Schlepperring gefasst: Verdächtige kassierten eine Million Euro

Symbolbild
Hunderte Opfer unter unmenschlichen Bedingungen über Österreich nach Deutschland und Italien gebracht. Zehn Männer in U-Haft.

Seit Juni 2022 ermittelte das Landeskriminalamt Steiermark gegen einen Schlepperring, am Donnerstag wurde bekannt: Zehn Verdächtige sollen im Vorjahr mehrere Hundert Personen unter "unmenschlichen und lebensgefährlichen Bedingungen" erst nach Österreich und dann weiter nach Deutschland oder Italien gebracht haben.

 Die Betroffenen kamen vorwiegend aus Afghanistan, Bangladesch, Pakistan und der Türkei, sie wurden demnach von einer Zwischenstation aus der Slowakei und Tschechien geholt. Diese Fahrten glichen einer Tortur, wie die Polizei am Donnerstag beschrieb: "Die Personen mussten offenbar über mehrere Stunden in den Laderäumen von Kleintransportern ohne ausreichend Platz, ohne entsprechende Sitze oder Rückhalteeinrichtungen sowie ohne Versorgung mit Wasser oder Lebensmittel und ohne ausreichende Frischluftzufuhr ausharren."

Mehr über den aktuellen Schlepperbericht lesen Sie hier: Schlepperkriminalität - mehr Festnahmen

Die Verdächtigen dürften pro Opfer durchschnittlich rund 4.000 Euro verlangt haben. Somit ergibt sich laut Polizei ein Gesamtgewinn von rund einer Million Euro.

Eng zusammengepfercht

Die Ermittlungen gingen von der Staatsanwaltschaft Graz aus: Im Juni 2022 fiel Beamten der Fremden- und Grenzpolizei ein Kastenwagen auf der Südautobahn A2 auf. Als sie ihn anhalten wollten, wollte der Lenker "durch waghalsige und gefährliche Manöver" flüchten. Im Fahrzeug befanden sich neben dem 27-jährigen afghanischen Lenker 14 Personen, die eng zusammengepfercht im Laderaum transportiert wurden.

Bei den weiteren Ermittlungen in Kooperation mit anderen Polizeidienststellen in Italien und Deutschland, konnten insgesamt noch neun weitere Verdächtige im Alter zwischen 31 und 37 Jahren ausgemacht werden: sie befanden sich als Asylwerber in Deutschland. Acht von ihnen - Iraner und Iraker -  wurden in Deutschland festgenommen und nach Österreich ausgeliefert. Sie befinden sich in der Justizanstalt Graz-Jakomini in Untersuchungshaft.

Lenker bereits verurteilt

Einer der Verdächtigen ist noch in Deutschland in Haft und wird noch nach Österreich ausgeliefert. Der 27-jährige Lenker des Klein-Lkw wurde dagegen bereits  - nicht rechtskräftig - zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP)  ließ wissen, er sei erfreut über den Erfolg. Aber "die Schleppermafia agiert länderübergreifend, brutal und menschenverachtend. Jeder aus dem Verkehr gezogene Schlepper bedeutet daher, dass Menschenleben gerettet wurden.“

 

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