© Bergrettung Puchberg/Tisch

Chronik Österreich
12/01/2020

Souvenirjäger bringen Bergsteiger in missliche Lage

Wegweiser werden als Mitbringsel von Ausflügen mitgenommen. Alleine am Schneeberg in NÖ fehlen 40 Tafeln.

von Patrick Wammerl

Die Ortstafel der Gemeinde Fucking in Oberösterreich ist nicht das einzig begehrte Gut von Souvenirjägern. Auch die Wegweiser, Hinweisschilder und Markierungen auf einem der beliebtesten Ausflugsberge Ostösterreichs, dem Schneeberg, haben es illegalen Sammlern angetan. In den vergangenen zwei Jahren sind fast 40 Wegweiser auf den Ausflugsrouten und Klettersteigen des höchsten Bergs in Niederösterreich (2.076 Meter) dem Diebstahl zum Opfer gefallen. Nachdem die Bergrettung lange Zeit zugesehen hat, ist dem für die Beschilderung Verantwortlichen nun der Kragen geplatzt.

„Ich bin normalerweise nicht so direkt und eher zurückhaltend mit meinen Kommentaren, aber jetzt reicht es wirklich. Es vergeht fast keine Woche, wo ich nicht einen Wegweiser entdecke, bei dem schon wieder eine wichtige Orientierungstafel fehlt“, erklärt Bergretter Karl Tisch. Er ist auch Mitglied der Lawinenkommission in NÖ und hat ein Buch über den Schneeberg herausgebracht. Deshalb weiß er um die Notwendigkeit der Hinweisschilder zur Orientierung im freien Gelände. „Richtige Wanderer und Bergsteiger sind auf diese Tafeln angewiesen“, so Tisch.

Boom seit dem Lockdown

Seit Wandern in den Bergen ein aufblühender Volkssport geworden ist und die beiden Lockdowns die Massen mehr denn je in die Natur ziehen, seien das Problem und die Undiszipliniertheit deutlich größer geworden. Alleine am Schneeberg wurden vor Corona mehr als 170.000 Touristen jährlich mit der Zahnradbahn auf den Gipfel gekarrt.

Beim drittgrößten Bergsteigerverein des Landes, dem Österreichischen Touristenklub (ÖTK), muss man zunehmend feststellen, „dass unsere kostspieligen Wegehinweisschilder verschwinden oder einfach umgetreten werden und im Gestrüpp landen“, beklagt Geschäftsführer Hannes Resch.

Der ÖTK unterhält ein Netz von rund 20.000 Kilometer Wanderwegen und Klettersteigen – einen großen Teil davon in NÖ, dem Burgenland und der Steiermark; dazu kommen 46 alpine Schutzhütten.

Fallweise seien die Schilder den Grundeigentümern ein Dorn im Auge, die sich von den Horden auf ihren Wiesen gestört fühlen. „Sehr oft wollen Wanderer aber ein Souvenir im Wohnzimmer hängen haben. Jedenfalls handelt es sich dabei um Diebstahl, der einerseits den Wanderern die Orientierung erschwert und uns andererseits viel Geld kostet. Denn es müssen die Tafeln erneuert und durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter mühsam wieder montiert werden“, sagt Resch. Er insistiert, dass es sich bei derlei Taten keineswegs um Kavaliersdelikte handelt, sondern um Sachbeschädigung und Diebstahl. „Es können Menschenleben durch mögliche Verirrung gefährdet werden“, so der ÖTK-Chef.

Sicherheit gefährdet

Die Landesleitung der Bergrettung NÖ/Wien empfindet die Entwicklung als äußerst bedauerlich und verurteilenswert, erklärt Landesleiter und Vizepräsident der Österreichischen Bergrettung, Matthias Cernusca. „Wenn sich wegen eines fehlenden Schilds ein Wanderer verirrt und ein Bergrettungseinsatz notwendig wird, sieht man, dass das kein Spaß mehr ist, sondern eine massive Beeinträchtigung der Sicherheit, ein Strafdelikt und ein Verstoß gegen die gemeinschaftliche Ethik am Berg“, betont Cernusca.

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