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Warum die Trockenheit bald zum Problem werden könnte

Kaum Niederschläge im März und April. Für den Weinbau ist das zunächst sogar positiv. Auf andere Bereiche könnten die Auswirkungen drastisch sein. Die gute Nachricht: Wetterumschwung zur Wochenmitte.
Ein Storch mit weißen und schwarzen Federn steht auf einem braunen Acker unter bewölktem Himmel.

Der Frühling hat sich heuer lange von seiner eher angenehmen Seite gezeigt: viel Sonne, milde Tage, frühe Blüte, volle Radwege. Doch für Böden, Pflanzen und Gewässer war das freundliche Wetter vor allem eines: viel zu trocken.

Nach dem bereits niederschlagsarmen März hat der April die Trockenheit im Osten Österreichs weiter verschärft. Laut vorläufiger Bilanz war der April 2026 laut Geosphere Austria österreichweit einer der fünf trockensten Aprilmonate seit Beginn der Niederschlagsmessreihe im Jahr 1858.

Historische Trockenheit

Im Durchschnitt fielen österreichweit nur 23 Millimeter Niederschlag, das entspricht einem Minus von 65 Prozent gegenüber dem Klimamittel 1991 bis 2020. Im Burgenland betrug das Niederschlagsdefizit 69 Prozent. Gleichzeitig war der April im Land um 0,5 Grad wärmer als im Mittel, die Sonne schien um 13 Prozent länger. In Andau wurden sogar 259 Sonnenstunden gemessen, der höchste Aprilwert im Burgenland.

Ein Feldbrand mit starker Rauchentwicklung breitet sich auf einem abgeernteten Feld nahe eines Waldrandes aus.

Rekord-Trockenheit im Burgenland: Kaum Regen seit März belastet Landwirtschaft, Natur und Neusiedler See.

Besonders brisant ist die Niederschlagssumme aus beiden Monaten. Im März und im April fiel österreichweit um 63 Prozent weniger Niederschlag als üblich. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1858 wurde für beide Monate zusammen noch nie so wenig Regen registriert. Im Südburgenland war bereits der März von extremer Trockenheit geprägt: Wörterberg (Bezirk Güssing) kam nur auf ganze zwei Millimeter Niederschlag und lag damit 94 Prozent unter dem Mittelwert.

Landwirtschaft leidet

Für das Burgenland und die gesamte Ostregion ist das keine gute Entwicklung. Denn der Frühling ist jene Zeit, in der der Boden Wasserreserven für die Vegetationsperiode aufbauen muss. Wintergetreide und Raps gehen in wichtige Wachstumsphasen, Grünland braucht Feuchtigkeit für den ersten Schnitt, Obstbäume und Reben treiben aus. Gleichzeitig werden Mais, Soja, Sonnenblume, Kürbis oder Zuckerrübe angebaut.

Wenn der Oberboden in dieser Phase austrocknet, wird die Keimung schwieriger, junge Pflanzen geraten früher unter Stress. In der Landwirtschaft sind die Folgen bereits spürbar. Besonders betroffen sind derzeit die südlichen Bezirke. Für den Bezirk Oberwart sprach die Landwirtschaftskammer von einem Wasserdefizit für Feldfrüchte, Wiesen und Feldfutterflächen von rund 55 Prozent.

Weinbau braucht Trockenheit und Regen

Im Weinbau ist die Lage etwas differenzierter. Trockenes Wetter verringert zunächst den Druck durch Pilzkrankheiten. Für die Reben ist das kurzfristig ein Vorteil. Bleibt der Regen aber weiter aus, geraten vor allem Jungweingärten und flachgründige Lagen unter Druck. Auch die Wälder brauchen dringend Feuchtigkeit. Trockene Böden schwächen Jungpflanzen und Bäume auf ohnehin schwierigen Standorten. Kommt später Hitze dazu, steigt das Risiko für Trockenstress und Schädlingsdruck. Parallel steigt die Gefahr von Flur- und Waldbränden. Im Burgenland haben mehrere Bezirkshauptmannschaften bereits Waldbrandverordnungen erlassen.

Sichtbar wird die Trockenheit natürlich auch in der Natur. Feuchtwiesen, Kleingewässer, Lacken und Amphibienlaichplätze reagieren schnell auf ausbleibenden Regen. Besonders sensibel ist der Seewinkel mit seinen Salzlacken. Für den Neusiedler See ist ausbleibender Niederschlag ohnehin das schlimmste aller möglichen Szenarien.

Wasser im Neusiedler See steht bei 115,44 Meter über Adria

Der Steppensee wird fast ausschließlich „von oben“ gespeist und ist aufgrund der Verdunstung an heißen Tagen besonders anfällig für längere Trockenphasen. Das Wasserportal Burgenland wies am Samstag einen Wasserstand von 115,44 Meter über Adria aus. Kurzfristig profitieren Ausflugs-, Rad- und Weintourismus zwar von sonnigen Tagen. Mittel- und langfristig kann Trockenheit aber zum Standortthema im Nordburgenland werden.

Entscheidend werden nun die kommenden Wochen im Mai und Juni. Einzelne Gewitter können lokal helfen, ersetzen aber keinen flächigen Regen. Für Böden, Grundwasser, Lacken und den Neusiedler See braucht es wiederholten, mäßigen Niederschlag, der versickern kann und nicht oberflächlich abrinnt.

Der Frühling hat dem Burgenland heuer viel Sonne gebracht. Was fehlt, ist die Reserve für den Sommer.

So wird das Wetter in dieser Woche

Zu Wochenbeginn zeigt sich das Wetter in Österreich zunächst überwiegend sonnig und warm, mit Temperaturen zwischen 21 und 29 Grad. Bereits am Montag ziehen im Westen erste Wolken und vereinzelte Schauer auf, während es im restlichen Land noch freundlich bleibt. Am Dienstag gelangen aus Südwesten wärmere und teils feuchte Luftmassen ins Land, wodurch vor allem entlang und südlich des Alpenhauptkammes vermehrt Wolken und regionaler Regen auftreten, während es sonst bei einem Wechsel aus Sonne und Wolken bleibt.

Zur Wochenmitte verstärkt sich der Störungseinfluss deutlich: Am Mittwoch kommt es verbreitet zu Schauern und regional auch zu Gewittern, besonders im Westen und Südwesten zeigt sich das Wetter trüb und regnerisch. Auch der Donnerstag verläuft vielerorts bewölkt mit wiederholten Regenschauern, im Nordosten und Osten sind zusätzlich einzelne Gewitter möglich. Erst im Laufe des Nachmittags lassen die Niederschläge von Westen her nach.

Am Freitag beginnt der Tag zwar verbreitet sonnig, im weiteren Verlauf bilden sich jedoch vor allem im Süden und entlang des Alpenhauptkammes erneut Schauer. Im Norden und Osten bleibt es hingegen meist freundlich und trocken, womit sich dort eine Wetterberuhigung abzeichnet.

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