Chronik | Österreich
25.06.2018

Absturz von Hannes Arch: "Kontrolle hat versagt"

Tödlicher Hubschrauber-Unfall: Neue Ungereimtheiten aufgetaucht, Neos fordern Aufklärung von Verkehrsminister Hofer.

Die Widersprüche um den Todesflug des Steirers Hannes Arch im September 2016 werden nun immer mehr. Neos-Sicherheitssprecherin Stefanie Krisper möchte nach dem KURIER-Bericht vom Sonntag den Fall erneut aufrollen und eine parlamentarische Anfrage an Verkehrsminister Norbert Hofer einbringen: „Auch wenn der Endbericht des Verkehrsministeriums nun vorliegt, sind noch immer viele Punkte offen: So stellt sich etwa schon die Frage, warum der Bericht keine Sicherheitsempfehlungen abgibt, wie es eigentlich üblich wäre“, sagt Krisper. Mit diesen Empfehlungen sollen künftige Unfälle vermieden werden.

Der Bericht der seit Jahren in Skandale verwickelten Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums klärt etwa nicht auf, warum und wie Hannes Arch mit seinem Hubschrauber überhaupt in den Nationalpark kam. Das Verkehrsministerium verteidigt das damit, dass dies mit dem Unfall nichts zu tun habe. Dabei werden die Ungereimtheiten immer größer:

Der zuständige Referent des Landes Kärnten, Albert Kreiner, sagt: Der Flug in den Nationalpark Hohe Tauern war der erste angemeldete von Hannes Arch. Das heißt, dass der Steirer seine Flugroute und die Details bereits eine Woche vorab bekannt geben musste. Warum schaltete er dann aber offensichtlich am Weg zur Elberfelder Hütte seinen Transponder ab, mit dem der Flug nachvollziehbar gewesen wäre?

Herbert Mayerhofer, der Pächter der Hütte, sagte am Tag nach dem Unfall gegenüber dem KURIER, dass ihm das Essen ausgegangen sei. Er haber 30 Leute auf der Hütte gehabt und dringend Lebensmittel, nämlich Erdäpfel benötigt. Arch habe ihm spontan geholfen. Warum wusste Arch das eine Woche im voraus? Außerdem hatte er keine Berechtigung für gewerbliche Flüge, der Hubschrauber durfte nicht für Transporte eingesetzt werden.

Ein Polizeiinsider sagt, dass Hannes Arch einen Schirm zum Paragliden an Bord gehabt haben soll. War das der Grund für den Flug des Airracers in den Nationalpark? Würde sich dies tatsächlich erhärten, dann hätte das Land Kärnten dem Steirer eine Lizenz zum Gleitschirmfliegen im Nationalpark ausgestellt. Das würde einen Skandal nach sich ziehen, so etwas wäre einzigartig.

„Es muss dringend aufgeklärt werden, warum in diesem Fall die Kontrolle versagt hat“, sagt Neos-Abgeordnete Krisper. Die Institutionen schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Die Austro-Control sieht das Land Kärnten für die Kontrolle dieser genehmigten Flüge in der Pflicht. Das Land wiederum meint, die Nationalparkverwaltung müsse Hubschrauber-Flüge kontrollieren und melden. Für die Abwicklung des Fluges wiederum sei die Austro-Control in der Pflicht.

Doch all das spielt für das Verkehrsministerium keine Rolle, der Bericht zum Absturz blendet das einfach aus. Man sieht keinen Zusammenhang mit dem Unfall als Arch wenig später mit 100 km/h in stockdunkler Nacht gegen einen Fels prallt. „Sicherheitsuntersuchungen haben als ausschließliches Ziel, die möglichen Ursachen eines Vorfalls festzustellen, um Sicherheitsempfehlungen ausarbeiten zu können, die zur Vermeidung zukünftiger gleichartiger oder ähnlich gelagerter Vorfälle beitragen können“, heißt es in einer Stellungnahme.