WLAN wird es auch an Bord der neuen Embraer 195 Regionaljets der AUA geben

© APA/AUSTRIAN AIRLINES

Chronik Österreich
08/02/2021

Pilotenfehler führte fast zu Absturz auf Salzburg

An der Katastrophe vorbei. Über Salzburg stürzt 2017 beinahe ein Flugzeug ab. Die AUA meldet nur einen harmloseren Zwischenfall. Der deswegen verspätet erstellte Endbericht des Verkehrsministeriums zeigt nun, wie knapp es tatsächlich war

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Es sind 73 Sekunden, in denen Pilot und Co-Pilot nicht wissen, was eigentlich genau passiert. Teilweise beträgt der Abstand zum Boden nur 198 Meter. Ein Absturz-Alarm leuchtet Sekunden lang auf. Und dennoch ist den beiden am Steuer des Embraer-Jet mit 97 Passagieren und fünf Crewmitgliedern nicht klar, was zu tun ist. Und das inmitten eines Unwetters.

Soeben ist der Endbericht des Verkehrsministeriums (bzw. dessen Untersuchungsstelle SUB) über einen der schlimmsten Vorfälle mit einem großen Passagier-Flugzeug seit Jahren in Österreich erschienen. Und spart auch nicht mit Kritik an der österreichischen Fluglinie. Diese hat offenbar an die Untersuchungsstelle einen weit harmloseren Bericht über die Geschehnisse geschickt als an andere Behörden.

Passiert ist der Beinahe-Absturz während schwerer Unwetter im Oktober 2017. Aus dieser Zeit findet man Videos auf Youtube von Piloten, die bei schweren Seitenwinden (Scherwinde) auf dem Flughafen Salzburg landen. Der Embraer-Jet der Austrian hingegen wird an diesem Tag ein Durchstartmanöver hinlegen. Denn kurz vor dem Aufsetzen gibt es eine entsprechende Warnung des Systems vor den gefährlichen Windereignissen.

Das normale Vorgehen dabei ist, dass die Leistungshebel nach vorne gebracht werden, um mehr Schub für den neuerlichen Aufstieg zu generieren. Dazu muss der Knopf TOGA-Knopf (Take-Off/Go Around) gedrückt werden.

„Da jedoch dabei keiner der beiden TOGA-Druckschalter gedrückt wurde, verringerte das Autothrottle-System die Leistung wieder. Durch den hohen Nickwinkel und der stetigen Abnahme der Geschwindigkeit wurde vom bordeigenen System eine Strömungsabriss-Warnung (Stall Warning) angezeigt“, ist in dem Bericht zu lesen. Prinzipiell bedeutet das: Das Flugzeug ist zu steil und zu langsam. Wird es nicht schneller, dann gibt es einen Strömungsabriss und das Flugzeug stürzt zu Boden.

Teilweise fehlen nur mehr knappe fünf km/h bis dahin. Sogar die Steuerung der Piloten (Stick Shaker) vibrierte in einer Flughöhe von nur 225 Metern – das letzte Zeichen bevor es abwärts geht.

“ Gefährliche Situation“

„Ein überzogener Flugzustand in Verbindung mit geringer Flughöhe ist eine bedrohliche bzw. gefährliche Situation“, hält auch das Dokument fest. „Die Cockpitbesatzung steuerte nach der ersten Bedrohung das Luftfahrzeug 73 Sekunden lang mit sehr geringer Geschwindigkeit und zu geringer Steigrate und war nicht in der Lage, dies durch Aktivieren des TOGA-Mode zu korrigieren. Das Luftfahrzeug flog in diesem Zustand in Richtung der Berge im Umland des Flughafens, was eine weitere Bedrohung darstellte.“

„Erst 73 Sekunden nach der Windshear-Caution (Windwarnung, Anm.) wurde TOGA gedrückt.“ Zu diesem Zeitpunkt war das Flugzeug noch immer auf einer Höhe von unter 500 m unterwegs. Bis dahin fehlte ausreichend Schub.

In der Folge landete der Jet allerdings ohne Probleme in Salzburg.

Für Ärger hinter den Kulissen sorgte darüber hinaus, dass die AUA zwei vollkommen unterschiedliche Meldungen über den Vorfall an verschiedene Behörden verschickt hat. Zumindest eine davon hätte keine Untersuchung verursacht. Ähnliches war zuvor schon bei einem nicht ganz so schweren Vorfall in der Schweiz passiert – dieser wurde erst durch den Hinweis eines zufälligerweise mitfliegenden Piloten vom Verkehrsministerium untersucht.

Ein vergessener TOGA-Knopf führte jedenfalls im Jahr 2016 zum Absturz einer Emirates-Maschine in Dubai.

Das sagt die AUA

Bei der Fluglinie erklärt man das folgendermaßen: „Es ist richtig, dass seitens Austrian Airlines zwei Meldungen an die Sicherheitsbehörde erfolgten. Die erste Meldung erfolgte, wie gesetzlich vorgesehen, unmittelbar nach dem Vorfall durch den Piloten. Gemäß den behördliche Vorgaben ist Austrian Airlines verpflichtet, diese Vorfälle nochmals intern vertiefend zu überprüfen. Da für diese nachträgliche Überprüfung mehr Daten zur Auswertung zur Verfügung stehen, als dem Piloten unmittelbar nach dem Vorfall, können oftmals weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Im konkreten Fall wurden entsprechende weitere Erkenntnisse eben in einer zweiten Meldung an die Sicherheitsbehörde übermittelt.“

In der ersten Meldung ist nicht einmal die Rede davon, dass es ein Vibrieren der Steuerung gegeben hat und die Geschwindigkeit wurde um rund 50 km/h höher angegeben als sie tatsächlich war.

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