Grundwasser auf Tiefstand, Borkenkäfer breitet sich aus
Borkenkäfer richten viel Schaden an.
Zusammenfassung
- Anhaltende Trockenheit in Niederösterreich führt zu sinkendem Grundwasserspiegel und erhöhter Brandgefahr.
- Wälder, besonders Fichten, sind durch Trockenstress anfälliger für Borkenkäferbefall, da sie weniger Harz produzieren.
- Forstwirte müssen befallene Bäume rasch entfernen, während im Waldviertel langfristig auf Mischwälder gesetzt werden soll.
Der Frühling ist heuer ungewöhnlich trocken. Zwar brachte der Februar Regen, doch er reichte nicht aus, um die Defizite des Winters auszugleichen. In Niederösterreich kämpft man daher mit mehreren Problemen: erhöhter Brandgefahr, einem sinkenden Grundwasserspiegel und zunehmendem Borkenkäferbefall.
Niedrigstes je gemessenes Niveau
Ein aktueller Bericht von Greenpeace zeigt, dass der Grundwasserspiegel alarmierend niedrig ist. Von 44 Messstellen weisen zwei einen sehr niedrigen und 29 einen niedrigen Wasserstand auf. Die beiden Messstellen mit einem sehr niedrigen Wasserstand, Leobendorf (Bezirk Korneuburg) und Pöggstall (Bezirk Melk), liegen auf dem niedrigsten Ende April je gemessenen Niveau.
Sowohl Haushalte als auch Industrie und die Landwirtschaft sind vom Grundwasser abhängig. Die Trockenheit hat aber nicht nur Auswirkungen auf das Grundwasser – auch die Wälder geraten zunehmend unter Druck.
Risiko Borkenkäfer
Als besonders trocken und damit gefährdet für den Schädling werden nach dem Borkenkäfer-Dashboard der BOKU Wien Wälder rund um St. Pölten und die nördlichen Teile der Bezirke Hollabrunn und Horn sowie Teile des Bezirks Gmünd gezählt. Geraten Fichten in den Trockenstress, können sie sich schlechter gegen den Borkenkäfer schützen.
Zu den gefährlichsten Borkenkäferarten in Österreich zählen an der Fichte vor allem der Buchdrucker (Ips typographus). Er befällt vor allem größere, dickborkige Bäume. Ebenfalls relevant ist der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), der eher in dünnrindigen Bereichen oder jüngeren Beständen vorkommt.
Laufende Kontrollen notwendig
Normalerweise schützen sich die Bäume durch die Produktion von Harz. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit bildet der Baum jedoch zu wenig davon und kann sich nicht ausreichend verteidigen. Dringt der Käfer ein, hinterlässt er ein rund einen Millimeter großes Loch in der Rinde. Im Inneren vermehren sich die Tiere rasch und unterbrechen den Saftfluss – der Baum stirbt.
Um eine Massenvermehrung des Borkenkäfers zu verhindern, muss laufend kontrolliert werden. Ein einziger übersehener Käferbaum kann bei heißer und trockener Witterung zu mehreren hundert Käferbäumen führen. Ist ein Baum befallen, sieht man dies meist durch hellbraunes Bohrmehl, Harzaustritt und wenn der Baum seine Nadeln verliert.
Buchdrucker schwärmt
Befallene Bäume müssen daher rasch aus dem Wald entfernt und mindestens 500 Meter vom Wald entfernt gelagert werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Forstwirtinnen und Forstwirte sind derzeit besonders gefordert. Aktuell befindet sich der Buchdrucker, eine Borkenkäferart, im Schwärmflug. Dabei breiten sich die Käfer aus und suchen neue Bäume zur Fortpflanzung.
Besonders gefährdet ist der Waldbestand im Waldviertel. Aktuell verfügt das Waldviertel über 80 Prozent Nadel- und 20 Prozent Laubholz. Das soll sich jedoch in den nächsten Jahrzehnten ändern: man setzt vermehrt auf Mischwälder – bis es so weit ist, bleibt die Trockenheit jedoch ein erhebliches Risiko.
Kommentare