Leere Brunnen, trockene Äcker: Forscher fordert jetzt Notfallpläne
Die Landwirtschaft leidet unter der Trockenheit (Symbolbild)
Siegfried Huber zeigt am Mittwoch auf die Äcker hinter sich - sie sind trocken, viel zu trocken. "So eine Situation haben wir oft im Spätsommer. Aber dass es so früh im Jahr so trocken ist, daran kann ich mich in meinen 31 Jahren als Bauer nicht erinnern."
April 2026 unter Top 5
Der Kärntner Landwirt - er ist auch Präsident der Landwirtschaftskammer im Bundesland - ist besorgt: Im April 2026 regnete es über ganz Österreich gerechnet um 65 Prozent weniger als im Durchschnitt zwischen 1991 bis 2020. In sieben Bundesländern lag das Minus mit bis zu 75 Prozent noch höher, ausgenommen sind nur Vorarlberg und Tirol, die aufgrund einer Störungszone in den letzten Apriltagen etwas aufholten. Nur vier Mal seit Beginn der Aufzeichnungen 1858 war es im April trockener.
Da auch der März viel zu wenig Niederschlag brachte, hat das Folgen: Der erste Grasschnitt sei vielerorts ausgefallen, berichtet Präsident Huber, der gesäte Mais vertrockne auf den Äckern, auf manchen Wiesen gäbe es überhaupt keine Wasserversorgung mehr.
Wasserpegel sinken, Brandgefahr steigt
Außerdem sind laut Greenpeace die Grundwasserpegel alarmierend: An 70 Prozent der Messstellen sind sie zu niedrig, besonders betroffen sind Oberösterreich, Salzburg und Kärnten. Die Waldbrandgefahr steigt.
Drohen Notverkäufe?
"Uns geht auch das Futter aus", warnt Kammerpräsident Huber vor Notverkäufen von Rindern. In einigen Orten müsse die Feuerwehr zudem den Bauern helfen, um die Tiere mit Wasser zu versorgen.
"Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen", mahnt Huber und hofft auf Freigabe sogenannter Biodiversitätsflächen, die für die Landwirtschaft eigentlich tabu sind. So will man das Futter für das Vieh sichern. Ohne anhaltenden Regen in den kommenden eineinhalb Wochen befürchtet Huber Ernteausfälle von 20 bis 70 Prozent.
Die Forste geraten ebenfalls immer mehr unter Druck. Seit einigen Tagen wird über vielen Wäldern Österreichs Rauch beobachtet und das eine oder andere Mal sogar die Feuerwehr alarmiert - fälschlicherweise, denn dieser "Rauch" sind in Wirklichkeit Billionen von Pollen, meist von der Fichte.
Vermehrung als Panikreaktion
Der KURIER erreichte am Mittwoch Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark, als er sich am Semmering gerade selbst ein Bild von der Lage machte. "Eigentlich vermehren sich Fichten nur alle fünf bis sieben Jahre. Es ist aber erst drei Jahre her, dass wir eine ähnlich starke Pollenentwicklung hatten."
Zwar sei es wissenschaftlich nicht letztendlich belegt, Experte Gepp geht aber davon aus, dass die Bäume aufgrund der Trockenheit der vergangenen Jahre unter Stress stehen und sich deshalb panikartig vermehren. Die vielen Sonnenstunden tragen dazu bei, dass die Pflanzen transpirieren und noch mehr Pollen produzieren, gleichzeitig trocknet der Boden aber immer stärker aus.
So viel weniger Niederschlag ist 2026 gefallen.
Die Rolle des Klimawandels
Die aktuelle Dramatik unterstreicht auch Klaus Haslinger, Experte für Hydrologie und Trockenheit bei Geosphere Austria. Der Klimatologe hält fest: "Die Situation ist außergewöhnlich, wir haben im März und April ein sehr ausgeprägtes Defizit, das aber schon davor begonnen hat."
Deshalb könne es jetzt auch zu diesen schweren Schäden kommen, von denen vor allem die Landwirtschaft berichtet. Ausgelöst wurde die lang anhaltende Dürre durch eine "ortsfeste Hochdruckwetterlage", ein komplexes System, das durch Temperaturunterschiede im Atlantik verursacht wird.
Diese Wetterlage an sich lasse sich noch nicht zweifelsfrei auf den Klimawandel zurückführen. Was aber die Problematik dieser Wetterlagen verschärft: Die durch den Klimawandel stark gestiegenen Temperaturen. "Die Vegetation setzt früher ein und entzieht dem Boden zusätzlich Feuchtigkeit", erläutert Haslinger.
Das verschärfe die Dürreproblematik massiv. Dazu kommt, dass auch die Schneesituation im vergangenen Winter unterdurchschnittlich ausgefallen sei. Was in vielen Regionen bereits dazu führe, dass der Grundwasserspiegel gesunken sei: "Seit dem Hochwasser 2024 verzeichnen wir immer zu wenig Niederschlag." Und auch die Flüsse führen - anders als zu dieser Zeit üblich - Niedrigwasser.
Kein Regen - eine trübe Aussicht
Anfang dieser Woche war für Donnerstag noch Regen angesagt. Diese Hoffnung wird enttäuscht, lässt der Experte wissen: "Die Lage wird labiler, aber es wird kein nennenswerter Regen kommen."
Derzeit sehen die Prognosemodelle für Montag und Dienstag Regen, darauf verlassen könne man sich aber nicht, meint Haslinger: Um das Defizit auszugleichen, bräuchte es eine längere, kühle Phase mit häufigem Regen. Und das sei nicht zu erwarten.
Was genau zu tun ist, darauf will sich Haslinger nicht festlegen. Aber er weist mit Nachdruck darauf hin, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser immer wichtiger werde.
Etwa, dass mit Renaturierungsmaßnahmen versucht werde, das Wasser nicht rasch abfließen zu lassen, sondern in der Region zu halten.
Experte für Notfallpläne bei Wasserknappheit
Und dass es Pläne braucht, wie in Stresssituationen mit Wasserknappheit umzugehen sei. Jetzt heiße es einmal, dass die Pools nicht befüllt oder das Auto nicht gewaschen werden dürfe. "Wenn es zu Nutzungskonflikten zwischen den Menschen, der Landwirtschaft und der Industrie kommt, sind Notfallpläne wichtig. Die gibt es in Österreich nicht."
Was er auch anmerkt: Es gäbe zwar in Sachen Wasserentnahme aus dem Grundwasser und den Oberflächengewässern Entnahmevereinbarungen, diese werden seiner Ansicht nach allerdings zu wenig kontrolliert: "Das ist ein wichtiges Steuerungselement. Die Wassernutzung zu verbessern, ist möglich."
Private Schwimmbäder sollen nicht befüllt werden
Damit die Trinkwasserversorgung nicht leidet, appellieren Bürgermeister aber bereits an ihre Mitbürger, mit dem Befüllen ihrer Schwimmbäder zuzuwarten oder sich zumindest abzustimmen, damit nicht zu viel Wasser zugleich entnommen wird, etwa in Aschach an der Steyr (Oberösterreich). Für Ilseberg-Stronach (Tirol) reicht Freiwilligkeit nicht mehr, dort ist das Auffüllen der Pools bereits untersagt, ebenso Bewässerung von Gärten oder Autowaschen.
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