Die Absturzstelle

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Tragisch
09/09/2016

Nach Freundschaftsdienst flog Hannes Arch in den Tod

Der Kunstflieger brachte Erdäpfel zur Hütte – am Rückflug stürzte er ab.

von Thomas Sendlhofer, Dominik Schreiber

Österreichs bekanntester Kunstflieger starb in der Nacht auf Freitag offenbar wegen eines Freundschaftsdienstes für einen befreundeten Hüttenwirt. Kurz nach 21 Uhr prallte Hannes Arch (48) mit seinem Hubschrauber gegen eine Felswand der Hohen Tauern. Die genaue Ursache ist noch ungeklärt; Mitarbeiter des Verkehrsministeriums und der Polizei untersuchen derzeit die Unfallstelle.

Der 48-Jährige wollte gegen 21 Uhr von der Elberfelder Hütte (2346 Meter) den Rückflug nach Salzburg antreten. Dort kam Arch nicht mehr an. Mit an Bord seines Robinson-Helikopters war auch ein 62-jähriger Hüttenwart des Deutschen Alpenvereins. Er hatte sich erst kurzfristig entschieden, mit Arch den Flug nach Salzburg anzutreten. Er überlebte den Aufprall schwer verletzt.

"Sah fürchterlich aus"

Die Einsatzkräfte wurden kurz vor Mitternacht alarmiert, wie Harald Rader, Ortsstellenleiter der Bergrettung in Heiligenblut erzählt. Er rückte mit 40 Kollegen aus. Ein Polizeihubschrauber, der aufgrund einer Suchaktion in Rauris (Salzburg) in der Nähe eingesetzt war, machte inzwischen die Absturzstelle ausfindig. Gegen 4.30 Uhr waren die ersten Helfer an Ort und Stelle. Ihnen bot sich ein Bild der Zerstörung. "Wrackteile sind in einem großen Umkreis gelegen. Das hat ziemlich fürchterlich ausgesehen", schildert Rader. "Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass nur Tote zu bergen sind."

Doch an der Unglücksstelle seien Schreie zu hören gewesen. Der Hüttenwart war noch ansprechbar, Arch dürfte hingegen sofort tot gewesen sein. "Es grenzt an ein Wunder, dass da jemand überlebt hat", meint Rader. "Die Flugkabine war stark deformiert. Der Verletzte war in den Aluminiumteilen eingeklemmt." Bilder von der Absturzstelle zeigen, dass kaum größere Teile intakt blieben, nur der Heckausleger war noch erkennbar.

Herbert Mayerhofer ist der Pächter der Elberfelder Hütte. Der KURIER erreicht ihn am Freitag zwischen polizeilichen Befragungen und der Arbeit am Telefon: "Wir sind langjährige Freunde. Er hat mir versprochen, mir zu helfen, wenn ich einmal etwas brauche – damit ich mir keinen teuren Hubschrauber leisten muss", sagt Mayerhofer betroffen.

Hannes Arch hätte ihm kurzfristig mit Lebensmitteln, Kartoffeln, ausgeholfen: "Ich habe 30 Leute auf der Hütte. Wir sperren diese Woche zu – mir ist das Essen ausgegangen."

Kurz nach 22 Uhr hatte eine Mitarbeiterin Archs Alarm geschlagen, weil er nicht wie vereinbart auf dem Flughafen Salzburg ankam. Offenbar hatte auch ein Crash-Sender im Hubschrauber ein Notsignal an die Flugkontrollbehörde Austro Control gesandt.

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Hannes Arch, Red Bull Air Race, Polen…

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ARCHIVBILD: AIR RACE-PILOT HANNES ARCH BEI HUBSCHR

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AUSTRIA RED BULL AIR RACE WORLD CHAMPIONSHIP 2015

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Ermittlungen

Warum der erfahrene Pilot mit seiner Maschine, einer Robinson R66, verunglückte, ist bisher unklar. Die Ermittlungen dazu haben inzwischen das Landeskriminalamt Kärnten und die Flugunfall-Kommission des Verkehrsministeriums übernommen, sagt Ewald Dorner von der Polizeiinspektion Heiligenblut.

"Es war ein angemeldeter Nacht-Sichtflug, das Wetter war gut. Unter solchen Umständen ist ein Flug eigentlich kein Problem", meint Dorner. Arch hatte auch die erforderlichen Genehmigungen für Außenlandungen mit seinem Helikopter.

Der Hubschrauber kam jedenfalls mit den Kufen nach oben zum Stillstand. Vieles deutet deshalb daraufhin, dass Arch mit voller Wucht gegen die Wand geflogen ist. Die Hütte ist in einem Talkegel, ähnlich einem Vulkan, gelegen.

Bis der endgültige Bericht über den Unfall veröffentlicht wird, könnten Jahre vergehen. Zuletzt hatte es bei einem vergleichbaren Unfall sogar zehn Jahre gedauert, zwei bis vier Jahre sind für solche Untersuchungen der Normalfall.

Bei der Unglücksmaschinen handelt es sich um einen einmotorigen, eher leichten Hubschrauber für fünf Insassen. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und kann rund 4000 Meter hoch fliegen. Der R66 wird seit 2010 produziert und kostet rund 700.000 Euro.

Fans und Freunde trauern: "Flieger, grüß mir die Sonne"

„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken. Danke lieber Hannes! Für Deine Freundschaft, Deine Lebensfreude“ Wings-for-Life-Stiftung

„Ich kann es noch nicht glauben! Ich vermisse dich! RIP“ Andreas Goldberger

Hannes war seit 25 Jahren Teil der Red Bull Familie, galt als großartiger Alpinist, lebensfroher Abenteurer und erfolgreicher Red Bull Air Race Pilot. Wir werden seine Warmherzigkeit, Offenheit, seinen Sinn für Humor und seine unbändige Energie sehr vermissen.“ Red-Bull-Stellungnahme

„Warum??? R.I.P. Hannes Arch.“ Mirna Jukic, Schwimmerin

„Fliegen war sein Leben – Flieg weiter Hannes! Unser Beileid gilt vor allem den Angehörigen von Hannes Arch.“ FC-Salzburg-Stellungnahme

„Wir haben einen der großartigsten Menschen in der Luftfahrtgeschichte verloren! Hannes Arch war ein wahrer Held und Vorbild für jeden, der ihn kannte. Aber noch wichtiger: Er war mein Freund! Ich bin geschockt (...) Meine Gedanken sind bei seiner Familie und Miriam. Keep Flying, Hannes.“ Felix Baumgartner

„Worte können nicht beschreiben, was ich fühle. Österreich hat einen großen Sportler und Pionier verloren, ich einen Freund.“ Roman Hagara, Segel-Doppelolympiasieger

Hannes Arch war ein beeindruckender Mensch mit Charakter und Weitblick.“ Hermann Schützenhöfer, steirischer Landeshauptmann