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Chronik Österreich
09/25/2021

Warum es zu einem Blackout kommen könnte

Wenn die Lichter ausgehen. Der Versorgungssicherheit mit Strom wird zu wenig Beachtung geschenkt, warnen Experten.

von Barbara Wimmer

Österreich ist verwöhnt, was die Versorgungssicherheit beim Strom betrifft. Nur selten gibt es große Ausfälle – und wenn, dann ist meistens nach wenigen Stunden wieder alles beim Alten. Doch ist diese Sicherheit trügerisch? Kann man von der Vergangenheit wirklich auf die Zukunft schließen?

Experten warnen seit Jahren davor, dass das Risiko, ein Blackout – also einen Stromausfall in weiten Teiles des Landes – zu erleben, stetig steigt.

"Früher war Versorgungssicherheit großgeschrieben. Doch dann kam die Liberalisierung des Strommarkts, und man ist weggegangen vom technischen Denken, dass das Netz funktionieren muss", beschreibt Gerhard Christiner von der Austrian Power Grid (APG), Betreiber des Übertragungsnetzes in Österreich.

Der Strommarkt ist einem Handel unterworfen. Einem Handel, der seine Eigenheiten hat. Aktuell sind die Energiepreise etwa so hoch wie nie zuvor, was so manchen Industriebetrieb bereits dazu gebracht hat, die Produktion runterzufahren, weil die Kosten schlichtweg nicht mehr zu stemmen sind. Der Markt und somit die Netze kennen keine Grenzen. „Wir leben in einem europäischen Strommarkt. Kraftwerke, die nicht gefördert sind, fahren nach Marktpreisen hoch und runter“, sagt Christiner.

Netzauftrennung

Das kann zu Schwankungen im Stromnetz führen. Gibt es ein Problem im Netz in Südosteuropa, kann das auch auf Österreich Auswirkungen haben. Anfang des Jahres gab es etwa eine Großstörung im Stromnetz, bei der Südosteuropa vom kontinentaleuropäischen Stromnetz abgetrennt wurde.

Die Netzauftrennung sorgte für großes Aufsehen, so verursachte sie ein Beinahe-Blackout quer durch ganz Europa. "Bei dem Vorfall waren Abschaltungen vorgenommen worden, um ein Gesamt-Blackout zu verhindern", erklärt Herwig Renner, Experte von der TU Graz. "Wenn ungünstige Umstände zusammenkommen, etwa ein kalter Wintertag und dazu ein Schneesturm, kann man solche Ereignisse nicht ausschließen", warnt Renner. Bricht das ganze Netz zusammen, braucht es mehrere Stunden, damit dieses wiederhergestellt werden kann.

Trainings

Deshalb gebe es regelmäßige Trainings solcher Vorfälle für europäische Netzbetreiber. Mithilfe eines Simulators wird der Netzwiederaufbau trainiert. "Auch am Simulator benötigt man viele Stunden, weil ich jede Leitung einzeln schalten muss", sagt Renner. Doch es gebe auch Trainings im echten Netz, denn dort kommen oft versteckte Fehler zum Vorschein: "Wenn es bei einer Maschine seit 40 Jahren einen Verdrahtungsfehler gibt, bemerkt man diesen nur im echten Netz. Wir sind in Österreich gut dabei, diese Vorfälle zu trainieren, damit wir im Ernstfall professionell agieren können." Rasche Reaktionen der Netzbetreiber haben bisher immer das Schlimmste verhindert.

Neben gut trainiertem Personal wird allerdings auch ein nachhaltiger Netzausbau benötigt, bei dem die Energiewende mit berücksichtigt wird. Die Windparks werden nicht dort stehen, wo die alten Gaskraftwerke zu finden waren. Es fehlt also an den neuen Standorten etwa an Hochspannungsleitungen und Umspannwerken, die erst errichtet werden müssen.

Hinzu kommt, dass es laut dem Energietechniker Bernd Glöckl einen Unterschied mache, mit welchen Energieträgern man ein Netz im Störfall wieder aufbaue. Solarkraft steht etwa in der Nacht nicht zur Verfügung, weshalb man beim Netzausbau die Errichtung von Energiespeichern miteinplanen müsste. "Die Konzepte werden in Zukunft anders aussehen müssen, weil sich die Ressourcen verändern."

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