Alte Häuser im Besitz von älteren Menschen sind Brennpunkte von Wohnungsleerstand. Die Pradlerstraße ist ein dafür typischer Straßenzug 

© zeitungsfoto.at

Innsbruck
02/18/2020

Die Hotspots des Wohnungsleerstands in Innsbruck

Eine Datenanalyse zeigt: Nicht nur Spekulanten produzieren ungenutzten Wohnraum

Innsbruck ist im vergangenen Jahrzehnt massiv gewachsen, war zeitweise die Landeshauptstadt mit dem größten Bevölkerungsplus. Die Immobilienpreise sind mit in die Höhe geschossen.

Dass es nun zum zweiten Mal in Folge ein kleines Minus bei den Einwohnern auf aktuell rund 132.000 gibt, ist Ausdruck dieser Teuerungswelle, wie Bürgermeister Georg Willi (Grüne) bestätigt: „Das sind relative junge Familien mit zwei Verdienern und Kindern, die Eigentum haben wollen, aber es sich nicht leisten können.“

Für den Stadtchef ist das ein Alarmzeichen. „Das ist eine Generation, die da geht“, sagt er im Zuge eines Pressegesprächs am Dienstag, das sich rund um den (un)leistbaren Wohnraum drehte. Konkret präsentierte Willi eine Datenanalyse zum Leerstand in der Stadt.

2.031 leere Wohnungen

Die zeigt zum einen: Es gibt einen harten Kern von 2.031 Wohnungen, die länger als zwei Jahre leer stehen. Das ergibt sich aus dem Stromverbrauch, der in diesen Wohnungen unter 100 Kilowatt-Stunden im Jahr liegt. Solche Wohnungen häufen sich in St. Nikolaus, Blockwilten, Blocksaggen und Pradl.

Da das Innsbrucker Gebäude- und Wohnregister in schlechtem Zustand ist, lassen sich die Wohnungen aber nicht eindeutig zuordnen. Viel mehr konnten Straßenzüge als Hotspots des Leerstand ausgemacht werden.

Eine eigene Arbeitsgruppe im Büro des Bürgermeisters hat aber versucht, mit der Verwendung von weiterem Zahlenmaterial auch mögliche Erklärungen dafür zu finden, warum diese Wohnungen nicht vermietet werden.

Nicht nur Spekulanten als Problem

Bisher galten vor allem Spekulanten, die ihr Geld in Anleger-Immobilien stecken und die den Leerstand in Kauf nehmen, als Hauptursache für dieses Problem.

Aber eine Analyse von Gebäudealter und Alter der Eigentümer hat gezeigt, dass sich Leerstände in Gebieten konzentrieren, wo Gebäude eine alte Baustruktur aufweisen und die Besitzer im Schnitt über 58 Jahre alt sind.

Willi geht davon aus, dass die älteren Häuser einen höheren Sanierungsbedarf aufweisen und die „tendenziell eher älteren Besitzer nicht die Energie oder das Geld“ für die notwendigen Arbeiten haben. Die leer stehenden Spekulantenwohnungen machen im Vergleich dazu laut dem Bürgermeister den kleineren Teil aus.

Um diesen Wohnraum in Alt-Gebäuden zu mobilisieren, muss für Willi nun geklärt werden, ob es etwa Hilfe bei Sanierungsmaßnahmen benötigt. Außerdem soll ein Angebot für die Wohnungsbesitzer geschaffen werden, bei dem die Stadt für ihn als Vermieter auftritt.

Hebel gegen Airbnb

Der Leerstand wird in Innsbruck aber auch durch Buchungsplattformen für Touristen befeuert. Hier hat der Tiroler Landtag, wie berichtet, gerade erst ein Gesetz beschlossen, das diesem Problem entgegenwirken soll:

Wohnungen dürfen nur in Häusern vermietet werden, in denen auch der Besitzer lebt. „Nach meiner Einschätzung haben wir nun bei Airbnb einen Hebel, um eine neue Ära einzuleiten“, sagt Willi.

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