© Albert MOSER

Chronik Österreich
03/04/2021

Tunnelbau im Flachgau: Die Angst vor dem Versiegen der Quelle

Anrainer und Wasserversorger beim geplanten Westbahntunnel fürchten ähnliche Szenarien wie am Semmering. ÖBB und Land beschwichtigen.

von Matthias Nagl

Der Semmering ist im Flachgau weit weg. An den Hängen der Riedelwaldplatte in Köstendorf grasen schon ein paar Schafe in der Frühlingssonne. Mehrere Bauernhöfe liegen in der sanften Hügellandschaft. In der Ferne sind die schneebedeckten Gipfel der Voralpen zu sehen, die hunderte Kilometer weiter ins Semmeringmassiv übergehen.

Für die Flachgauer Bauern sind die Sorgen vom Semmering aber plötzlich ganz nah. Denn auch hier soll wie am Semmering ein kilometerlanger Eisenbahntunnel gebaut werden. Und, so wie es sie am Semmering gegeben hat, fürchten die Bauern auch hier im Zuge der Baustelle unvorhergesehene Probleme mit Wassereinbrüchen.

Hier betrifft es aber nicht nur einzelne Bauernhöfe. Auch Matthäus Wimmer ist besorgt. Er ist Obmann der Wassergenossenschaft Schleedorf, die die Gemeinde mit Wasser versorgt. „An der Riedelwaldplatte hängt insgesamt die Wasserversorgung von 30.000 Menschen. Wenn im Flachgau das Gleiche wie am Semmering passiert, sind wir im Notstand“, sagt Wimmer.

ÖBB sieht sich gerüstet

„Wir sind der Meinung, es müssen alle Risiken ausgeschalten werden. Das muss von unabhängigen Experten überprüft werden.“ Wimmer ist es wichtig, nicht als Querulant dazustehen. Er hat mehrere ehrenamtliche Ämter und sitzt auch im Gemeinderat (als parteifreier für die ÖVP). „Es ist nicht unsere Intention, den vierspurigen Ausbau der Westbahnstrecke oder den Tunnel zu verhindern“, sagt er. Aber genaue Untersuchungen und Pumpversuche müssten jetzt gemacht werden.

„Bevor die Riedelwaldplatte geöffnet wird. Denn, wenn dann etwas passiert, ist es vorbei“, erklärt Wimmer. Laut Projektwerber ÖBB sind diese Sorgen aber unbegründet: „Prognosegemäß wird es zu keinen qualitativen und quantitativen Beeinträchtigungen von kommunal oder genossenschaftlich organisierter Wasserversorgung kommen“, teilt ein ÖBB-Sprecher auf KURIER-Anfrage mit.

Das Baukonzept sei auf „Grundlage langjähriger Untersuchungen entwickelt“ worden. „Es berücksichtigt die Sicherung der Trinkwasserquellen sowie des Wasserschongebiets der Riedelwaldquellplatte“, schreibt der Sprecher.

16,5 Kilometer
lang soll der Flachgautunnel auf der Westbahnstrecke zwischen Köstendorf und Hallwang werden.

2,8 Milliarden Euro
beträgt die geplante Investitionssumme für das Gesamtvorhaben. Darin sind weitere fünf Kilometer vierspurige Neubaustrecke inkludiert.

2040 Fertigstellung
Die ersten Züge sollen laut Plan in knapp 20 Jahren unterirdisch fahren.

Land fordert Ersatz

Zudem sei die Situation im Hinblick auf „Geologie und Hydrogeologie“ mit dem Semmering nicht vergleichbar. Vorsichtiger wird da schon beim Land argumentiert. „Wassereinbrüche im Zuge des Baus sind nicht zu erwarten, aber auch nicht gänzlich auszuschließen. Für diesen Fall werden wir im UVP-Verfahren fordern, dass Ersatzwasserversorgungen für die entsprechenden Quellen vorgeschrieben werden“, sagt Theo Steidl vom Amt für Wasserwirtschaft der Salzburger Landesregierung.

Diese Ersatzwasserversorgungen müssten schon bei Baubeginn bereitstehen, das hätten die ÖBB derzeit so nicht geplant. Dass die Riedelwaldplatte quasi ausrinnt, wenn sie angebohrt wird, wie die Anrainer befürchten, schließt aber auch er aus. „Das sind Szenarien, die sind unlogisch. Sollte es ein Leck geben, wird das abgedichtet, und das Reservoir füllt sich wieder“, erklärt Steidl.

Viel Wasser dürfe jedenfalls nicht abfließen, sind die Anrainer überzeugt. „Wir müssen haushalten damit, wir haben es hier nicht im Überfluss“, sagt Wimmer.

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