am Mittwoch ihre konkreten Pläne vor. Die drei historischen, denkmalgeschützten Häuser werden aufwendig saniert. Hinter dem Badeschloss entsteht ein Neubau, ein 35 Meter hoher Bettenturm mit Pool auf dem Dach.

Aus den drei Häusern werden zwei Hotels entstehen, das Badeschloss wird das größere. Dort kommt ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 100 Betten hinein, dass sich an eine jüngere Zielgruppe richten soll. Das Hotel Straubinger wird ein Fünf-Sterne-Haus mit 50 Betten und einem Infinity Pool direkt neben dem berühmten Gasteiner Wasserfall.

Fertigstellung 2023

Vor allem im Hotel Straubinger soll der breite Spagat zwischen Verfall und Luxus gelingen, der Gastein aktuell auch bei Hipstern so beliebt macht. „Die Spuren des Verfalls, die den Charakter des Hauses ausmachen, sollen erhalten bleiben“, sagt Erich Bernard, einer der verantwortlichen Architekten. „Diese Dialektik zwischen Luxus und Verfall ist eine schwierige Aufgabe. Das Projekt ist insgesamt kein Spaziergang“, erklärt er.

Gelingen soll das, indem Details wie Schalter, Uhren, Leuchten oder Bodenbeläge „in die neue Struktur überführt werden“. Eine genaue Investitionssumme gibt die Hirmer Gruppe nicht bekannt, dem Vernehmen nach sollen insgesamt 50 bis 60 Millionen Euro in den Bau fließen. Trotz Corona läuft das Projekt zügig voran, eine Zeitverzögerung lässt sich aber nicht vermeiden.

Ursprünglich war ein Start noch in der Wintersaison 2022/23 geplant, nun sollen die ersten Gäste Ende 2023 kommen. „Wenn keine besonderen Überraschungen warten, wird sich das ausgehen“, sagt Daniel Eickworth, Geschäftsführer von Hirmer Immobilien.

Verkehrslösung mit Tunnel

Warum sich das Land derart stark in Bad Gastein engagiert hat? „Weil wir gesehen haben, wie hier wertvollste historische Substanz endgültig verloren geht. Wäre nichts geschehen, wäre es unwiederbringlich mit diesen Gebäuden vorbei gewesen. Bad Gastein ist mit seiner Skyline einzigartig in den Alpen“, sagt Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP).

Er betonte am Mittwoch neuerlich, dass das Land mit dem Geschäft weder Gewinn noch Verlust gemacht hat. Sechs Millionen Euro war der Einkaufspreis, 7,5 Millionen Euro der Verkaufspreis. Die Differenz floss in Instandhaltungsmaßnahmen und Beraterkosten. Die Sache dürfte einmalig bleiben. „Das Land Salzburg ist kein Tourismusbetreiber und auch kein Immobilienmakler“, meint Haslauer. Ganz ausschließen will Haslauer weitere Initiativen in diese Richtung nicht, aber: „Mir sind keine vergleichbaren Häuser in Salzburg bekannt.“

Aber auch abseits der Hotels engagiert sich das Land in Bad Gastein: Für die fast 19 Millionen Euro teure Verkehrslösung inklusive Verbindungstunnel zwischen historischem und aktuellem Zentrum mit Skigebiet schießt das Land 4,7 Millionen Euro zu. Der Tunnel und zwei Parkhäuser sollen 2026 fertig sein.

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