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Chronik Österreich
05/27/2020

Trotz Lockerung: Hochzeit mit Hindernissen

Ab Freitag dürfen Brautpaare wieder 98 Gäste zur Hochzeit laden. Das Problem: Kaum ein Paar will sich so kurzfristig trauen lassen.

von Theresa Bittermann

Sie zählt gemeinhin zu den schwierigsten Aufgaben vor jeder Hochzeitsfeier: die Erstellung der Gästeliste. Ab Freitag, 29. Mai, wird die Auswahl wieder leichter.

Durften an Trauungen in der Corona-Krise bisher maximal zehn Personen teilnehmen, so können ab Freitag wieder bis zu 98 Gäste geladen werden. Gemeinsam mit dem Brautpaar erreicht man so die ab dann gültige Obergrenze von 100 Personen.

Personal, das zur Ausrichtung des Fests notwendig ist – etwa der Pfarrer, aber auch Catering-Mitarbeiter – wird nicht eingerechnet. So steht es in der neuen Verordnung, die die Regierung am Mittwoch veröffentlicht hat.

Mit der Anzahl der Gäste steigt jene der Auflagen, die für die Feiern gelten. Denn wenn sich zwei Menschen das „Ja -Wort“ geben, bedeutet das üblicherweise nicht nur viel Trubel und Aufregung – sondern auch viel Nähe.

Prinzipiell müssen aber auch auf Hochzeiten alle Personen, die nicht aus einem Haushalt sind, einen Meter Abstand zueinanderhalten. In Räumen muss außerdem ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Und zwar auch vom Brautpaar. (Findige Designer haben bereits reagiert: Für Brautpaare gibt es mittlerweile eigene Masken, die zu Kleid und Anzug passen.)

Sobald Schwung in die Feier kommt, gelten beim Tanzen dieselben Regeln wie beim Sport: Lebt man nicht im selben Haushalt, muss man mindestens zwei Meter Abstand halten. Dieser Abstand könne nur „ausnahmsweise kurzfristig unterschritten werden“, heißt es in der Verordnung.

Sperrstunde um 23 Uhr

Bei einem Buffet darf man sich bedienen, sofern die Speisen vorportioniert sind oder ausgegeben werden. Findet die Feier in einem Gastronomiebetrieb statt, gilt außerdem die Sperrstunde von 23 Uhr.

Während die maximale Personenzahl bei anderen Veranstaltungen (etwa im Kulturbereich) mittlerweile weit höher liegt, bleibt es für Hochzeiten vorerst bei maximal 100 Gästen. Grund dafür: Es sei zu erwarten, dass es bei Hochzeiten besonders schwierig werde, den Abstand einzuhalten, heißt es aus dem Ministerium. Erst wenn man sehe, dass die Regeln eingehalten werden, könnten weitere Lockerungen beschlossen werden.

Schon verschoben

Die Frage, die bleibt: Finden sich – so kurzfristig – überhaupt noch Paare, die heiraten wollen? Und das noch dazu auf Abstand? Eher nicht. Viele Brautpaare stellen sich ihren „großen Tag“ anders vor. Die Entscheidung für’s Leben trifft man meist nicht so spontan.

Weil sie in den vergangenen Monaten im Dunkeln tappten, gingen viele Paare auf Nummer sicher – und haben ihre Feier prompt um ein paar Monate oder gleich ein ganzes Jahr verlegt.

Trotz Lockerung fürchtet die Branche also, dass das Geschäft ausbleibt. Den bereits verschobenen Termin jetzt wieder zurück zu verschieben, „das werden sich die meisten nicht antun“, sagt Hochzeitsplanerin Bianca Lehrner zum KURIER. Sie hat ihre Brautpaare gleich durchgerufen, bisher wollte aber niemand umbuchen. „Die Leute haben schon neue Karten verschickt und sich emotional auf nächstes Jahr eingestellt", sagt sie. 

Auch Andreas Wessely, Betreiber des Hochzeitshotels „Fernblick“ in St. Corona am Wechsel ist sich nicht sicher, ob sich die Lockerung so rasch positiv auswirken wird: „Der Juni ist verloren“, sagt er.

Standesamt gut gebucht

Am österreichweit beliebten Standesamt Mödling hingegen ist man ganz gut ausgebucht in dieser Saison – das war man aber auch schon vor der Lockerung. Wegen der tollen Angebote steht Mödling gemeinsam mit Salzburg für Verliebte ganz oben auf der Liste. Die großen Feiern sind zwar auch dort verschoben, aber „wir holen jetzt viele Termine aus den verlorenen Wochen nach und sind offen für spontane Paare“, erzählt Walter Schwinger, Leiter des Standesamtes.

„Was für eine frohe Botschaft“, freut sich Wiens Dompfarrer Toni Faber. „Da muss ich gleich ein paar Brautpaare anrufen.“ Sein Terminkalender für Trauungen ist diesen Sommer leer gefegt. Im kommenden Jahr ist er dafür komplett ausgebucht.

Redaktionelle Mitarbeit: Victoria Schmidt