Staubtrockener Rekord-Frühling: Österreichs Felder und Wälder in Not
Während die einen das frühsommerliche Wetter mit viel Sonnenschein genossen, blicken Landwirtschaft und Wasserwirtschaft mit zunehmender Sorge auf die Daten der Klimatologen. Der April 2026 war nicht nur deutlich zu warm, sondern vor allem eines: extrem trocken. Laut Alexander Orlik von der GeoSphere Austria fielen im landesweiten Durchschnitt 65 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Mittel.
Ein historisches Defizit
Die Zahlen der Experten sind alarmierend. Betrachtet man die kombinierten Niederschlagsmengen von März und April, so summierte sich in diesem Jahr so wenig Regen und Schnee wie noch nie in der 168-jährigen Messgeschichte. Mit einem Defizit von 63 Prozent im Vergleich zum Klimamittel wurden selbst die bisherigen extremen Trockenjahre 1893 (-58 %), 1946 (-57 %) und 2003 (-54 %) unterboten.
Besonders schwer traf es den Osten und Süden des Landes. An Orten wie Wien-Stammersdorf fielen im gesamten Monat lediglich 2 mm Regen. Auch in Gleisdorf, Retz, Zeltweg und Bruck an der Mur wurde nicht einmal 15 Prozent der üblichen Regenmenge gemessen. In sieben der neun Bundesländer lagen die Defizite zwischen 65 und 75 Prozent. Nur eine kurze Störungszone gegen Monatsende brachte dem Westen und Teilen Kärntens etwas Linderung, doch für eine Entspannung der allgemeinen Trockenheit reichte dies kaum aus.
Zur Grafik: Der Niederschlag im April 2026 im Vergleich zum Mittel 1961-1990.
Wärme und Sonnenschein im Überfluss
Parallel zur Trockenheit präsentierte sich der April als verlängerter Frühsommer. Im Tiefland lag die Temperatur 1,0 °C über dem Mittel von 1991–2020; im Vergleich zur kühleren Periode 1961–1990 war es sogar um 2,5 °C zu warm. Damit belegt der April 2026 Platz 18 in der 260-jährigen Messgeschichte Österreichs. Auf den Bergen fiel die Abweichung mit +1,8 °C (bezogen auf 1991–2020) deutlicher aus.
Die Sonne schien im bundesweiten Mittel um 13 Prozent länger als üblich. Besonders begünstigt waren Vorarlberg, der Alpenhauptkamm und Oberkärnten, wo die Sonne zwischen 25 und 35 Prozent häufiger schien als im Durchschnitt. Den Spitzenwert bei den Sonnenstunden erreichte Andau im Burgenland mit 259 Stunden.
Die ungewöhnliche Witterung hat direkte Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Die phänologische Entwicklung zeigt, dass viele Arten weit vor ihrem eigentlichen Zeitplan liegen.
Frühe Blüte: Die Süßkirsche und die Hängebirke begannen sechs Tage früher zu blühen als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Auch der Flieder zeigte eine verfrühte Blüte.
Laubaustrieb: Die Winterlinden entfalteten ihr Laub fünf Tage früher als üblich.
Fauna: Ein besonderes Highlight für Naturbeobachter war der erste Kuckucksruf, der in diesem Jahr zwei Wochen früher als im Mittel zu hören war – ein absoluter Rekordwert seit Beginn der Beobachtungsreihe. Auch die ersten Maikäfer wurden bereits gesichtet.
Schneemangel bis in hohe Lagen
Auch für die Wintersportregionen und die spätere Schmelzwasserversorgung ist die Bilanz ernüchternd. Oberhalb von 1.500 Metern machte sich der Schneemangel des gesamten Winters bemerkbar; die maximalen Schneehöhen lagen rund 50 Prozent unter dem Klimamittel. Während der Pitztaler Gletscher mit 275 cm (-5 %) noch relativ glimpflich davonkam, verzeichnete die Rudolfshütte mit 163 cm ein Minus von 42 Prozent.
Dieser April markiert eine Fortsetzung des Trends zu immer trockeneren Frühjahrsmonaten. Seit den 2000er Jahren sind die Niederschlagssummen für März und April im Schnitt um rund 15 Prozentpunkte zurückgegangen.
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