Chronik | Österreich
09.01.2019

Schneechaos: 16-Jähriger bei Lawinenabgang in St. Anton getötet

Bursche war mit Familie unterwegs. In bereits vier Bundesländern gilt Warnstufe 5.

  • In Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark wurde die Lawinenwarnstufe auf die höchste Kategorie fünf angehoben.
  • Das Hochkar bzw. die Göstlinger Katastralgemeinde Lassing wurde am Mittwoch zum Katastrophengebiet erklärt.
  • Ebenfalls gesperrt wurde das Skigebiet Ötscher bis zumindest Freitagvormittag.
  • Nach Hallstatt und Obertraun ist auch die Salzkammergut-Gemeinde Gosau in Oberösterreich nicht mehr auf dem Straßenweg zu erreichen.
  • In der Steiermark sind rund 2.250 Menschen in ihren Ortschaften eingeschlossen.
  • Eine Vermisstensuche im Innviertel wurde abgebrochen.
  • Die Suche nach den beiden vermissten Tourengehern in Niederösterreich soll heute fortgesetzt werden.
  • In der Steiermark kam ein 62 Jahre alter Lehrer beim Skifahren um. 
  • In Salzburg wurden drei Kinder aus einer Lawine geborgen.
  • In Tirol waren rund 1.000, in Niederösterreich 270 Haushalte, in Salzburg 350 Haushalte ohne Strom.

Ein Lawinenabgang in St. Anton am Arlberg im Tiroler Bezirk Landeck hat am Mittwoch ein Todesopfer gefordert. Wie die Polizei berichtete, wurde ein 16-Jähriger im freien Skiraum von den Schneemassen mitgerissen und verschüttet. Für den Burschen kam jede Hilfe zu spät. Er konnte nur noch tot geborgen werden.

Der Bursche war gemeinsam mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder unterwegs, als er kurz nach 16.30 Uhr von einer Lawine im freien Skiraum erfasst wurde. Die drei anderen Familienmitglieder blieben unverletzt. Die Erhebungen zum genauen Unfallhergang waren vorerst nicht abgeschlossen.

Im oberösterreichischen Innviertel ist am Mittwochabend eine große Suchaktion angelaufen. Drei Personen hatten unabhängig voneinander Hilferufe gehört. Fünf Stunden lang durchkämmten rund 160 Einsatzkräfte bei starkem Schneefall die Umgebung - allerdings ohne Erfolg. Die Suche wurde vorerst abgebrochen, da auch keine Vermisstenmeldung vorlag, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando.

Höchste Lawinenwarnstufe in vier Bundesländern

Am Dienstag ist für die steirischen Nordalpen erstmals die höchste Lawinenwarnstufe der fünfteiligen Skala ("sehr groß") verhängt worden, inzwischen galt sie auch in Bereichen der Bundesländer Ober- und Niederösterreich sowie Salzburg. 2.250 Menschen waren zudem in der Steiermark abgeschnitten oder schwer erreichbar, in Vorarlberg war dies am Mittwochvormittag in mehreren Arlberg-Orten der Fall.

Vom Dachstein über das Tote Gebirge bis zum Hochschwab herrschte am Mittwoch in der Obersteiermark "sehr große" Lawinengefahr, die höchste Warnstufe. In den übrigen Landesteilen wurde die Situation von den Experten als nicht ganz so dramatisch eingeschätzt. In den nördlichen Niederen Tauern - den Schladminger Tauern - galt Warnstufe 4 ("groß"). Zahlreiche Verbindungen waren nach wie vor bzw. wieder gesperrt, etwa die Gesäuse Straße, die Verbindung über den Seeberg oder über den Präbichl oder das Niederalpl.

Oberösterreich: Nach Hallstatt und Obertraun ist auch die Salzkammergut-Gemeinde Gosau (Bezirk Gmunden) bald nicht mehr auf dem Straßenweg zu erreichen. Wie lange dieser Zustand aufrecht bleibt, war vorerst offen.

Die Pass Gschütt Straße (B166) wurde um 17.00 Uhr sowohl zwischen Gosaumühle und Gosau gesperrt, womit die Zufahrt von oberösterreichischer Seite weggefallen ist. Die Zufahrt aus Richtung Abtenau in Salzburg war bereits zuvor wegen umgefallener Bäume nicht mehr möglich. Offen war zuletzt noch ein kleiner einspuriger Weg aus Richtung Salzburg. Dieser werde aber im Lauf des Abends ebenfalls gesperrt, hieß es bei der Polizei Abtenau.

Wie lange die Sperre aufrecht bleibt, hänge unter anderem davon ab, wann Hubschrauber fliegen können. Derzeit lasse das die Wetterlage nicht zu. Geplant wäre, dass ein Hubschrauber im Tiefflug mit seinen Rotoren quasi den Schnee von den Baumwipfeln räumt, erklärte ein Polizist. Jene Stämme, denen die Last zu hoch war, würden dann brechen und abtransportiert werden, die übrigen wären keine Gefahr mehr.

Bad Ischl ist durch die Sperre der B145 (Salzkammergut Straße) zwischen Ebensee und Bad Ischl wegen drohender Lawinen nur über Umwege - etwa über das Weißenbachtal - erreichbar.

Für die zuletzt gesperrte Bahnstrecke zwischen Obertraun-Dachsteinhöhlen und Bad Aussee gibt es einen Schienenersatzverkehr über den Pötschenpass. Der Betrieb auf der Strecke zwischen Stainach-Irdning und Bad Aussee wurde bereits am Mittwoch wieder aufgenommen. Damit gebe es ab Donnerstag mit Ausnahme der Verbindung Obertraun-Bad Aussee keine Streckenunterbrechungen in Oberösterreich mehr, so die ÖBB.

Liveticker: Hohe Lawinengefahr und abgeschnittene Orte

  • 15:56

    Vier Personen aus Seilbahn geborgen

    Vier Mitarbeiter der Katrin Seilbahn im oberösterreichischen Bad Ischl (Bezirk Gmunden) sind am Mittwoch aus einer Gondel gerettet worden. Die Kabine war bei einer Revisionsfahrt gegen eine Schneewechte gestoßen. Die Insassen überstanden den Zwischenfall unverletzt, an der Gondelbahn dürfte kein Schaden entstanden sein, berichtete die Polizei.

    Wegen der schlechten Sicht bemerkten die vier Personen die Schneewechte erst kurz vor der Kollision. Sie schlugen via Funk Alarm. Bevor die Bahn gestoppt werden konnte, fuhr sie noch zehn Meter weiter und die Gondel wurde über die Schneemassen gezogen. Neun Bergretter und ein Alpinpolizist bargen die Insassen. Die Seilbahn bleibt wegen der Schneesituation vorerst gesperrt.
     

  • 15:47

    Hallstatt und Oberstraun bald nicht mehr erreichbar

    Die Salzkammergut-Gemeinden Hallstatt und Obertraun sind ab 19 Uhr nur mehr mit dem Zug und mit dem Schiff erreichbar. Die Zufahrt nach Gosau ist ab 17 Uhr zumindest von oberösterreichischer Seite aus gesperrt. Ob die Straße nach Gosau aus Salzburger Richtung aus offenbleibt, wurde noch geprüft.

    Die Straßenverbindung zwischen Gosaumühle und Gosau (B166/Pass Gschütt Straße) wird ab 17 Uhr wegen Lawinengefahr gesperrt, die L547 (Hallstättersee Landesstraße) auf der anderen Seite um 19 Uhr, teilte die Hallstätter Polizei mit. Zuvor versuche man noch, sich auf die Situation vorzubereiten und etwa sicherzustellen, dass Feuerwehr, Rettung und Arzt im Ort vorhanden seien. Voraussichtlich werde die Sperre zumindest bis Freitag aufrecht bleiben.
     

  • 15:43

    Tirol: 7.700 Haushalte kurzfristig ohne Strom

    Die weiterhin massiven Schneefälle im Unterland sowie die zunehmende Gefahr von Baumstürzen bringen auch das Verteilernetz der Tiroler TINETZ an die Belastungsgrenze. Am Mittwoch waren bis zu 170 Trafostationen in 18 Gemeinden mit 7.700 Stromkunden kurzfristig unversorgt. Eine Entspannung der Lage ist aufgrund der anhaltenden Schneefälle derzeit nicht in Sicht. Die Störtrupps der TINETZ sind seit letzter Woche in erhöhter Alarmbereitschaft. In den von den Schneefällen besonders betroffenen Regionen im Bezirk Kitzbühel und Kufstein wurden Einheiten zusammengezogen und verstärkt. „Durch die großen Schneemengen auf den Bäumen kann es jederzeit zu kurzfristigen Unterbrechungen kommen“, sagt TINETZ-Geschäftsführer Thomas Rieder.

  • 15:28

    40 Personen sitzen auf Sessellift fest

    Auf der Reiteralm im steirischen Schladming sitzen 40 Personen auf einem Sessellift fest. Grund ist laut Polizei ein technischer Defekt. Niemand soll verletzt sein. Die Betroffenen sollen nun abgeseilt werden.

  • 15:23

    Tirol: Mehrere Landesstraßen gesperrt

    Die Behörden in Tirol haben entschieden, einige Landesstraßen vorübergehend zu sperren. So sind derzeit etwa die Orte Kühtai, Galtür und Hochfügen auf dem Straßenweg nicht zu erreichen. Auch die Gemeinde Pfafflar und Teile der Gemeinde Berwang im Bezirk Reutte, die Gemeinde St. Leonhard im Pitztal, die Gemeinde Kaunertal und Ginzling im Zillertal sind derzeit über das Straßennetz nicht erreichbar. „Eine entsprechende Versorgung ist für alle Betroffenen in den jeweiligen Gemeinden und Ortsteilen sichergestellt“, informiert Marcel Innerkofler von der Landeswarnzentrale. 

  • 15:14

    Bundesheer musste Hüttenwirt ausfliegen

    Das Bundesheer hat am Mittwochnachmittag den bisher am Berg zurückgebliebenen Wirt der Hochmölbinghütte am Ostrand des Toten Gebirges in der Obersteiermark ausgeflogen. Der Hubschrauber des Heeres nahm den Mann gegen 14.10 Uhr vor seiner Hütte auf 1.683 Metern Seehöhe auf und brachte ihn ins Tal. Der Wirt hatte am Mittwoch die Einsatzkräfte angerufen und um Hilfe gebeten. Nach der Rettung sagte er Journalisten, er habe kein Trinkwasser mehr gehabt. Zudem musste er zwei Mal pro Tag den Kamin ausschaufeln: "Die Kräfte schwanden, es ging nicht mehr." Nun sei er "sehr froh" herunten zu sein.

    Indes teilte Landeshauptmannstellvertreter Michael Schickhofer mit, dass die Steiermark Schneefräsen aus Kärnten zur Unterstützung für den Winterdienst gestellt bekommt. Ab sofort werde auch das Kriseninterventionsteam (KIT) hinzugezogen, hieß es aus dem Büro des Katastrophenschutzreferenten. Der Anlass seien zwei beispielhafte Fälle aus der Gemeinde Sölk: "Bei einem Einfamilienhaus zerbrach ein Dachflächenfenster unter der Schneelast - das gesamte Stiegenhaus war voller Schnee. Die Wucht und der Lärm des Einsturzes trafen die Mutter und ihr Kind, die sich im Haus aufhielten, sehr hart." Das KIT betreut sie nun.

  • 15:08

    OÖ: Sechs Schulen bleiben vorerst geschlossen

    In Oberösterreich bleiben am Donnerstag zumindest sechs Schulen zu - alle im Bezirk Perg. Das teilte Landeshauptmann Thomas Stelzer am Mittwoch mit. Die Volks- und die neue Mittelschule in St. Georgen am Walde waren bereits am Mittwoch geschlossen und sollen es bis Freitag bleiben. Volksschule und NMS in Pabneukirchen bleiben am Donnerstag zu, die Volksschulen in St. Thomas am Blasenstein und in Dimbach am Donnerstag und Freitag. Weitere Schließungen sind noch möglich.

  • 14:42

    NÖ: Mehrere Skigebiete haben auch morgen zu

    In Niederösterreich bleiben mehrere Skigebiete bis auf Weiteres geschlossen. Das Hochkar, Lackenhof am Ötscher, die Gemeindealpe in Mitterbach und Maiszinken werden auch am Donnerstag gesperrt sein, hieß es auf Anfrage. Weiters kann die Mariazellerbahn auf der Strecke zwischen Laubenbachmühle und Mariazell nach wie vor nicht fahren. Probleme bereiten Bäume, die wegen des Schneedrucks umfallen.

  • 14:19

    1.300 steirische Feuerwehrleute im Einsatz

    Die steirischen Feuerwehren sind seit den Schneefällen in der vergangenen Woche gefordert. Knapp 1.300 Männer und Frauen von rund 100 Wehren leisteten bisher ihren freiwilligen Hilfsdienst, teilte Sprecher Thomas Meier am Mittwoch mit. Speziell die Feuerwehren der Verbände Liezen und Bruck an der Mur sowie Judenburg, Leoben und Mürzzuschlag hatten einiges zu tun.

  • 14:01

    Tirol: Galtür nicht mehr erreichbar

    Galtür im Tiroler Paznauntal ist wegen der starken Schneefälle vorerst nicht mehr über den Verkehrsweg erreichbar. Die Paznauntalstraße (B188) zwischen Mathon und Galtür wurde wegen Lawinengefahr in beide Richtungen gesperrt, teilte der ÖAMTC mit. Nach Angaben der Gemeinde ist bewohntes Gebiet "nicht betroffen".

    Die Lawinenkommission Galtür trifft sich Donnerstagfrüh zur neuerlichen Beratung, hieß es. Das Bergdorf erlangte durch die Lawinenkatastrophe im Februar 1999 mit 31 Toten traurige Berühmtheit.

  • 13:53

    "Schneefrei"

    In Salzburg sind Mittwochmittag 26 Schulstandorte aufgrund der Wetterlage gesperrt. Manche sollen den Schulbetrieb am Donnerstag wieder aufnehmen, andere könnten noch schließen, erklärt Eva-Maria Engelsberger von der Salzburger Bildungsdirektion. "Das wird jeweils vor Ort mit dem Katastrophendienst besprochen." Betroffen sind hauptsächlich Pflichtschulen.

    Infos darüber, welche  Schulen gesperrt sind, weil entweder der Schulweg für Kinder nicht zumutbar ist oder das Schulgebäude nicht genutzt werden kann, finden Sie hier: (https://www.salzburg.gv.at/themen/sicherheit/lawinenregional)

  • 13:42

    Auch die Kleinsten helfen

    In Hochfilzen ist vorerst kein Ende des Schneefalls in Sicht. 

  • 13:33

    KURIER-Lokalaugenschein in Schladming und Ramsau

    Mittwochfrüh herrscht in Schladming dichter Schneefall. Briefträgerin Anita kämpft sich auf ihrem Fahrrad dennoch tapfer und guten Mutes durch den Schnee, um 600 Haushalten die Post zu bringen. Autofahren ist aufgrund des schlechten Wetters nur noch mit Schneeketten und im Schritttempo unterwegs.

    Im Zentrum von Ramsau schneit es Mittwochmittag ebenfalls unablässig, man kann die Straße kaum von der Umgebung unterscheiden. Zudem weht heftiger Wind, die Bergbahnen sind gesperrt. Ein Schlepplift ist zwar in Betrieb, allerdings wird er zum Zeitpunkt des Lokalaugenscheins von keinem einzigen Wintersportler genützt. Ein Jogger kämpft sich tapfer durch Wind und Wetter, vereinzelt sieht man auch den einen oder anderen Langläufer.

    Sehr gut besucht ist hingegen das Kaffeehaus im Ortszentrum:  Einheimische wie Touristen wärmen sich dort bei Kaffee und Kuchen auf, die Stimmung ist noch entspannt.

  • 13:24

    Steiermark: Hüttenwirt gerettet

    Um 13.30 Uhr sind zwei Heeres-Hubschrauber von Aigen im Ennstal aus gestartet – es gab ein Wetterfenster: Eine Alouette III fliegt eine Lawinenkommission nach Oppenberg, eine zweite Maschine flog zur Hochmölbinghütte. Dort wurde ein eingeschlossener Hüttenwirt befreit.

  • 13:15

    "Man muss die Leute unterhalten"

    "Ich habe noch nie so viel Schnee auf den Dächern gesehen", sagt der Zillertaler Spitzenkoch Alexander Fankhauser. Seit Freitag ist die Straße von der Hotelsiedlung Hochfügen, wo der 45-Jährige das Hotel Lamark betreibt, hinunter ins Zillertal gesperrt. "Wir haben 80 Gäste im Haus, insgesamt sind es hier oben ein paar hundert. Aber die Stimmung bei den Gästen ist gut. Man muss die Leute halt unterhalten", sagt der ehemalige Fernsehkoch. Am Dienstag gab es einen Kaiserschmarrn-Kochkurs in Fankhausers Küche. "Heute machen wir eine Weinverkostung."

  • 13:08

    Zwischen Innsbruck und Seefeld kein Zugverkehr

    Wegen der hohen Lawinengefahr ist Mittwochnachmittag der Zugverkehr auf der Mittenwaldbahn auch zwischen Innsbruck und Seefeld in Tirol eingestellt worden. Ab 14.45 Uhr seien bis auf Weiteres keine Fahrten möglich, teilten die ÖBB mit. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen von Innsbruck über Seefeld bis Scharnitz wurde eingerichtet.

    Ununterbrochener Schneefall im Tiroler Unterland
  • 12:51

    Für "Siedlungsraum" in Tirol "keine kritische Situation"

    Trotz der anhaltenden Schneefälle in Tirol ist die Situation für den Siedlungsbereich derzeit nicht "kritisch". Laut den Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung sind die Schneemengen problemlos durch die Schutzbauten zu bewältigen. Trotzdem sei die Lawinensituation weiterhin angespannt, erklärte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, am Mittwoch.

  • 12:43

    Salzburg: Weiter 350 Haushalte ohne Strom

    Im Bundesland Salzburg waren am Mittwochvormittag weiter rund 350 Haushalte ohne Strom. Betroffene Bewohner sind nun teilweise schon seit vier Tagen vom Leitungsnetz getrennt. In Gebieten, wo wegen der hohen Lawinengefahr Straßen gesperrt wurden oder betroffene Leitungsabschnitte nicht erreichbar sind, konnten die Techniker des Netzbetreibers aber noch immer keine Schäden reparieren. Am Montagabend waren noch mehr als 500 Haushalte betroffen.

  • 12:29

    Mehr als 2.000 Menschen von Außenwelt abgeschnitten

    Hubschrauberflüge waren wegen Windes und extrem beschränkter Sicht in der nördlichen Obersteiermark kaum möglich. Rund 2.250 Menschen waren laut Landeswarnzentrale von der Außenwelt abgeschnitten oder schwer erreichbar. In Vorarlberg war dies am Mittwochvormittag in mehreren Arlberg-Orten der Fall.  Auch in Salzburg spitzte sich die Situation in einigen Landesteilen weiter zu.

  • 12:20

    "Das ist natürlich Wahnsinn"

    Einer, den der meterhohe Schnee kalt lässt, ist Gunnar Prokop. Der ehemalige Handballtrainer wohnt in Annaberg, im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich. Die meterhohen Wächten sind für ihn aber kein Grund zur Besorgnis. "Es gab immer wieder Winter, die extrem ausfielen. Wir sind das hier gewohnt", sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

    Was ihn aber ärgert, ist die Unvernunft mancher Menschen. "Am vergangenen Montag haben einige versucht, mit Sommerreifen auf den Berg zu kommen. Das ist natürlich Wahnsinn", erzählt Prokop. Auch die Stromausfälle sind für ihn kein Ärgernis. "Dann sitzt man halt bei Kerzenschein im Wirtshaus und nicht zu Hause vorm Fernseher", lacht er.

Höchste Lawinenwarnstufe in Teilen Österreichs

Ein weiterer Toter

In der Steiermark kam ein 62 Jahre alter Lehrer beim Skifahren um. Der Niederösterreicher verunglückte am Dienstagnachmittag auf der Mariazeller Bürgeralpe im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Der Lehrer war als Begleitperson von neun Schülern eines Gymnasiums auf der sogenannten "Familienabfahrt" unterwegs gewesen, als er im Flachstück vor dem letzten Steilhang plötzlich die Ski verlor und links über den Pistenrand an einen steil abfallenden Waldbereich stürzte. Wie das passieren konnte, ist noch nicht bekannt. Im Waldbereich blieb er im lockeren, metertiefen Schnee kopfüber stecken. Wegen der Schneemassen konnten die Schüler nicht sofort helfen.

In den vergangenen Tagen kamen schon sieben Menschen im Schneechaos um.

Vier Schüler unverletzt aus Lawine geborgen

Glück hatten hingegen mehrere Schüler am Wildkogel in Neukirchen am Großvenediger (Pinzgau). Sie sind heute Vormittag bei einem Lawinenabgang auf eine Skipiste zum Teil verschüttet worden, konnten aber unverletzt geborgen werden.

Wie die Polizei am Nachmittag informierte, sind insgesamt sechs jugendliche Skifahrer einer Schülergruppe aus Deutschland von den Ausläufern der Schneebrettlawine erfasst und über den Pistenrand hinaus über eine Böschung gerissen worden. Vier Schüler wurden zum Teil verschüttet. Sie wurden vorsorglich vom Roten Kreuz in das Tauernklinikum Mittersill gebracht.

Die betroffenen Schüler sind 16 und 17 Jahre alt. Zwei davon wurden zur Gänze und zwei zum Teil von den Schneemassen begraben. Zwei weitere Jugendliche wurden zwar von der Lawine erfasst, aber nicht verschüttet. Die 29-jährige Lehrerin, welche die Gruppe begleitet hatte, und eine weitere Schülerin entkamen dem Schneebrett.
 

Weitere Evakuierungen in der Steiermark

Nach vereinzelten Erkundungsflügen haben die Behörden noch am Mittwoch weitere Evakuierungen im obersteirischen Bezirk Liezen beschlossen: Sieben Gebäude im Ortsteil Niederstuttern in der Gemeinde Stainach-Pürgg müssen von den rund 25 Bewohnern verlassen werden. In den Ortsteilen Espang und St. Martin der Gemeinde Mitterberg-St. Martin waren rund 40 Personen in 18 Häusern betroffen.

Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) beschrieb am Mittwoch geordnete Situationen in den drei zum Katastrophengebiet erklärten steirischen Kommunen. In der Gemeinde Hohentauern sind rund 750 Menschen - 466 Einheimische und 284 Urlauber - eingeschlossen. Die Stimmung unter ihnen sei ruhig und die Lebensmittelversorgung werde von den landwirtschaftlichen Betrieben der Gemeinde bis zum Wochenende gesichert. Auch Hackgutmaterial für Fernwärme sowie Diesel für Einsatzfahrzeuge stünden noch bis zum Wochenende in ausreichender Menge bereit. Die Hausapotheke des Arztes gilt ebenfalls als gefüllt und Medikamente reichen ebenfalls bis zum Wochenende. Die Bewohner seien telefonisch erreichbar und haben Strom. Rund 30 Helfer von Feuerwehr und Bergrettung helfen beim Abputzen der Hausdächer.

Die Gemeinde Pölstal ist im Gegensatz zu Hohentauern grundsätzlich erreichbar, jedoch sind rund 25 Bewohner in 13 Gebäuden im Ortsteil St. Johann am Tauern weiterhin nicht am Straßenweg erreichbar. Sie werden von der Gemeinde Hohentauern mit Medizin und Lebensmitteln mitversorgt. Bei der Gemeinde Pusterwald sind die Zufahrtsstraßen offen, ein Erkundungsflug war aber in dem Gebiet bisher nicht möglich. Fünf Bauernhöfe mit 22 Bewohnern in Hinterwinkel sind allerdings nur schwer erreichbar. Ein Bus mit 50 polnischen Urlaubern sei am Montag abgereist.

Die Sperre der B114 nach Hohentauern und Pölstal bleibe laut dem Katastrophenschutzreferent bis auf weiteres aufrecht. In Pusterwald bleiben zwei Gemeindestraßen weiterhin gesperrt. Weitere Erkundungsflüge sind geplant.
 

Am Donnerstag weiter Stufe 5 in den Ybbstaler Alpen

In den Ybbstaler Alpen wird auch am Donnerstag die höchste Gefahrenstufe 5 ("sehr groß") gelten, hieß es im Bericht des Warndienstes Mittwochabend. Das Risiko im Rax-Schneeberggebiet wurde als "groß" (Stufe 4), in den anderen Regionen als "erheblich" (Stufe 3) eingeschätzt. Für Freitag wird eine Entspannung erwartet.

"Eine Schneebrettauslösung ist bereits durch die Zusatzbelastung eines einzelnen Tourengehers möglich", wurde gewarnt. In den Hochlagen müsse mit spontanen Entladungen von trockenen Schneebrett-und Lockerschneelawinen gerechnet werden, die aufgrund der erheblichen Schneemengen große bzw. sehr große Ausmaße annehmen können. "Mächtige Wechten können brechen und in Folge Lawinen auslösen. Zudem ist auch in tieferen und mittleren Lagen mit spontanen Lawinen aus sehr steilen Hangbereichen zu rechnen", wurde mitgeteilt.

Seit Dienstagfrüh seien bis zu 60 Zentimeter Neuschnee hinzugekommen, mit Schwerpunkt im Bereich Hochkar (Bezirk Scheibbs). Auch für Donnerstag wurden starker Wind und kräftige Niederschläge prognostiziert: Bis am Abend werden weitere 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee erwartet, wobei der Schwerpunkt wieder in den Ybbstaler Alpen liege. Am Freitag soll der Niederschlag nachlassen. In der Nacht auf Samstag wird die nächste Front erwartet, die neuerlichen Schneefall bringen soll.
 

Tiere brauchen Hilfe

Auch Wildtiere laufen Gefahr, unter den Schneemassen begraben zu werden. Ein Video zeigt, wie ÖBB-Mitarbeiter eine Gams befreiten. Beim Räumen der Gleise im Gesäuse wurde versehentlich eine Gams verschüttet. Zwei Eisenbahner griffen zur Schaufel und befreiten das Wildtier aus dem Schnee. Es sprang danach offenbar unverletzt durch den Tiefschnee in den Wald. Die Hilfe sei für die Männer "selbstverständlich" gewesen.

St. Anton im Wetterpech

Auch das Weltcup-Skirennen von St. Anton ist von den massiven Schneefällen betroffen Drei Jahre nachdem die Damenrennen wegen Schneemangels abgesagt werden mussten, kam diesmal das K.o. für die Arlberg-Kandahar-Rennen wegen zu viel Schnee und aus Sicherheitsgründen. Die extreme Winterwetterlage führte dazu, dass die für das kommende Wochenende geplant gewesenen Abfahrt und Super-G schon am Mittwochabend abgesagt werden mussten.

Ob die Rennen woanders nachgeholt werden können, war vorerst offen. Der ÖSV sei prinzipiell bestrebt, Rennen in Österreich zu behalten, hieß es dazu aus dem Büro des Skiverbandes in Innsbruck. FIS-Renndirektor Atle Skaardal hält es für möglich, dass man etwa die Abfahrt nächste Woche am Freitag vor den traditionellen Dolomiten-Speedrennen in Cortina d'Ampezzo durchführt. "Das wäre das nahe liegendste", sagte Skaardal.