Bagger haben sich zuletzt am Pitztaler Gletscher durch das Eis geschaufelt

© WWF/Vincent Sufiyan

Analyse
10/20/2019

Sterben von Skigebieten ist programmiert

Der Kampf gegen Klimawandelfolgen kostet Millionen. Kleinskigebiete können da auf Dauer nicht mit.

von Christian Willim

In den Gletscherskigebieten gehört es zur jährlichen Routine. Vor Saisonbeginn werden die Ränder der stetig zurückgehenden Eispanzer bearbeitet, um sie zu einer befahrbaren Piste zu formen. Bagger wühlen Schnee aus der Gletschermasse, um damit Spalten zu schließen. Bilder derartiger Arbeiten am Pitztaler Gletscher sorgten zuletzt für Empörung.

64 Hektar neue Gletscherpiste

Ungeachtet der auch im Pitztaler Gletscherskigebiet unübersehbaren Folgen der Erderwärmung drängen die Betreiber auf einen Zusammenschluss mit dem benachbarten Skigebiet am Ötztaler Gletscher. Dafür sollen drei Lifte und 64 Hektar neue Pisten auf bisher unberührter Gletscherfläche gebaut werden.

Geht die laufende Umweltverträglichkeitsprüfung positiv aus, wollen die Projektwerber rund 120 Millionen investieren. Und das ist aus deren Perspektive durchaus verständlich. Es ist der Versuch, als Klimakrisengewinner die letzten Tropfen aus der Zitrone zu quetschen, bevor der Saft zu Ende geht.

Denn wie massiv auch immer die Erderwärmung sich auf den Skitourismus in den heimischen Bergen auswirken mag: Je höher die Pisten liegen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man zu den letzten Überlebenden gehört. Und je besser die Kriegskassen gefüllt sind, umso stärker kann in die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels investiert werden. Allein im vergangenen Winter steckte die Branche 114 Millionen Euro in die Beschneiung.

Tirols Umweltanwalt Johannes Kostenzer kritisiert, dass inzwischen bereits Pisten auf über 3.000 Metern beschneit werden. Bei diesem Aufrüsten mit Schneekanonen und Speicherteichen können Kleinskigebiete auf Dauer nicht mithalten. Kleine Liftgesellschaften suchen ihr Heil zunehmend im Zusammenschluss mit den Riesen.

Eine Frage des Preises

Das Sterben von Skigebieten in klimatisch ungünstigen Lagen ist bei einer Fortschreibung der derzeitigen Erwärmung aber vorprogrammiert. „In 30 Jahren wird in Österreich noch Ski gefahren. Die Frage ist nur, wo es noch möglich sein wird und zu welchem Preis“, sagte der Innsbrucker Tourismusforscher Robert Steiger von der Universität Innsbruck zum KURIER bereits vor mehreren Jahren. Es sei bereits ein Verdrängungswettbewerb im Laufen, der nur noch nicht so gut sichtbar sei, lautete seine Analyse zu der laufenden Entwicklung am Markt.

Es ist davon auszugehen, dass die Seilbahngesellschaften ihr Geld nicht sehenden Auges in den Sand bzw. den schmelzenden Schnee setzen wollen. Dort, wo in den Ausbau investiert wird, werden wohl vielmehr kühle Kosten-Nutzen-Rechnungen betrieben. Es gilt einzuschätzen, ob möglicherweise gravierende Folgen des Klimawandels das jeweilige Skigebiet erst nach einer 25-jährigen Abschreibungsdauer der neuen Anlagen treffen.

Aber auch die Politik muss abwägen: Nämlich etwa, ob die Verbauung unberührter Natur nicht auch künftige Chancen im Sommertourismus verbauen kann.

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