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Chronik Österreich
01/11/2022

Impfung: "Offener Brief" von Polizisten löst heftige Reaktionen aus

Die Gruppierung spricht sich gegen Impfpflicht aus - und liefert seltsame Argumente. "So ein Schwachsinn", ärgern sich Gewerkschafter.

von Michaela Reibenwein

Ein "Offener Brief", der Dienstagvormittag veröffentlicht wurde, sorgt für heftige Reaktionen. Titel des Briefes: "Aufforderung zur Rücknahme der Impfpflicht und Beendigung der Spaltung der Gesellschaft". Adressat: Innenminister Gerhard Karner. Absender: laut eigenen Angaben eine Gruppe von 600 Polizisten.

Der Sprecher der Bewegung ist allerdings kein Uniformierter. Uwe Eglau ist Polizeiseelsorger und Psychotherapeut in Wien. Warum ausgerechnet er? "Weil sich sonst niemand traut, seinen Namen herzugeben. Die Polizistinnen und Polizisten stürmen zwar Wohnungen. Aber sie haben Angst vor Repressalien oder disziplinären Folgen", erklärt er. Denn Druck gebe es für ungeimpfte Polizisten schon jetzt.

"Wir sind kein Verein, keine Gewerkschaft und auch keine juristische Person. Wir sind weder rechts- noch linksextrem. Wir sind keineswegs Impfgegner oder gar sogenannte „Schwurbler“ bzw. Verschwörungstheoretiker", wird in dem Brief betont. Auch stecke keine politische Partei dahinter. 

"Schwachsinn"

Das sehen nicht alle so. Der oberste Polizeigewerkschafter Reinhard Zimmermann etwa kommentiert den offenen Brief sauer: "Einen größeren Schwachsinn habe ich noch nicht gelesen. Er ist kein Polizist. Aber er springt auf die blaue Schiene auf. Er sollte sich besser um seine eigenen Angelegenheiten kümmern."

Ähnlich sieht das FSG-Gewerkschafter Hermann Greylinger: "Das kann nur von der FPÖ sein. Hier will man nur zündeln. Uns ist kein einziger Fall bekannt, wo es Probleme für ungeimpfte Kollegen gegeben hätte."

Den Vorwurf der Parteipolitik dementiert Eglau: "Das ist keine politische Gruppierung. Und ich bin auch kein Blauer." Allerdings: Zwei weitere Polizisten, die den Brief ebenso unterschrieben haben, haben zumindest einen FPÖ-Hintergrund. "Das wusste ich nicht", sagt Eglau. "Aber es stört mich auch nicht."

Eglau beobachte sehr wohl, dass der Druck für ungeimpfte Polizisten zunimmt: "Eine junge Kollegin hat mich weinend angerufen, als sie auf ihre erste Polizeiinspektion zugeteilt wurde. Die erste Frage war: Bist du geimpft? Als sie verneint hat, wurde sie aggressiv angegangen."

Studie?

In dem Brief finden sich durchaus impfkritische Passagen: Etwa wird über Nebenwirkungen der Impfung spekuliert, die "vermutlich erst im Laufe der Zeit sichtbar werden". Und es wird erklärt, dass alle Geimpften aktuell an einer medizinischen Studie teilnehmen würden."Wir möchten daher klar zum Ausdruck bringen, dass wir NICHT an einem solchen Versuch oder einer solchen Studie teilnehmen möchten."

"Der Brief ist bereits seit Wochen fertig. Juristen und Offiziere haben ihn vorab geprüft. Jetzt haben wir beschlossen, damit rauszugehen", erklärt Eglau. Die Gruppe habe sich zuvor auf Telegram gebildet. "Es handelt sich um Polizisten, die über die aktuellen Entwicklungen in Sorge sind." Man wolle wieder Freund und Helfer der Bürger sein.

"Natürlich sind wir grundsätzlich Freund und Helfer", kommentiert das Gewerkschafter Zimmermann. "Aber es gibt auch gewisse Dinge, wo durchzugreifen ist."

Im Innenministerium stellt man die Gruppe grundsätzlich in Frage. "Dass es sich um 600 Polizisten handelt, wird einfach von drei Personen behauptet", heißt es. Der Brief würde jedenfalls keinesfalls das gesamtheitliche Bild, dass die österreichischen Exekutivbeamten im Zusmmenhang mit den Covid-Maßnahmen, aber auch mit den Demonstrationen haben, abbilden. "Die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mitzutragen ist sehr hoch – das ist auch ein sehr klares Bekenntnis zu den Maßnahmen."

Die Impfquote bei den 32.000 Polizisten in Österreich beträgt übrigens aktuell 86 Prozent und liegt damit weit über dem Durchschnitt.

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