Chronik | Österreich
07.12.2018

Security-Branche: Magere Löhne, lange Arbeitszeit, aber 14.500 Beschäftigte

„Da man für das Bewachungsgewerbe keine Berufsausbildung braucht, ist die Einstiegsschwelle relativ niedrig“, sagt Gewerkschafterin Ursula Woditschka.

Sie bewachen Botschaften, Banken und Juweliergeschäfte, kontrollieren Besucher in Gerichten und Gepäck auf Flughäfen, sind Ordner bei Veranstaltungen oder Kartenabreißer in Theatern – die 400 Betriebe im österreichischen Sicherheits- und Bewachungsgewerbe beschäftigen 14.500 Mitarbeiter. Die großen Player im heimischen Security-Gewerbe sind G4S, Securitas, Siwacht und Österreichischer Wachdienst ÖWD.

Die Einsätze können von gähnender Langeweile bis zu Extremsituationen reichen – wie am Donnerstag, als in der Wiener Innenstadt ein Sicherheitsbediensteter einen Bankräuber verfolgte und einen Schuss in den Oberschenkel kassierte. Es war gut gemeint, aber nicht seine Aufgabe, sagt Alexander Kiss, Direktor des Sicherheitsunternehmens ÖWD. „Zu versuchen, den Täter zu stellen, ist wahnsinnig riskant und kann in einer Schießerei oder Geiselnahme enden.“ Besser wäre gewesen, der Polizei die Fluchtrichtung zu liefern.

Keine Voraussetzungen

Was müssen Sicherheitsleute eigentlich können und wie sind ihre Arbeitsbedingungen? „In der Gewerbeordnung stehen fast keine Voraussetzungen. Sie müssen volljährig, sicherheitsüberprüft und geeignet sein“, sagt Martin Wiesinger, Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens Securitas. Wobei „geeignet“ nicht näher definiert sei. Österreich ist das einzige Land in der EU, in dem es keine Voraussetzungen gebe. „Wir kämpfen seit Jahren für eine einheitliche Ausbildung, aber das ist politisch nicht zu heben.“ Die Regierung wolle die Gewerbeordnung entschlacken. Das sei grundsätzlich zu begrüßen, für das Sicherheitsgewerbe aber unnötig.

Ebenfalls zu kämpfen hat die Branche mit dem Image. „Es ist eine Gratwanderung zwischen Qualität und Preis“, sagt ÖWD-Manager Kiss. Der Preiskampf sei heftig und drücke auf die Margen, die bei maximal fünf Prozent liegen.

Kiss setze trotz allem nur gut ausgebildete Menschen ein. „Körper in Uniformen“ nennt er schlecht ausgebildete Mitarbeiter, denen eine Waffe umgehängt wird. „Das ist unheimlich riskant.“ Sie könnten selber erschossen werden oder versehentlich Passanten treffen.

Frauen schlagen sich gut

Zu den besten Mitarbeitern zählen laut Kiss Frauen. „Sie sind den Männern in allen Bereichen ebenbürtig, ob in der Einsatzleitung, Revierüberwachung oder Personenschutz.“ Vor allem können sie besser deeskalieren – Streithähne nehmen sie nicht als Bedrohung wahr, meint Kiss. Obwohl es keine gläserne Decke gebe, sei der Ansturm enden wollend, was am Image und am nicht familienfreundlichen Dienst liegen könne.

Das Bewachungsgewerbe ist seit Jahren ein Sorgenkind der Gewerkschafter, viel habe sich aber verbessert. Derzeit liegt der Security-Mindestlohn bei 8,90 Euro brutto pro Stunde, ab 2019 beträgt der Brutto-Mindestlohn 1590 Euro im Monat.

„Da man für das Bewachungsgewerbe keine Berufsausbildung braucht, ist die Einstiegsschwelle relativ niedrig“, sagt Ursula Woditschka von der Gewerkschaft Vida. „Hier kommen Leute unter, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben – bis hin zu Studenten. Man braucht ein Leumundszeugnis und dann sind sie schon im Einsatz.“ Nachsatz: „In einzelnen Bereichen gibt es grundsätzlich keine Ausbildung und es heißt learning-by-doing.“ Die 60-Stunden-Woche ist im Bewachungsgewerbe längst Usus. Woditschka: „Bei uns durfte schon seit jeher durch die Arbeitsbereitschaft bis zu 60 Stunden gearbeitet werden.“