Gewessler testete am Dienstag die großzügige Fahrrad-Infrastruktur von Amsterdam

© BMK / Cajetan Perwein

Interview
05/27/2021

Was Gewessler von den Holländern lernen will

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gibt sich zum umstrittenen Lobautunnel bedeckt. Lieber spricht sie darüber, wie man den Niederländern in Sachen Verkehrsberuhigung nacheifern kann.

von Josef Gebhard

Die Niederlande gelten als Radfahr-Musterland schlechthin. Begleitet von lokalen Politikern machte sich Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) Dienstag radelnd vor Ort ein Bild, was die Holländer in Sachen Verkehrsberuhigung besser machen. An- und Abreise erfolgte mit dem neuen Nachtzug Wien – Amsterdam, versteht sich.

KURIER: Verkehrsberuhigung ist auch in Österreichs Städten ein brennendes Thema. Was kann man dabei von den Niederländern lernen?

Leonore Gewessler: Wenn man selbst mit dem Rad in Amsterdam unterwegs ist, werden viele Dinge augenscheinlich, die wir uns abschauen können. Etwa die Frage, wie der öffentliche Raum und damit auch der Platz für die Radfahrer verteilt ist. Oder wie sichere Infrastruktur, aber auch Kreuzungen funktionieren. Amsterdam hat hier 50, 60 Jahre konsequente Politik für die Radfahrer gemacht.

Zuletzt wurde vereinbart, europaweit den Radfahrer-Anteil bis 2030 zu verdoppeln. Warum gab es bisher so geringe Fortschritte?

Hier braucht es eine Vielzahl von Maßnahmen, die ineinandergreifen. Es geht nicht allein um genug Platz für die Radler, sondern auch um die nötige Infrastruktur, wie man in Amsterdam sieht. Das beginnt mit großen überdachten Radgaragen und geht hin bis zu Einrichtungen am Arbeitsplatz, damit sich Radler umziehen können. Oder etwa unsere Entscheidung, das Pendeln per Rad steuerlich zu begünstigen.

Auf der anderen Seite steht ein Projekt wie der Lobautunnel, gegen den sich nun wieder Widerstand formiert.

Unser Ministerium ist im laufenden rechtlichen Verfahren auch Behörde. Sie muss darauf achten, dass diese nach den besten rechtsstaatlichen Standards durchgeführt werden. Bevor Entscheidungen getroffen werden können, muss erst einmal Rechtssicherheit herrschen.

Aber wie geht es Ihnen als grüne Umweltministerin politisch mit diesem Projekt?

Als Behörde werde ich auf Zurufe zu einem laufenden Verfahren verzichten. Klar ist: Die Infrastruktur, die wir heute bauen, hat großen Einfluss darauf, ob wir unsere Klimaziele erreichen.

Eines Ihrer größten Projekte ist das 1-2-3-Ticket. Aktuell geht es darum, eine faire Lösung für Burgenländer zu finden, die via Niederösterreich nach Wien pendeln. Wie könnte diese aussehen?

Das bundesweit gültige Ticket kommt ja fix 2021. Die Bundesländer- und Regionaltickets ebenfalls so rasch wie möglich. In allen Bundesländern haben wir unterschiedliche Herausforderungen. Etwa auch die Pendler, die von OÖ nach Salzburg wollen. Wir sind auf gutem Weg, hier Lösungen zu finden.

Soeben wurde die Nachtzugstrecke Wien – Amsterdam eröffnet. Bleibt der Lenkungseffekt nicht begrenzt, wenn man für den Flug zum Teil viel weniger bezahlt?

Die Nachfrage ist enorm. Wir müssen es aber schaffen, dass der Zug günstiger wird, mit Maßnahmen wie eben dem 1-2-3-Ticket. Gleichzeitig geht es aber auch um das Ende der Steuerbefreiung für Kerosin, die gerade auf europäischer Ebene diskutiert wird.

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