© APA/ERWIN SCHERIAU

Chronik Österreich
07/04/2022

Schützenhöfers Amtszeit vorbei:„Um 17 Uhr bin ich Geschichte“

Christopher Drexler wurde am Montag zum neunten Landeshauptmann seit 1945 gekürt.

von Elisabeth Holzer

Als Christopher Drexler um 10.46 Uhr seine erste Rede als gewählter Landeshauptmann begann, saß Hermann Schützenhöfer schon nicht mehr wie gewohnt vorne in der Landstube. Hinten, auf den Besucherrängen, nahm der 70-Jährige neben seiner Frau Marianne Platz.

Es war ein ungewohntes Bild für Beobachter und wohl auch für den nunmehrigen Landeshauptmann a. D.: 41 Jahre lang saß Schützenhöfer im Landtag als Abgeordneter im Plenum oder als Landesrat auf der Regierungsbank, die letzten sieben Jahre als Landeshauptmann. „Um 17 Uhr bin ich Geschichte“, hielt Schützenhöfer fest, nachdem sich Drexler Montagnachmittag auf den Weg nach Wien machte, um von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt zu werden: Obwohl um 10.40 Uhr bereits im Landtag gewählt, war Drexler erst mit diesem Termin formell Landeshauptmann.

Er ist der neunte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945, wenn man Reinhard Machold mitzählt: Der Sozialdemokrat führte einige Monate lang eine provisorische Landesregierung aus SPÖ, ÖVP und KPÖ. Der erste frei gewählte Landeshauptmann wurde Ende 1945 Anton Pirchegger, Landwirt und Bauernbündler, der bereits in der Ersten Republik politisch aktiv war. Pirchegger war allerdings gesundheitlich angeschlagen, nach einem Herzanfall 1947 trat er im Juli 1948 zurück.

Poltern in der Joppe

Nach ihm begann 1948 die von Ära Josef Krainer senior: Mit 45 Jahren wird Krainer, ebenfalls aus einer Landwirtsfamilie und wie Pirchegger früh politisch aktiv, zum Landeshauptmann gekürt – ein Amt, das er bis zu seinem überraschenden Tod 1971 innehatte. In Trachtenjoppe am Land unterwegs und mit dem rechten Maß an demonstrativer Bauernschläue legte Krainer den Grundstein der polternden Steirer gegen Wien.

Ein Poltern, das sein ältester Sohn und Nach-Nachfolger Josef junior mit anderer Wortwahl, aber eloquent beherrschte: Legendär ist der vehemente Widerstand des Juniors gegen die Stationierung der Abfangjäger Draken in der Steiermark, die er aber nicht verhindern konnte. Josef Krainer junior amtierte von 1981 bis Ende Jänner 1996, er war Nachfolger Friedrich Niederls, dem vierten Landeshauptmann des Bundeslandes. Niederl war Landesrat in der Regierung Krainer senior und wurde zum Landeshauptmann gewählt, als Krainer bei einer Fasanjagd einen tödlichen Herzinfarkt erlitt.

Frau Landeshauptmann

1996 schrieb die Steiermark Geschichte: Erstmals überhaupt wurde eine Frau Regierungschefin – Waltraud Klasnic war der erste weibliche Landeshauptmann Österreichs. Im Gegensatz zu Gabi Burgstaller in Salzburg (2004 bis 2013) und Johanna Mikl-Leitner in Niederösterreich (seit 2017) führte Klasnic aber nicht die weibliche Form des Amtstitels: Sie ließ sogar die Kundmachung einer Verordnung in der Wiener Zeitung als Druckfehler korrigieren, weil sie als Landeshauptfrau tituliert wurde.

Franz Voves war der erste gewählte SPÖ-Landeschef, das markierte eine Zeitenwende: Noch nie zuvor landeten Sozialdemokraten bei steirischen Landtagswahlen vor der Volkspartei. Hermann Schützenhöfer übernahm damals die Landes-ÖVP als Obmann und wurde Vize neben Voves, ehe er 2015 selbst erstmals zum Landeschef gewählt wurde. Etwas, das er selbst nicht mehr erwartet hätte, wie der 70-Jährige am Montag zugestand. „Meinen Traum, Landeshauptmann zu werden, habe ich eigentlich schon ausgeträumt gehabt.“

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare