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Chronik Österreich
01/13/2022

Typisch Polizei: Überstunden, Demos und Corona

32.155 Beamte sind aktuell im Exekutivdienst – wie sich ihr Arbeitsalltag und ihr Image geändert haben.

von Michaela Reibenwein

Stefan ist um die 40. Seinen Dienst verrichtet er auf einer normalen Polizeiinspektion. Seine Ausbildung hat er mit 26 Jahren begonnen. „Um anderen zu helfen“, wie er sagt. Überstunden sind bei ihm kein „Kann“. Sie sind ein Muss.

Stefan gibt es nicht wirklich. Aber gleichzeitig sehr wohl. Stefan ist der durchschnittliche Polizeibeamte. Einer von insgesamt 32.155 Polizisten in Österreich, dazu kommen noch 6.500 Kollegen in der Verwaltung. Die Polizei steht in den vergangenen Monaten verstärkt im Fokus. Sei es bei den Corona-Demos oder bei den Kontrollen zur Einhaltung der 2-G-Regeln. Allein schon deshalb nehmen die Überstunden bei Stefan und seinen Kollegen ungeahnte Ausmaße an. 929.000 Überstunden hat die Polizei nur im Zusammenhang mit Corona in den Jahren 2020 und 2021 geleistet. Dazu kommen noch Überstunden für Objektschutz, bei Sportgroßveranstaltungen oder um Krankenstände von Kollegen auszugleichen.

Um Stefan ein wenig zu entlasten, werden etwa in Oberösterreich und Salzburg derzeit pensionierte Kollegen angeschrieben und gebeten, bei der Kontrolle der Corona-Maßnahmen unterstützen. Stefans Kollegen sind mehrheitlich männlich. Aktuell beträgt der Frauenanteil bei der Polizei um die 22 Prozent. In den Führungsetagen wird der Frauenanteil noch geringer. Derzeit wird nur eine Landespolizeidirektion von einer Frau geleitet –  in Kärnten. Doch das Interesse der Frauen an der Polizeiarbeit steigt. Bei den Bewerbern liegt der Anteil immerhin bei 30 Prozent.

Die Chancen stehen hoch, dass Stefan seinen Dienst in Wien leistet – hier sind mit Abstand die meisten Polizisten im Einsatz. Vermutlich ist unter seinen Kollegen in Wien auch einer mit Migrationshintergrund. Offizielle Zahlen gibt es dazu allerdings nicht. Sie dürfen gar nicht erhoben werden. Doch in den vergangenen Jahren wurde speziell in größeren Städten um Nachwuchs mit Migrationshintergrund geworben. Eigene „Recruiting Days“ finden dazu statt. Migrationshintergrund erleichtert die Arbeit im Alltag enorm. Speziell in Stadtvierteln mit hohem Ausländeranteil.

Überstunden und Nachtdienste

Im Arbeitsalltag belasten Stefan vor allem zwei Dinge: die Überstunden und die Nachtdienste. „Unsere Kollegen leisten deutlich mehr als eine 40-Stunden-Woche. Darunter leidet auch das Privat- und Familienleben. Persönliche Kontakte können nicht mehr gepflegt werden, die Zeit mit der Familie fehlt“, schildert Reinhard Zimmermann, der oberste Polizeigewerkschafter des Landes.

Ein zweites Problem, mit dem Stefan und seine Kollegen immer häufiger konfrontiert sind, ist die steigende Aggression gegenüber Uniformierten. „Früher hat man den Inspektor freundlich gegrüßt. Davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Im Gegenteil“, schildert Zimmermann.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Stefan im Zuge seines Dienstes verletzt wird, stehen hoch. Von Jänner bis Juni 2021 zählte das Innenministerium 1.094 Polizisten mit leichten Verletzungen und 498 mit schweren Verletzungen. Im Vergleich waren es im (gesamten) Jahr davor 1.921 Leichtverletzte und 937 Schwerverletzte.

Trotzdem ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Stefan während seiner Arbeit jemals einen Schuss aus seiner Dienstwaffe auf einen Menschen abgeben muss. Im Vorjahr geschah dies nur zwei Mal. Im Jahr 2020 waren es 13-mal. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich Stefan mit Corona ansteckt. Bisher waren schon 7.251 Polizisten mit dem Virus infiziert. Vier Kollegen starben. Die Durchimpfungsrate bei Stefan und seinen Kollegen ist überdurchschnittlich. Sie beträgt aktuell 85 Prozent.

Nachwuchs

Zuletzt bemerkt Stefan, dass immer mehr Jungkollegen in den Dienst drängen. Im Vorjahr begannen 1.557 Personen die Polizeischule. Heuer sollen es mehr werden. Das durchschnittliche Alter der Polizeischüler (26) ist in den letzten Jahren gestiegen – unter anderem, weil das Alterslimit gefallen ist. Der aktuell älteste Polizeischüler ist 57 Jahre alt.

Auch bei den Polizisten, die aktuell im Dienst sind, ist der Anteil der Jungen beachtlich. 9.500 sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie beginnen mit einem Grundgehalt im ersten Ausbildungsjahr in Höhe von 1.765 Euro. Wenn sie auf eine Polizeiinspektion wechseln, können sie mit rund 3.800 Euro rechnen. Dazu kommen Zulagen und Überstunden. Politisch ist Stefan eher konservativ eingestellt. Zumindest in der Personalvertretung dominiert die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG).

Stefans Bildungsweg ist nicht statistisch erfasst.

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