Ex-WTV- und nunmehrige TSA-Präsidentin: Madeleine Petrovic.

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
06/17/2020

Wiener Tierschutzverein zieht einen Schlussstrich

Nach fast 175 Jahren ändert der Traditionsverein seinen Namen und sein Erscheinungsbild. Künftig will man mehr Politik machen.

von Bernhard Ichner

Seit 1846 ist der Wiener Tierschutzverein (WTV) eine Institution. Doch nach fast 175 Jahren ist nun Schluss - zumindest in der bisherigen Form. Vereinspräsidentin Madeleine Petrovic und ihr 80-köpfiges Team wagen einen Neustart. Mit neuem Namen, neuem Logo und erweiterter Schwerpunktsetzung. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zur Neuerung:

 

Wie lautet der neue Name?

Der Wiener Tierschutzverein heißt künftig Tierschutz Austria (TSA). "Austria", um nicht mit dem Österreichischen Tierschutzverein verwechselt zu werden. Zudem soll der Name verdeutlichen, dass sich der Aktionsradius des Vereins nicht auf den Raum Wien/Niederösterreich oder gar auf Vösendorf (wo das Tierschutzhaus steht) beschränkt. Man habe den Anspruch, bundesweit im Interesse des Tier- und Artenschutzes tätig zu sein, sagt Petrovic.

Wozu die Umbenennung und das neue Logo?

Mit dem zeitgemäßeren Erscheinungsbild will man moderner erscheinen und nicht zuletzt die Jugend besser ansprechen. Darüber hinaus hoffe man, auch von überregionalen Medien mehr wahrgenommen zu werden, so die Präsidentin.

Welche Aufgaben nimmt Tierschutz Austria wahr?

Zusätzlich zur Betreuung von verletzten, ausgesetzten oder abgegebenen Tieren im Tierschutzhaus Vösendorf will der Verein künftig mehr Lobbying betreiben. Bei tierschutzrelevanten Gesetzen gebe man zwar auch schon bisher Stellungnahmen ab, erklärt Petrovic. Künftig wolle man aber noch sichtbarer sein - wie etwa der WWF oder Greenpeace.

Im Tierschutzrecht sieht TSA noch einiges an Nachholbedarf. So kritisiert man etwa die gängige Praxis, Fasane, Stockenten oder Hasen zu züchten, "um sie von gut betuchten Hobbyjägern abknallen zu lassen".

Ändert sich etwas an der Vergabepraxis im Tierschutzhaus?

Nein. Tiere können auch künftig in Vösendorf adoptiert bzw. abgegeben werden. Auch an der Pflege und Betreeung ändert sich nichts. "Wir wollen ein offenes Haus bleiben", betont Petrovic.

Was ändert sich für Unterstützer?

Im Prinzip auch nichts. Der Wiener Tierschutzverein bleibt als Rechtsperson bestehen. Das Spenden-Gütesiegel behalte seine Gültigkeit, weil das Geld auch weiterhin direkt bei den Tieren ankomme und nur ein geringer Teil in die Verwaltung fließe, betont Petrovic. Mitgliedschaften oder Patenschaften bleiben aufrecht. Selbst die Spenden-Kontonummer bleibt gleich. Sachspenden können weiterhin in Vösendorf abgegeben werden. Wie bisher erhält der Verein, der schon vor Jahren sämtliche Leistungsverträge mit der Stadt Wien kündigte, keine Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Bedeutet ein bundesweites Engagement, dass es weitere TSA-Tierschutzhäuser geben wird?

Das wird grundsätzlich zwar nicht ausgeschlossen, ist aktuell aber unrealistisch. Zumal aufgrund der Altlasten im Boden auch noch ein neuer Standort für das Vösendorfer Tierschutzhaus gefunden werden muss. Einzelne Tiergruppen werden aber in Außenstellen untergebracht. So gibt es etwa bereits eine Wildtierstation in Gloggnitz.

Ist bereits ein alternativer Standort für das Tierschutzhaus Vösendorf absehbar?

Nein. Dass im Innenhof des Tierschutzhauses aufgrund der Altlasten Teer aus dem Boden quillt und andere Beeinträchtigungen der Bausubstanz habe man zwar im Griff, so Petrovic - "wir haben uns an den täglichen Wahnsinn gewöhnt", sagt sie. Zudem stehe man als Arbeitgeber in ständigem Kontakt mit der AUVA. Langfristig sei der Standort aber nicht haltbar. Der Vereinsvorstand denke zwar intensiv über eine Übersiedlung nach. Man habe aber noch kein geeignetes Grundstück gefunden.

Ist das schwierige Verhältnis mit der Stadt Wien ein Mitgrund der Umbenennung?

Das bestreitet Petrovic. Zumal die Kooperation mit einzelnen Magistratsabteilungen wie etwa dem Forstbetrieb der Stadt (MA49) gut sei. Nur mit der für Tierschutz zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) herrsche "Eiszeit". "Das liegt aber nicht an uns", beteuert die TSA-Präsidentin. Man habe der Stadt Wien sogar einen Sitz im Vorstand angeboten. Den Neustart unter neuem Namen hätte es aber auf jeden Fall gegeben.

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