© KURIER/Schaffer Hans Peter

Chronik Österreich
05/28/2021

Verbale Entgleisungen eines Polizisten im Dienst: 2.700 Euro Strafe

„Putzimausi“ war noch die harmloseste Bezeichnung für Kolleginnen. Nun wurde der Mann zu 2.700 Euro Geldstrafe verurteilt.

von Michaela Reibenwein

Der Umgangston auf der Polizeidienststelle war alles andere als normal – vor allem gegenüber Frauen. War er gut aufgelegt, nannte der ranghöhere Polizist seine Kolleginnen „Mäuschen“ oder „Putzimausi“ – vergleichsweise harmlos. Denn sonst waren deutlich derbere Ausdrücke an der Tagesordnung. „Nehmt’s Platz ihr M*“, forderte er die Kolleginnen etwa auf. An anderen Tagen fiel die Bemerkung: „Ich seh nur Möpse.“

Solche Worte waren alles andere als ein Ausrutscher, das bestätigten die Kolleginnen der Dienststelle auch vor der Disziplinarbehörde. Manchmal wurde der Vorgesetzte auch körperlich übergriffig. Dann verteilte er ungefragt Nacken- und Schultermassagen, umarmte die Kolleginnen von hinten und ließ seine Hände auf den oberen Brustbereich wandern.

Gewohnheitseffekt

„Er hat die Ausdrücke nur dann gewählt, wenn keine anderen Vorgesetzten im Raum waren“, schilderte eine Polizistin. In den vielen Jahren seien die Ausdrücke zur Gewohnheit geworden. „Ich überhöre das mittlerweile.“

Und auch sonst fiel der Polizist intern auf. So wies er die gesamte Dienstgruppe an, im Nachtdienst leise zu sein. Das Licht sei abzudrehen, die Türen leise zu schließen. Zudem sei davon abzusehen, die Toilettenspülung zu drücken. Das führte so weit, dass sich Polizisten im Nachtdienst nicht trauten, den Vorgesetzten bei Fragen zu kontaktierten – etwa wenn es Probleme bei Amtshandlungen gab. Eine Kollegin schilderte, dass sie stattdessen lieber einen anderen Vorgesetzten kontaktiert habe, um sich im Zweifelsfall abzusichern. Andere schildern, dass sie ihren Dienst generell mit „Bauchweh“ angetreten hätten.

„Aus Übermut“

Der Beamte selbst gab zu, die Ausdrücke verwendet zu haben, was er mittlerweile bedaure. Er habe sie aber „keinesfalls diskriminierend oder herabsetzend gemeint“. Das sei aus Übermut und Spaß passiert. Und er gelobte, er werde in Zukunft mehr auf die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen.

Die Bundesdisziplinarbehörde verhängte eine Geldstrafe über 2.700 Euro. Der Beamte darf sie in Raten abzahlen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.