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Chronik Österreich
08/13/2021

Wohnungen als illegale Rotlicht-Spots

Angemietete Wohnungen anstatt Studios und Laufhäuser: Szene und Polizei sind gleichermaßen alarmiert, doch deren Handlungsmöglichkeiten sind beschränkt.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Die Rotlicht-Szene steht vor einem Umbruch, wie es ihn seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat. Viele Prostituierte haben sich in den vergangenen Monaten an die illegale Wohnung-Prostitution gewöhnt, sie wollen ihr “Home Office“ nicht mehr verlassen. Sie verdienen so mehr Geld, dafür wird es unsicher für die Beteiligten.

Viele Arbeiten nun ohne den “Deckel“, also ohne Gesundheitszeugnis. Außerdem muss natürlich im illegalen Bereich kein Corona-3G kontrolliert werden. Doch auch für die Frauen birgt das einiges an Gefahren, denn im Gegensatz zu Laufhäusern haben sie keinen Alarmknopf und niemanden, der ihnen zu Hilfe eilt.

Niedrige Auslastung

“Normalerweise sind bei uns alle Zimmer mit Damen gefüllt, aktuell sind wir nur zu zwei Drittel ausgelastet. Und ich höre von anderen Etablissements, dass es weit weniger sind“, sagt Martin S., Betreiber des Laufhauses Kontakt-Zentrum Süßenbrunnerstraße. Eine weitere Studio-Betreiberin aus der Wiener Innenstadt sieht es ähnlich, sie ist bereits am Überlegen, zuzusperren oder zu verkleinern: “Noch dazu gab es für die legalen Lokale in der Corona-Zeit praktisch keine Unterstützung.“

Rotlicht und Blaulicht haben aktuell die gleichen Interessen: eine Verschiebung der Szene in den illegalen Bereichen soll unter allen Umständen verhindert werden.

500 Anzeigen zu Wohnungs-Prostitution

“Wir haben allein heuer bereits 500 Anzeigen bezüglich illegaler Prostitution in Wohnungen erstattet“ erklärt Wolfgang Langer, Leiter des Prostitutionsreferats der Polizei in Wien. Im gesamten Vorjahr waren es 460, in den Jahren davor rund um die 200. Trotz Strafen in der Höhe von rund eintausend Euro, nimmt das alles kein Ende: "In einer Wohnung in Wien-Rudolfsheim waren wir gleich siebzehn Mal, in einer in Hernals zwölf Mal“, berichtet Langer dem KURIER.

Erstmals seien nun sogar Beschützer/Zuhälter im Einsatz, die Szene scheint sich zu verfestigen. Bei der Polizei geht man davon aus, dass mindestens jedes zehnte Lokal dauerhaft geschlossen bleibt.

Die Verschiebung in die Illegalität ist sogar so groß gewesen, dass die dort etablierten Asiatinnen fast nicht mehr tätig sind. Diese Wohnungen werden nun vor allem von Frauen aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien betrieben, die bisher in legalen Studios waren.

Den Behörden fehlt es teilweise aber auch an Möglichkeiten, berichtet ein erfahrener Rotlicht-Polizist. So gebe es zwar die Möglichkeit, intern abzufragen, ob es bei Prostituierten offene Strafbefehle (und damit Möglichkeiten zu einer Festnahme) gibt, dies ist aber nur telefonisch während der Amtsstunden möglich.

Erleichtert wird alles zusätzlich durch Plattformen die entsprechende Inserate anbieten. Die illegalen Wohnungen sind meist jene, die keine Adresse eingefügt haben.

Die Szene ist ratlos, wie sie der Verlagerung in die Illegalität beikommen soll. “Früher in der Zeit der Rotlicht-Größen vom Gürtel hätten sie schon Möglichkeiten gefunden, die Damen zurückzuholen. Man sieht, die Szene ist heute seriöser und ruhiger“, erklärt ein Betreiber von mehr als einem Dutzend Studios.

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