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Chronik Österreich
02/19/2020

Wie die Suche nach einer Deponie den Westbahnausbau verzögert

Die ÖBB machen in Salzburg einen Schritt auf die Anrainer zu und prüfen sechs neue Varianten für den Tunnelaushub.

von Matthias Nagl

Wolfgang Wagner ist noch sehr vorsichtig. „Man kann das als Teilerfolg sehen. Wir haben das gefordert“, sagt der Bürgermeister von Köstendorf zu den neuen Projektplänen der ÖBB für den Ausbau der Westbahnstrecke im Salzburger Flachgau. Dabei geht es um die Deponierung des Aushubmaterials für den Bahntunnel, eigentlich ein Detail des milliardenschweren Großprojekts.

Im Herbst mussten die ÖBB den ursprünglich geplanten Deponiestandort aufgrund einer dort vorkommenden großen Population des vom Aussterben bedrohten Steinkrebses verwerfen. Nun wurden betroffenen Gemeinden und Bürgerinitiativen sechs mögliche Alternativstandorte präsentiert.

Das Neue daran ist, dass vier der Alternativen Bahnverladestationen sind. Dort soll der Aushub auf Waggons verladen und zu anderen Deponiestandorten gebracht werden. Diese Variante wurde von Anrainern und Gemeinden schon länger gefordert, von den ÖBB bis jetzt aber nicht in Betracht gezogen. Das hat sich geändert.

Endlagerstätte gesucht

„Unser Weg ist es, gemeinsam mit den Bürgerinitiativen und Gemeindevertretern eine Lösung zu finden“, sagt ÖBB-Sprecher Robert Mosser. Nun werden die sechs Varianten geprüft, dabei sollen Gemeinden und Bürgerinitiativen eingebunden bleiben. Bis Jahresende sollen es dann auf Basis einer nachvollziehbaren Matrix eine Entscheidung für einen Standort geben. Danach soll die neue Variante zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht werden.

Der Köstendorfer Bürgermeister Wagner hat bereits klare Vorstellungen. „Zusätzliche Deponiestandorte in Köstendorf kommen nicht in Frage“, sagte er. Damit bleibt für ihn de facto nur mehr die Variante einer Verladung mit der Bahn übrig. Die beiden anderen Deponievarianten befinden sich auf Gemeindegebiet.

Allerdings ist noch überhaupt nicht klar, wo der Aushub endgelagert werden soll, wenn er mit der Bahn weggebracht wird. „Das gilt es jetzt zu klären“, sagt Mosser. Die landwirtschaftlich wertvollen Böden im Flachgau, teilweise nahe an Siedlungen, seien jedenfalls keine Alternative, entgegnet Wagner. Etwa ein aufgelassener Steinbruch sei wesentlich besser geeignet.

Zeitplan soll halten

Für die Detailplanung der nächsten Monate fordert Wagner „die Unterstützung des Landes Salzburg“. Ihm schwebt eine „Art Lenkungsausschuss“ vor, der sich vor allem mit vier Themen befassen soll: der Umgebungsbeschaffenheit, Eisenbahntechnik, Auswirkungen auf den Verkehr und Humanmedizin. Dazu hat das Land zugesagt, Sachverständige zur Verfügung zu stellen.

Vor der Verzögerung durch die Umplanung visierten die ÖBB einen Baustart 2026 an. „Das wäre aus unserer Sicht immer noch möglich“, meint Mosser. Die ersten Züge könnten dann 2040 durch den Flachgauer Tunnel rollen. „Dieser Zeitplan ist sehr sportlich“, sagt Wagner dazu. Er lobt allerdings die Gesprächsbereitschaft der ÖBB.

„Ich bin froh und dankbar, dass die ÖBB vor der UVP umdenkt“, meint Wagner. Ob die konfliktträchtige Entwicklung eines anderen Salzburger Großprojekts, der 380-KV–Leitung, einen Anteil daran haben, wollen die ÖBB nicht kommentieren.

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