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Chronik Österreich
02/28/2021

Vom Tierheim ins neue Zuhause: „Und dann war der Hund König“

Es gibt tatsächlich auch erfreuliche Corona-Folgen: Viele Tiere wurden aus den Heimen geholt.

von Johanna Kreid, Elisabeth Holzer

Ein Lockdown kann auch seine guten Seiten haben. Das erlebte man zumindest in Österreichs größtem Tierheim in Vösendorf bei Wien: Rund 40 sogenannte „Langsitzer“ – das sind Hunde, die schon jahrelang im Tierheim leben und oft schwer vermittelbar sind – haben im Lockdown ein neues Zuhause gefunden. Generell habe sich die Nachfrage nach Hunden in Lockdown-Zeiten verdreifacht, sagt Oliver Bayer, Pressesprecher des Tierheimbetreibers Tierschutz Austria.

Für einige sei der Lockdown der entscheidende Anstoß gewesen, sich doch einen Hund zuzulegen: Im Tierheim in Vösendorf gibt es im Schnitt rund 160 Betreuungspaten. Das sind Freiwillige, die Hunde im Tierheim besuchen, mit ihnen spazieren gehen oder mit ihnen trainieren. „Im ersten Lockdown im März des Vorjahres haben wir aber sicherheitshalber alles dichtgemacht. Da waren auch diese Besuche nicht möglich“, beschreibt Bayer.

Besucher vermisst

Aber: „Ein Hund weiß ja nicht, was eine Pandemie ist.“ Viele Tiere seien offensichtlich traurig gewesen, hätten die Besuche vermisst. „Für viele Betreuungspaten war das dann der letzte Funke. Sie haben Hunde, die sie teils schon jahrelang besucht haben, dann schlussendlich mit nach Hause genommen und gesehen: Es funktioniert.“

Auch für die Tierheim-Mitarbeiter ein Erfolg: „Wir bekamen dann Fotos von Hunden, die bei uns eher ängstlich waren, und die in ihrem neuen Zuhause wie ein König auf dem Sofa thronen“, sagt Bayer und lacht. „Da weiß man wieder, wozu man diesen Job macht.“

Generell sei die Nachfrage nach Hunden in Vösendorf stark gestiegen: „Ab Lockdown eins, Woche zwei, sind die Telefone bei uns heiß gelaufen: Vielen war nicht klar, dass wir geschlossen hatten“, beschreibt Bayer. Vor dem Lockdown sei die Nachfrage nach Katzen und Hunden ausgewogen gewesen. Nun, in der Isolation, wünschen sich viele die Gesellschaft eines Hundes. Als endlich wieder Termine für Tiervergaben möglich waren, waren diese in kurzer Zeit ausgebucht.

Einsamkeit und der Wunsch nach einem Gefährten

Jürgen Stadler von der „Pfotenhilfe“ im oberösterreichischen Lochen hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Zuerst konnten wir im Lockdown ja keine Tiere vermitteln, weil wir das nicht durften. Aber danach hat es viele Anfragen von Interessenten gegeben.“ Einsamkeit wurde zwar nur selten direkt als Grund für den Wunsch nach einem Haustier genannt, aber „du hast das im Gespräch schon raushören können“.

Die meisten vergebenen Tiere haben ihr neues Zuhause behalten, nachdem der erste Lockdown gelockert wurde: „Die Rücklaufquote war gering.“ Stadler führt das auch darauf zurück, dass die „Pfotenhilfe“ Beratungsgespräche mit den potenziellen Tierbesitzern führt, bevor ihnen ein Hund oder eine Katze anvertraut werde. „Wir versuchen, schon bei den Anrufen auszusieben, so weit es geht“, berichtet Stadler. Denn viele Menschen machten sich in der ersten Euphorie wenig Gedanken über die Zukunft, betont er: Wie funktioniert die Betreuung des Hundes, wenn das Home Office beendet ist? Kann man sich mögliche Tierarztkosten leisten? Unternimmt man üblicherweise lange Urlaubsreisen? „Darüber muss man aber vorher nachdenken.“

An die 400 Hunde und Katzen hat die „Pfotenhilfe“ im ersten Pandemiejahr vermittelt. „Aber wir haben große Befürchtungen für den heurigen Sommer“, fügt Stadler hinzu: Dank Corona-Schutzimpfung dürfte verreisen wieder leichter werden, Flüge zu weit entfernten Destinationen inklusive. Doch wohin dann mit dem Lockdown-Liebling? „Da sorgen wir uns schon, dass das einige Leute nicht ausreichend bedacht haben.“

Was es vor der Anschaffung eines Haustieres zu bedenken gilt

Langeweile, Einsamkeit – oder einfach eine Motivation, das Haus zu verlassen, um einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen: Derzeit scheinen viele Gründe dafür zu sprechen, sich einen Hund (oder ein anderes Tier) anzuschaffen. Dennoch gibt Oliver Bayer, Pressesprecher von Tierschutz Austria, zu bedenken: Die Anschaffung eines Tieres will gut überlegt sein, sind die derzeitigen Monate doch eine Ausnahmesituation. Er hat daher einige Tipps, was es vor der Anschaffung eines Haustieres zu bedenken gilt.

Tiere kosten Zeit: „Verständlicherweise fühlen sich viele Menschen im Lockdown isoliert“, sagt Bayer. Ein Tier kann eine gute Gesellschaft sein. „Aber wie ist es, wenn wieder normaler Alltag einkehrt – mit allen beruflichen und sozialen Verpflichtungen? Möchte man dann immer noch ein Haustier haben?“ Dies müsse man sich vorher überlegen.

Tiere kosten Geld: Ein Haustier verursacht Kosten: Futter, Zubehör wie Körbchen, Spielzeug oder Kratzbaum, und vor allem die Tierarztkosten können zu Buche schlagen.

Das Homeoffice endet: Dies sei vor allem ein Thema bei Hundewelpen: „Wenn die Eltern jetzt im Homeoffice arbeiten und die Kinder vorwiegend Homeschooling haben, lernen die Hunde nicht, allein zu sein“, gibt Bayer zu bedenken. Auch das gehöre trainiert.

Ist alles gut überlegt, spricht nichts gegen die Anschaffung eines Tieres. Denn, so Bayer: „Immerhin sollen Mensch und Tier glücklich sein.“

Größtes Tierheim: Bei Tierschutz Austria in Vösendorf (NÖ) wurden  2020 mehr als 4.000 Tiere versorgt. Aktuell leben hier 1.065 Tiere, darunter 170 Hunde und 200 Katzen. Ebenso versorgt werden Kleintiere, Reptilien und Wildtiere – vom Wildschwein bis zur Krähe.

Katzen sind die Nummer eins: Laut einer Erhebung von Statista gab es im Jahr 2019 in österreichischen Haushalten zirka 1,8 Millionen Katzen und 641.000 Hunde. Ebenso hielten rund 510.000 Haushalte Kleintiere, es gab 240.000 Ziervögel und 135.000 Reptilien.

Kosten für ein Haustier: Laut einer Studie der Statistik Austria aus 2015 kosten Katzen monatlich rund 40 Euro, Hunde zirka 78 Euro und Kleintiere rund 23 Euro.

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