Chronik | Österreich
30.06.2018

Räumungsbefehl wegen Kickls Polizeipferden

Hinter den Kulissen fliegen die Fetzen um die berittene Polizei: Heeressportverein wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Auch wenn PR-Berichte anderes behaupten: Die Realität der berittenen Polizei ist momentan eine traurige. Bloß ein verladefrommes Pferd steht im Stall der Theresianischen Militärakademie. Es gibt keinen offiziellen Sattel oder Zaumzeug, denn die Beschaffung muss erst ausgeschrieben werden. Drei Polizisten sind dafür im Dienst, sie sind vor allem damit beschäftigt, den Stall zu putzen, wird erzählt.

Hinter den Kulissen gehen die Wogen immer höher, bald droht ein Rechtsstreit. Grund ist, dass für die Reiterstaffel mehrere Pferde und ihre Reiter quasi vor die Türe gesetzt wurden. Darunter ist ein 21-jähriger Heeressportler (Dritter der Junioren-WM) oder die 19-jährige Anna Pajer, Absolventin des Militärrealgymnasiums und ab September Einjährig Freiwillige beim Heer. Solche Personen möchte der Heeressportverein ( HSV) fördern. Zumindest laut seinen Statuten.

 

28 Boxen hatte der Verein bis zum 15. Juni über. Die eine Hälfte bleibt dem HSV, die andere musste der Reiterstaffel des Innenministeriums überlassen werden. In den 14 verbliebenen Vereinsboxen sind fast durchwegs Pferde von Nicht-Heeresangehörigen – für einen Heeressportverein. Dass ein Leistungssportler und eine Paradesoldatin vor die Tür gesetzt werden und der dienstzugeteilte Pressesprecher des Wiener FP-Vizebürgermeisters oder ein Primararzt mit ihren Tieren bleiben dürfen, sorgt für Unmut.

Über das Geschäftsgebaren hat der KURIER berichtet. Der HSV – dessen Präsident früher der nunmehrige polizeiliche Ausbildungsleiter Roland Pulsinger war – bekam die Reithalle um 1260 Euro Jahresmiete vom Verteidigungsministerium. Dies sollte dem Verein ermöglichen, dort weiter die Reiterei für Bundesheerangehörige anzubieten. Die bis zu 28 Boxen dürften aber zumindest laut Rechnungen teilweise über seine Frau abgerechnet worden sein. Sie gibt außerdem Reitstunden und bildet Pferde aus. All das findet in jener Halle statt, in der künftig die Reiterstaffel trainieren soll.

 

„Wer einen wirtschaftlichen Nutzen bezüglich Reitstunden hat, darf wohl bleiben“, ist Michaela Pajer, Annas Mutter, erbost. „2016 hat uns Pulsinger sein eigenes Pferd überlassen und wirft uns nun raus.“ Sie sieht sich einem „ Räumungsbefehl“ gegenüber. Der Vorstand des Vereins schreibt in einer Stellungnahme, dass er sich „mit zwei Mitgliedern einvernehmlich geeinigt hat“. Die „Frage des Reitunterrichts bei Frau Pulsinger ist kein Kriterium für die Mitgliedschaft im Verein und hat keine Auswirkung auf allfällige Beendigungen von Einstellverträgen. Eines der beiden Mitglieder, die den Verein im Mai 2018 verlassen haben, nahm seit Jahren bei unserer Trainerin Andrea Pulsinger Reitunterricht“. Oberstleutnant Pulsinger erklärt außerdem, dass nicht er die Entscheidungen des Vereins treffe.

Scharfe Kritik übt Neos-Sicherheitssprecherin Stephanie Krisper, die bereits zwei parlamentarische Anfragen zum Thema eingebracht hat: „Es tun sich viele Fragen auf: Einerseits ob für das sicherheitspolitisch sinnlose Projekt Kickls Steuergeld verschwendet wird, anderserseits ob hier, kaum dass die FPÖ am Futtertrog ist, Freunderl bedient werden. Und ob hier nicht die Falschen gedeckt und Unschuldige über die Klinge springen müssen – so wie Anna Pajer.“

Noch viele ungelöste Probleme

Die Reiterstaffel des Innenministeriums hat jedenfalls noch einige Hürden zu nehmen, bis sie tatsächlich sattelfest und einsatzbereit sein wird. Das größte Hindernis ist der fixe Standort in Wien, gegen den die Stadt hinter den Kulissen massiv arbeiten soll. Deshalb ist eine Kaserne im Gespräch. Der wahrscheinlichste Ort dafür soll Simmering sein – weil es mit einem FP-Verteidigungsminister und einem FP-Bezirkschef leichter geht. Allerdings dürften die Kosten enorm sein, die Boxen müssen groß sein und es muss eine Koppel und Platz für bis zu 50 Polizisten geben.

Ein großes Problem ist die Sicherheit. „Die Überwachungsmaßnahmen sind noch in Ausarbeitung, aber in ausreichender Höhe in den kolportierten Kosten von 380.000 Euro miteinberechnet. Der Stall ist schon jetzt versperrbar, sodass die Sicherheit der Pferde gewährleistet ist“, heißt es aus dem Innenministerium. Doch die Tiere müssen auch auf die Weide und man darf davon ausgehen, dass die Pferde ein Ziel für üble Gestalten – etwa aus der linksextremen Szene – sein werden. Schon in der Vergangenheit gab es Angriffe auf die Pferde, etwa in Duisburg oder Stuttgart.

 

Ungeklärt ist der Transport. Ein geplanter Anhänger für 14 Pferde kostet Unsummen, in Österreich gibt es derzeit offenbar nur einen. Dieser ist aber nicht für besattelte Tiere einsatzbereit. Neben weiterer Ausrüstung (Sattel, Zaumzeug) fehlen außerdem Pferde – aktuell sollen  30 weitere angeboten worden sein.

Noch unklar ist, wer der tatsächliche Ausbildner sein soll. Aktuell dürfte ein Spanier Favorit sein. Dieser ist allerdings nur Spezialist für Showreiterei, wie es heißt.