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Chronik Österreich
01/24/2021

Was Bad Gastein von Bad Regina unterscheidet

Der Salzburger Ferienort ist als Vorlage für David Schalkos „Bad Regina“ in aller Munde. Während sich im Roman Hoffnungslosigkeit breitmacht, kehrt Gastein zu altem Glanz zurück.

von Matthias Nagl

Ein tosender Wasserfall, ein Investor von außen, mondän, aber doch am absteigenden Ast.

Das kann doch nur Bad – richtig – Regina sein, der Fantasieort aus dem neuen Roman David Schalkos. Die Parallelen zu Bad Gastein sind Absicht und erwünscht, die Unterschiede für eine Verwechslung dann aber doch zu groß.

Da ist einmal die Sache mit den Einwohnern. Davon gibt es in Bad Regina nur mehr 46, in Bad Gastein dagegen sind es noch knapp 4.000, obwohl auch dort ihre Zahl sinkt. In dem Roman liegt Bad Regina wirtschaftlich und emotional am Boden ohne Aussicht auf Besserung, Bad Gastein dagegen wähnt sich am Beginn einer neuen Gründerzeit.

Bad Regina hat außer einer großen Vergangenheit nichts, Bad Gastein hat große Vergangenheit und hofft auf eine große Zukunft. Kaiser Franz Joseph war hier auf Sommerfrische, später verliebte sich Aga Khan in den Ort. Berliner Hipster, aber auch Prinz Albert von Monaco entdeckten den Ort zuletzt neu. Selbst Romanautor Schalko war dort schon auf Winterurlaub.

In Bad Gastein gibt es auch nicht nur einen Investor wie in Bad Regina, sondern deren gleich mehrere, und die wichtigsten davon kommen gerade ins Tun. Beim prestigeträchtigen Hotel-Triumvirat im Herzen des Orts beginnt dieser Tage die Renovierung. Die Hirmer-Gruppe aus München beginnt mit der Entkernung der historischen Substanz den Umbau der Hotels Straubinger, Alte Post und Badeschloss.

Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP) hat deshalb trotz der Aufregung um seine Corona-Impfung dieser Tage Grund zur Freude. „Das erste Mal seit Jahrzehnten steht da unten ein Bagger. Ich war schon dort, um es mir selbst anzusehen“, berichtet er dem KURIER. Dieser eigentlich kleine Schritt sei tatsächlich ein Meilenstein.

Ein Tunnel zum Aufstieg

„Zuletzt sind dort und da schon wieder Zweifel aufgetaucht, ob wirklich etwas passiert“, erzählt Steinbauer. „Dabei war klar, dass so ein Projekt viel Vorbereitung braucht.“ 2017 hat die Hirmer-Gruppe das Ensemble vom Land, das als Zwischenhändler auftrat, gekauft.

Voraussichtlich 2023 sollen am Straubingerplatz zwei Hotels in Betrieb gehen. Genaueres wollen die Betreiber erst bei der Präsentation der Pläne verraten. Auch die Gemeinde investiert. Im Rahmen eines Mobilitätskonzepts soll ein unterirdischer Tunnel das historische Viertel mit dem neuen Zentrum samt Bahnhof verbinden.

Erste Erwähnung
Vergangenes Jahr hatte Gastein  sein 1.000-Jahr-Jubiläum. 1020 wurden der Ort und die Marienkirche im heutigen Bad Hofgastein erstmals urkundlich erwähnt

Kurort der Kaiser
Kaiser Franz Joseph und der deutsche Kaiser Wilhelm I. waren regelmäßig in Bad Gastein auf Kur und trafen sich dort auch mehrmals

Jetset und Abstieg
Im 20. Jahrhundert entdeckte der internationale Jetset den Ort – von Aga Khan über Liza Minnelli  bis Charles Aznavour. Ab den 1990er-Jahren folgte der Abstieg, viele historische Hotels sperrten zu

Ein Tunnel mit Lift durch den Fels für den Aufschwung – so viel Fantasie hatte nicht einmal Schalko für Bad Regina. Die Finanzierung steht so weit, im Frühjahr sollen die Pläne zur Bewilligung eingereicht werden.

Bad Gastein hat allerdings auch ein Problem, das Bad Regina nicht hat – Corona. Gastein ist damit aber nicht allein. So sind die Investoren des in Sichtweite zum Straubingerplatz gelegenen Hotels Mirabell nach dem Abriss des Belle-Époque-Hauses zum Nichtstun verurteilt.

Phase des Abwartens

Die Suche nach einem internationalen Betreiber ist während der Pandemie schwierig. „Im Moment steht jeder auf der Stopp-Taste. Das kann man niemandem verübeln. Erst wenn wieder eine gewisse Stabilität eintritt, wird sich da etwas tun“, erklärt Investor Christian Ebner. Er und seine Partner hätten aber keinen Zeitdruck. „Wir müssen abwarten, so wie 90 Prozent aller anderen auch.“

Und wie sehen die Gasteiner selbst das durch den Roman neu erwachte Interesse an ihrem Ort? Zwiespältig. Zwei, drei Leute hätten ihn auf der Straße auf das Buch angeredet, sagt Bürgermeister Steinbauer, deren Reaktion sei nicht sehr positiv gewesen. Ob er selbst das Buch schon gelesen hat?

„Nein, und ich weiß auch noch nicht, ob ich es lesen werde. Schließlich ist Gastein in den vergangenen 20 Jahren schon oft schlechter dargestellt worden, als es ist.“ Das soll sich ändern.

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