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Chronik Österreich
04/16/2019

Schwerer Zugunfall in Salzburg, weil niemand Notbremse fand

Verkehrsministerium klärt Ursache für den schweren Verschubunfall in Salzburg.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Zwei Schwer- und 57 Leichtverletzte – das war die Bilanz eines schweren Zugunfalls im Salzburger Bahnhof. Am 20. April 2018 war  es bei Verschubfahrten zu einem Zusammenstoß mit einem Nachtzug gekommen. Um 4.42 Uhr in der Früh  kam es zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte. Die Ursache dafür war bisher unklar.

Die Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums konnte nun den (teilweise kuriosen) Grund für den Unfall finden. Mitverantwortlich war offenbar, dass die Lokführerin ohnmächtig wurde und der Verschieber die Notbremse nicht mehr rechtzeitig fand, wie der KURIER vorab erfuhr.

Laut dem Zwischen-Untersuchungsbericht, der demnächst veröffentlich wird, sollte im Bahnhof Salzburg die Wagengruppe für den Kurswagen Venedig-Wien mit jenem von Zürich nach Wien zusammengestellt werden. Bei dieser Verschubbewegung kam es im Kilometer 88,385 zur Kollision, heißt es dazu in dem Bericht. Da bei der Annäherung der geschobenen Verschubfahrt an die stehende Wagengruppe keine Bremsung eingeleitet wurde, kollidierten die beiden Wagengruppen mit unveränderter Geschwindigkeit.

Wegen einer Ohnmacht der Lokführerin konnte  allerdings keine Bremsung eingeleitet werden. Der Verschieber hatte so keine Möglichkeit, mittels Bremseinrichtung zu reagieren. Er versuchte eine Notbremse zu finden, nachdem er bemerkte, dass sich der Verschubteil mit unveränderter Geschwindigkeit der stehenden Wagengruppe näherte und die Aufträge „Langsamer“ keine Wirkung zeigten.

Notbremse zu weit weg

Um zur nächsten Notbremse zu gelangen, hätte der Verschieber die Türe zum Gang der Abteile öffnen und einen Weg von rund acht Metern zurücklegen müssen.

Er hatte er aber dafür nur wenige Sekunden Zeit. Die Notbremse ist nicht immer in jedem Wagen an der gleichen Stelle angebracht.  Die Positionen, an welchen die Notbremsen in den einzelnen Wagen angebracht sind, werden nicht geschult, da diese nicht Teil der erforderlichen, fahrzeugbezogenen Fachkenntnisse für die Tätigkeiten sind (gemäß Aussage ÖBB Infrastruktur AG Bildungszentrum Eisenbahn und Lehrlingswesen). Um die Notbremse zu erreichen, blieb deshalb zu wenig Zeit. Dazu kam noch die besondere Stresssituation.

Eine letzte Kommunikation gab es 200 Meter vor dem Zusammenprall. Die Untersucher des Ministeriums halten es deshalb durchaus für „plausibel“, dass die Lokführerin in Ohnmacht fiel: Es gab weder vor, noch nach der Verschubbewegung Anzeichen auf technische Probleme der beteiligten Fahrzeuge. Die Bremsen haben am Wendepunkt ordnungsgemäß funktioniert und auch die Verschubsignale waren in Ordnung.

Die Prüfer des Falles gaben bereits eine dringliche Sicherheitsempfehlung an die ÖBB ab, wonach ein sogenannter Luftbremsknopf verpflichtend vorgeschrieben wird. Mit diesem kann der Verschieber die Hauptluftleitung rasch entlüften und  dadurch eine Schnellbremsung einleiten. Damit hätte die Kollision verhindert werden können.