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Chronik Österreich
04/11/2021

Schließfach-Coup: Millionen zurückgezahlt

Banken einigten sich nun mit den Opfern. Über die genauen Inhalte der Schadenswiedergutmachung herrscht Schweigen.

von Patrick Wammerl

Die Angaben über die genaue Schadenssumme driften weit auseinander. Offiziell war immer von rund 12 Millionen Euro die Rede, inoffiziell sogar von mehr als 20 Millionen Euro. Kein Wunder, spricht doch kaum jemand gerne über sein angehäuftes Vermögen in einem vermeintlich sicheren Geldversteck.

Der aufsehenerregende Schließfach-Coup in drei Banken in Niederösterreich und Wien, bei dem Gangster im vergangenen November 68 Kundensafes plünderten, ist nun zumindest für die betroffenen Opfer großteils gut ausgegangen. Und das ist durchaus überraschend: Denn laut den AGB für die Schließfächer haftet die Bank „nicht für Schäden, die durch höhere Gewalt, behördliche Verfügungen oder die Einwirkung Dritter entstanden sind“. Demnach hätten alle Geschädigten, die keine Extra-Versicherung abgeschlossen haben, durch die Finger geschaut.

Weil alle involvierten Anwälte der Opfer und auch der Verbraucherschutzverein (VSV) diese Haftungsbeschränkungen der Banken jedoch als „unwirksam und schwer sittenwidrig“ erachten, wurden Klagen und Musterprozesse angekündigt. Diese medienwirksamen Schauverfahren vor Publikum wollten sich die Institute aber offenbar ersparen. Sie haben jetzt in der Causa eingelenkt.

Vereinbarungen abgeschlossen

Wie die beiden Rechtsanwälte Johannes Schriefl und Wolfgang Haslinger bestätigen, seien die Verhandlungen mit den Banken „konstruktiv verlaufen“ und bereits abgeschlossen. Die beiden Juristen haben zahlreiche Opfer des Coups vertreten. Über die genauen Inhalte der Schadenswiedergutmachung wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Die Banken waren tunlichst bemüht, den Fall diskret zu behandeln und nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

„Bei Raiffeisen ist das Thema bereits positiv im Sinne der Kunden erledigt. Sowohl die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien als auch die Raiffeisen Regionalbank Mödling haben einen substanziellen Ausgleich zum Schaden ihrer Kunden geleistet und bereits entsprechende Vereinbarungen mit praktisch allen Kunden abgeschlossen“, sagt Sprecherin Michaela Haber. Mehr gäbe es dazu nicht zu sagen. Ähnlich ist es bei der Bank Austria in Klosterneuburg.

Geld, Gold, Uhren

Die Gruppe von mindestens sieben Tätern hatte am Abend des 13. November 2020 in einer konzertierten Aktion 68 Bankschließfächer geknackt – 29 in der Bank Austria in Klosterneuburg, 31 in der Raiffeisenbank Mödling und 8 in der Raiffeisen-Filiale in Wien-Döbling. Sie erbeuteten Geld, Gold, Schmuck, Luxusuhren, Münzsammlungen, Dokumente und Wertpapiere in zweistelliger Millionenhöhe. Wie die umfangreichen Ermittlungen der Landeskriminalämter NÖ und Wien ergaben, hat keine der Banken auch nur das Geringste von den monatelangen Vorbereitungen in den Filialen mitbekommen.

Die Täter konnten seit August an die 40 Mal unbehelligt zum Auskundschaften und Manipulieren in die Saferäume eindringen. Für die Opferanwälte drängte sich deshalb die Frage nach der Haftung auf, wenn ein vermeintlich sicheres Schließfachsystem derart umgangen wird.

Ein Durchbruch bei der Suche nach den Gangstern ist bisher ausgeblieben. Laut dem Leiter des nö. Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner, werden sichergestellte Spuren mit ähnlichen Taten im Ausland verglichen. Bei den Tätern handle es sich um eine höchst professionelle Gruppe mit „enorm hoher krimineller Energie“.

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