Heirat in der Pandemie: Sigrun und Franz aus Salzburg ließen sich nicht abschrecken und sagten mit passenden Masken „Ja“

© APA/BARBARA GINDL

freizeit Leben, Liebe & Sex
04/27/2020

Heiraten im Corona-Jahr: Was Brautpaare jetzt tun können

Hochzeitswirrwarr: Die große Party fällt zumindest vorerst aus, Termine für 2021 werden knapp.

von Julia Pfligl

Auch eine Prinzessin ist vor den aktuellen Entwicklungen an der Covid-Front nicht gefeit. Queen-Enkerl Beatrice von York hat ihre für Ende Mai geplante Märchenhochzeit mit dem Geschäftsmann Edoardo Mozzi verschoben. Nur fünf Personen hätten dem royalen Spektakel beiwohnen dürfen, das Brautpaar mit einberechnet, und der verordnete Mund-Nasen-Schutz wäre dem Glamour eines Couture-Kleides vermutlich nicht gerade zuträglich gewesen.

Auch in Österreich macht das Virus vielen Brautpaaren gerade einen Strich durch die Rechnung: Ungefähr 30.000, schätzen Experten, verlegen ihr großes, teilweise über ein Jahr geplantes Fest auf 2021 oder später – das sind zwei Drittel aller Hochzeiten, die in Österreich durchschnittlich pro Jahr stattfinden.

Sperrstunde

Zwar darf seit gut einer Woche an manchen Standesämtern unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wieder geheiratet werden, doch nur wenige Paare sind bereit, am schönsten Tag ihres Lebens Abstriche zu machen (wie die zwei frisch vermählten Salzburger auf dem Titelbild).

„Selbst, wenn sich Paare am Standesamt das Jawort geben, kann die Hochzeitsfeier, von der manche ein Leben lang träumen, nicht in gewohnter Manier stattfinden“, sagt Bernhard Fichtenbauer, Betreiber des Online-Portals hochzeits-location.info. „Zwar dürfen die Lokale Mitte Mai wieder aufsperren, aber laut derzeitigem Stand nur bis 23 Uhr. Auch ohne Mundschutz und maximaler Gästeanzahl wird es länger nicht gehen. Deswegen werden derzeit nahezu hundert Prozent der bis Herbst geplanten Hochzeitsfeiern auf die Zeit nach Covid-19 verschoben.“

Für jene, die die Trauung am Standesamt "maskiert" durchziehen, gibt es mittlerweile die Möglichkeit, die gesamte Hochzeitsgesellschaft via Videostream an der Zeremonie teilnehmen zu lassen. Eine der Ersten, die diese Idee aufbrachten, waren die österreichischen Hochzeitsfotografen von Golden Elephant, mittlerweile gibt es verschiedene Anbieter. „Die Trauung wird mit einer Kamera aufgenommen und live ins Internet gestreamt“, erklärt Thomas Meyer, Teamleiter der Hochzeitsfotografen. „So ermöglichen wir es wirklich allen, auch Risikogruppen und Personen aus dem Ausland, an diesem Ereignis teilzunehmen."

Für Rafaela und Florian aus Wien war dies keine Option. Länger als ein Jahr haben sie ihre Feier mit hundert Gästen geplant, Mitte Juni wäre es endlich soweit gewesen. „Anfang April habe ich schon vermutet, dass unsere Hochzeit so, wie wir es wollten, nicht stattfinden kann“, erzählt die Doch-noch-nicht-Braut. Es folgten Tage der Unsicherheit, ein rein formaler Akt kam für beide nicht in Frage. „Hätte man mir vor einem Monat gesagt, dass ich meine Hochzeit verschieben muss, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Schließlich waren wir froh, dass uns die Entscheidung von oberster Stelle abgenommen wurde.“

  • Abwarten Wer Ende August im großen Rahmen heiraten will, hängt  derzeit noch in der Luft. Vermutlich wird es dazu in den kommenden Tagen nähere Infos geben. Bernhard Fichtenbauer rät, mit der Location Kontakt aufzunehmen und einen Ersatztermin zu reservieren. „Ich schätze, dass Hochzeiten bis 100 Personen ab September möglich sein werden. Vermutlich mit Mundschutz, aber möglich.“
  • Im Winter heiraten Freie Termine und Dienstleister im Sommer 2021 werden knapp, Fichtenbauer empfiehlt daher, auf die kühlere Nebensaison auszuweichen. „Eine Winterhochzeit hat speziell in Österreich so viele Anreize wie Punsch statt Sekt, Schlitten statt Pferdekutsche. Schneeweiß ist das neue Weiß – eine wunderschöne Winterhochzeit im Schnee ohne Terminstress.“ 
  • Sich noch absichern Bis zum 30. April können Brautpaare auf hochzeits-versicherung.info noch eine Versicherung abschließen. „Damit kann man sich gegen Stornokosten versichern, wenn wichtige Personen an Covid-19 erkranken oder aufgrund von Einreisebestimmungen nicht kommen können“, sagt Fichtenbauer. Zwar sind normale Stornokosten aufgrund des Veranstaltungsverbots derzeit ausgesetzt. Sollte dieses aber kippen, wird das Brautpaar zur Kasse gebeten.
  • Per Video streamen Für Hochzeiten im kleinen Rahmen, die trotz Corona stattfinden, bieten sich Livestreams von weddingstream.at ode www.golden-elephant.at an. Über einen geschützten Link oder öffentlich zugängige Social-Media-Kanäle wird die Trauung in Echtzeit in das Wohnzimmer der Gäste übertragen.
  • Urlaub machen Anfang Mai geht die neue Website wolidays.com – eine Mischung aus Wedding und Holidays – an den Start. Statt mit  150 Gästen fährt man mit den engsten Freunden in ein Hotel im eigenen Land und feiert fünf Tage lang. Das ist möglich, sobald die Hotels wieder öffnen. Danach kann man die Verwandtschaft immer noch zur Grillparty laden und anstoßen.

Extrakosten

Das Angebot ihrer Location, auf Ende Oktober auszuweichen, lehnten sie ab. „Wir wollten immer eine Sommerhochzeit. Zum Glück war im Juni 2021 noch ein Termin frei - aber auch nur, weil es ein Wochentag vor einem Feiertag ist.“ Die bereits verschickten Einladungen werden demnächst um ein schlichtes Info-Blatt ergänzt, sämtliche Dienstleister reagierten „superflexibel“, sagt Rafaela. Auch die Hochzeitsreise nach Südafrika wird um ein Jahr verschoben. In Summe schätzt sie, werden sie ca. 3.000 Euro mehr ausgeben.

Wochenendtermine für 2021 in den beliebten Monaten Mai bis September werden rar, warnt Fichtenbauer. „2021 wird es sehr schwierig, eine Location und Dienstleister zu finden. Dazu man bedenken, dass 2021 auch andere Hochzeiten von Cousinen, Geschwistern oder Arbeitskollegen stattfinden und die Verwandtschaft und Kollegen bereits verplant sind.“ Er rät daher zu einer Winterhochzeit (siehe Infokasten oben).

Rafaela und Florian sehen es mittlerweile gelassen – ein Jahr länger können sie sich nun auf ihre Hochzeit freuen. Den Schwur „In guten wie in schlechten Tagen“ hätten sie somit auch schon erprobt.

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