Bad Gastein lockt durch seine einzigartige Lage und die umliegende Bergwelt. 

© APA/BARBARA GINDL

Chronik Österreich
01/27/2021

Wohnsitzschmäh auch in Salzburg: Illegale Skiurlauber bevölkern Bad Gastein

Täglich vier Anmeldungen für Zweitwohnsitze ausländischer Staatsbürger in Bad Gastein. Sie kommen vor allem aus Schweden.

von Anja Kröll

Der Skiurlaub durch die Zweitwohnsitz-Hintertür scheint weitere Kreise zu ziehen, als bisher angenommen. Wie der KURIER berichtete, hatten in St. Anton offenbar Dutzende Skandinavier und Briten mit einer Einreisen aus "beruflichen Zwecken" und der Anmeldung eines Wohnsitzes das Beherbergungsverbot umgangen. Gearbeitet wurde wenig, Skigefahren umso mehr.

Nicht nur im Schatten des Arlbergs, auch am Fuße des Graukogels, im salzburgerischen Bad Gastein, macht man seit Ende des Vorjahres ähnliche Beobachtungen. „Mich haben rund um Weihnachten zum ersten Mal Leute darauf aufmerksam gemacht, wie es denn sein kann, dass lauter Urlauber durch die Gegend rennen, wenn es laut Verordnung verboten ist“, berichtet Bad Gasteins Bürgermeister Gerhard Steinbauer. Vor allem Schweden, die in der Pongauer Gemeinde seit Jahren den Großteil der Gäste stellen, weilen trotz Corona-Beschränkungen in dem Kurort. Zur Verdeutlichung: Im Sommer kommt jeder fünfte Gast in Bad Gastein aus Schweden. Im Winter ist es jeder siebte.

Zweitwohnsitzmeldungen gehen an Bezirkshauptmannschaft

Steinbauer versuchte dem Treiben einen Riegel vorzuschieben. „Wir haben ab 30.12 alle Zweitwohnsitzmeldungen aus dem Ausland direkt an die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde weitergeleitet. Damit diese prüfen kann, wer da einreist und ob das überhaupt legal ist. Uns als Gemeinde sind die Hände gebunden. Wir müssen laut Melderecht jede Meldung entgegennehmen“, erklärt Steinbauer.

Vier ausländische Zweitwohnsitzmeldungen täglich

Die Zweiwohnsitz-Bilanz stimmt nachdenklich: Von 30. Dezember bis einschließlich 26. Jänner gab es in Bad Gastein 65 Anmeldungen von Zweitwohnsitzen von ausländischen Staatsbürgern. Umgerechnet auf Amtstage ergibt dies fast vier ausländische Neuanmeldungen täglich. Bei einem Ort, der rund 4000 gemeldete Bürger und 2000 Zweitwohnsitze verzeichnet. Eingerechnet seien laut Steinbauer dabei aber noch gar nicht all jene Skilehrer, Personal oder einfach Urlauber, die sich bereits vor den Weihnachtsfeiertagen im Monte Carlo der Alpen niedergelassen haben.

Kontrollen in mehreren Salzburger Orten durch Behörde

„Uns ist bewusst, dass die BH das niemals kontrollieren kann, aber was sollen wir machen? Hier wurden von der Bundesregierung wieder einmal Verordnungen erlassen, die nicht praktizierbar sind“, sagt Steinbauer. 

Der Bezirkshauptmann, der für Bad Gastein zuständigen BH St. Johann im Pongau, Harald Wimmer, erklärt im KURIER-Gespräch: „Ja, es hat in dieser Causa Überprüfungen gegeben. Aber nicht nur in Bad Gastein, sondern auch in anderen Orten.“ Neben Bad Gastein gab es auch in Obertauern, Mühlbach, Pfarrwerfen, Wagrain und Dorfgastein Kontrollen bei zwölf Objekten. In drei Fällen erging eine Anzeige. "Wir sind mit unseren Kapazitäten langsam am Ende", sagt Wimmer. Neben genannter Kontrollen sei die BH für alle Covid-Bescheide, Tests, Überprüfungen von Demos, Entschädigungen oder das Contact-Tracing verantwortlich. Neben ihren eigentlichen Aufgaben wie Führerschein, Reisepass, Wasserrecht und so weiter und so fort.

Kein Überwachungsstaat

Doch zurück zu den Tricks ausländischer Urlauber. Diese seien auch in der Steiermark spürbar. Wenn auch in geringerer Ausprägung. Schladmings Bürgermeister, Hermann Trinker: „Natürlich hat es auch bei uns Anfragen von Gästen über das Mieten von Appartements gegeben. Und ja, es gibt viele private Vermieter und wir sind kein Überwachungsstaat, aber wir haben das von Anfang an abgeblockt“, erklärt der Ortschef. Man sei sich bewusst, welchen Ruf die Region zu verlieren habe. „Wir haben die Ohren aufgestellt wie ein Elefant und bewusst Druck aufgebaut, damit nichts passiert.“

In der Praxis sah dies in der Region so aus, dass bei verdächtigen Wahrnehmungen sofort die Polizei verständigt und zu den betroffenen Adressen geschickt wurde. Aber es gebe natürlich auch Autos mit ausländischen Kennzeichen, die nach wie vor im Ort herumfahren. „Wir haben Zweitwohnsitze, aber die Massen sind das nicht“, sagt Trinker. Personen, die sich aufgrund eines „beruflichen Aufenthalts“ in Schladming befinden, könne Trinker an einer Hand abzählen. 

In Kärntens größtem Skigebiet, dem Nassfeld, merke man hingegen nichts von illegalen Urlaubern. „Mir ist nichts aufgefallen, außer dass wir keine Skifahrer haben“, berichtet Siegfried Ronacher, Bürgermeister der Stadtgemeinde Hermagor-Presseggersee. Statt 15.000 Wintersportlern tummelten sich am Montag lediglich 54 Sportler auf den 110 Pistenkilometern.

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