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Chronik Österreich
10/09/2020

Wie die Behörden Ischgl "aus dem Schussfeld" halten wollten

Das Land Tirol soll die Corona-Situation in Ischgl Anfang März laut Recherchen von ZiB2 und Profil zunächst beschönigt haben.

von Christian Willim

Am kommenden Montag wird die unabhängige Expertenkommission von Ronald Rohrer ihren Bericht zum Covid-19-Management des Landes Tirol vorlegen. Im Fokus steht dabei Ischgl.

Recherchen von Profil und ZiB2, die auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft fußen, wirbeln im Vorfeld der Präsentation des Reports einmal mehr Staub auf. Sie legen nahe, dass die Behörden in den ersten Märztagen zunächst versuchten, Ischgl "aus dem Schussfeld" zu halten.

Der Umgang mit den ersten Hinweisen

Einmal mehr geht es dabei um die Reaktion der Verantwortlichen auf die am 5. März erhaltene Information, dass 14 isländische Ischgl-Urlauber in ihrer Heimat positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Wie mehrfach berichtet, vermeldete das Land an jenem Tag, dass sich die Gäste beim "Rückflug im Flugzeug mit dem Coronavirus angesteckt haben" dürften.

Laut Profil schlug der für Ischgl zuständige Bezirkshauptmann von Landeck Markus Maaß in einer Mail an Landesamtsdirektor Herbert Forster vor, diese Presseaussendung auf zwei Isländer zu fokussieren, die angegeben hatten, sich im Flugzeug angesteckt zu haben. Und das "nach Rücksprache mit HLH (Anm: Herr Landeshauptmann)". Nachsatz von Maaß: "Dann hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld."

Im Büro von Günther Platter (ÖVP) verweist man auf eine Stellungnahme des Landes, in der "die Interpretation, dass sich der Landeshauptmann und der Bezirkshauptmann darüber unterhalten haben, dass sich Ischgl im 'Schussfeld' befindet", nicht zutreffend sei.

Das Mail im Wortlaut: Lieber Herbert, nach Rücksprache mit HLH hier die beiden E-Mail von zwei infizierten Personen. Sie geben an im Flugzeug von München nach Island infiziert worden zu sein. Das wäre für eine Allfällige Presseausendung der Abt. Öff. wichtig. Damit hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld.“

"Wahrscheinlich viele Krankheitsfälle"

Am 7. März wird dann der inzwischen berühmte Barkeeper des Kitzloch in Ischgl als erster Fall direkt im Ort positiv getestet. Après-Ski-Partys gelten heute als der Inbegriff von Super-Spreader-Events. Die Einschätzung des Tiroler Landessanitätsdirektion vom 8. März verwunderte allerdings bereits in den damaligen Anfängen der Pandemie in Österreich.

"Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich", hieß es damals. Am selben Tag soll jedoch bereits eine Mitarbeiterin der Landessanitätsdirektion laut Protokoll des Tiroler Krisenstabes berichtet haben, dass zehn der 14 positiv getesteten Isländer Ende Februar im "Kitzloch" waren.

Das Fazit der Mitarbeiterin laut Profil und ZiB2: "Wahrscheinlich viele Krankheitsfälle zu erwarten in Zusammenhang mit der Bar."

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