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Politik Ausland
01/25/2021

Ärger in St. Anton: Mit Wohnsitzschmäh zum Skiurlaub

Im Tiroler Wintersportort sollen zahlreiche Skandinavier und Briten unterwegs sein – auf und abseits der Pisten

von Christian Willim

Helmut Mall ist verärgert. „Ich befürchte, dass sich einige bei uns im Ort aufhalten, die nicht hier sein sollten“, sagt der Bürgermeister von St. Anton am Arlberg. Der Tiroler Wintersportort steckt wie alle anderen Gemeinden in Österreich im Lockdown.

Nichtsdestotrotz sind laut Mall „relativ viele junge Leute aus Schweden, Dänemark und England unterwegs, was eigentlich nicht erklärlich ist“. Der Bürgermeister vermutet eine Umgehung des Beherbergungsverbots.

Auf englischsprachigen Plattformen würden regelrecht Tipps zur Einreise gegeben. Laut Mall nach dem Motto: „Kommt nach St. Anton Skifahren, das ist super.“

Allein vergangene Woche seien rund 20 Personen mit dem laut Covid-Verordnung vorgeschriebenen Einreiseformular angekommen. „Viele Leute haben Zweitwohnsitze angemeldet und geben an, Aussicht auf Arbeit zu haben. Aber im Tourismus gibt es derzeit keine Jobs.“

Der Bürgermeister hat das Thema, das in St. Anton heiß diskutiert wird, vergangene Woche auch in einem Brief an die Bürger der Gemeinde aufs Tapet gebracht. Darin warnte er vor der Gefahr, der „pauschalen Verunglimpfung des Ortes“ und der Vermieter.

„Wir müssen aufpassen, dass es zu keinem Zuzug kommt, bei dem versteckt wird, dass es eigentlich ums Skifahren geht. Ich bin nicht zufrieden und die Einheimischen schon gar nicht“, sagt der Ortschef zum KURIER.

Quarantänekontrollen

Die Bezirkshauptmannschaft Landeck sei jedenfalls informiert und habe die Polizei beauftragt, Kontrollen durchzuführen. Die Handhabe der Exekutive hält sich jedoch in Grenzen. „Wir überprüfen das Einreisemanagement. Ob die Leute zum Skifahren kommen, kann ich nicht sagen“, erklärt Patrick Wechner, stellvertretender Postenkommandant in St. Anton.

So werde etwa kontrolliert, ob die Quarantäne nach der Einreise eingehalten wird und wo die Leute Unterkunft nehmen. Laut Aussagen der Betroffenen würden diese zum Teil Jobs suchen oder auf Arbeit warten. „Es ist nicht verboten, zur Arbeitssuche zu kommen“, sagt Wechner.

Letztlich zeigt sich in St. Anton, was der Corona-Cluster in Jochberg bei Kitzbühel mit Infektionsfällen der britischen Virusmutation bereits vor Augen geführt hat:

Für EU-Bürger – und bis zum Jahreswechsel auch für Briten – gilt Niederlassungsfreiheit. Und eine Einreise aus „beruflichen Zwecken“ ist auch im Lockdown zulässig. Das öffnet Schlupflöcher, die wohl in vielen Skiorten des Landes zu einem unerwünschten Zuzug führen. Wer erst einmal hier ist, für den gelten auch die Lockdown-Ausnahmen. „Skifahren ist nicht verboten“, sagt Wechner von der Polizei in St. Anton.

Keine Verstöße

Was die Neuankömmlinge betrifft, stimme jedenfalls „bis jetzt alles mit der Verordnung überein“. In einigen Fällen gäbe es noch Überprüfungen von der Behörde.

„Wir müssen schauen, dass wir dem Herr werden“, sagt indes Bürgermeister Mall, der „keine negativen Schlagzeilen für den Ort“ will. Die kann St. Anton wahrlich nicht gebrauchen. Das Dorf wurde schließlich im März gemeinsam mit Ischgl und dem Paznauntal unter Quarantäne gestellt, nach dem auch dort das Après-Ski-Treiben zu einem Grassieren der Infektionen geführt hatte.

Dass nun mutmaßlich Personen aus dem Ausland über den Umweg einer Niederlassung zum Skifahren in den Ort kommen, soll auch bei Hoteliers und Zimmervermietern für Unmut sorgen – zumindest bei jenen, die nicht selbst Quartier geben.

„Einige dieser Leute wohnen in Personalunterkünften“, erklärt der Bürgermeister.

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