Chronik | Wien
28.02.2018

Analyse: Wie sinnvoll ist berittene Polizei?

Der Innenminister will trotz hoher Kosten unbedingt eine Reiterstaffel für Wien. Was bringt sie?

Der Innenminister mit sichtlich großer Freude auf einem Pferd der Münchner Polizei thronend, das wurde für manche zum Sinnbild der berittenen Polizei: Herbert Kickl sitzt alleine auf seinem Ross und freut sich. Tatsächlich gibt es innerhalb der Polizei sonst wenig Freude mit der geplanten Reiterstaffel, es ist fast unmöglich jemanden zu finden, der das wirklich befürwortet. Selbst die Position der FPÖ-nahen Gewerkschaft AUF ist nicht so ganz eindeutig. Einem Antrag auf "Ablehnung und Aufnahme von Verhandlungen betreffend der geplanten Errichtung einer berittenen Polizei in Wien" stimmte sie laut eigenen Angaben zwar zu, allerdings beinhaltet dieser laut Gewerkschafter Franz Hartlieb nur, dass der Minister mit den Personalvertretern Gespräche aufnehmen soll, man sei aber auf jeden Fall für einen Testbetrieb. Diesen lehnen aber die roten und schwarzen Gewerkschafter entschieden ab.

Reinhard Zimmermann, oberster Personalvertreter (FCG), spricht von einer unsinnigen Touristenattraktion, Hermann Greylinger von der FSG davon, dass "die Zeiten der Reiterdenkmäler vorbei sind". Auch innerhalb der Wiener Polizei gibt es wenig Gegenliebe für die berittene Polizei, allerdings wollen dies die meisten Vertreter nicht offiziell sagen, zu aufgeheizt ist die (politische) Stimmung seit der KURIER die Pläne im Jänner aufgedeckt hat.

Fest steht, dass am Ende 24 Pferde in der Bundeshauptstadt ihren Dienst versehen sollen. Die FPÖ geht von 45.000 jährlichen Kosten für die Unterbringung aus. Allerdings dürfte hier keinen Niederschlag finden, dass für einen polizeilichen Betrieb ganz andere Kosten anfallen als für einen normalen Reitstall. Eine polizeiinterne Reiterstaffel benötigt unter Umständen eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung und einen eigenen Tierarzt. Auch können keine pferdeaffinen Mädchen als (kostengünstiges) Personal eingesetzt werden.

Die interne Schätzung des Innenministeriums geht deshalb von rund 350.000 Euro allein für die Unterbringung aus. Doch selbst diese Summe könnte zu gering sein, acht Pferde (mit zehn Reitern) schlagen sich in Hamburg laut einem Rechnungshofbericht mit einer halben Million Euro pro Jahr zu Buche.

Doch was ist der Nutzen? Vor allem drei Punkte führen die Befürworter an: Sie heben das Image der Exekutive, in bewaldeten Gebiet sind sie als Streife sinnvoll und als "crowd control" sind die etwa bei Demonstrationen einsetzbar. Gegen die letzte Einsatzmöglichkeit regt sich allerdings Widerstand – von der ÖVP bis zu Tierschützern reicht die Palette der Gegner. Die SPÖ hat dabei vor allem, die Zwischenkriegszeit, als Demonstranten niedergeritten wurden, im Auge; andere befürchten einfach, dass die Tier gequält werden.

"Crowd Control"

Die Frage bleibt aber, ob es in Wien genügend Großveranstaltungen gibt, um die Tiere einzusetzen. Im Gegensatz zu München, Paris, Madrid oder Hamburg gibt es in Wien keinen großen Fußballclub, der allwöchentlich 50.000 und mehr Fans ins Stadion bringt. Auch gibt es kaum gewalttätige Demonstrationen wie etwa in Frankreich, Spanien oder auch Deutschland. Ernsthafte Krawalle in Wien sind bei Demos nur alle paar Jahre zu finden.

Die Einsatzzeit der Pferde ist beschränkt, schließlich müssen die Tiere gepflegt und gesattelt werden. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass ein Pferd mit seinem Reiter pro Tag nur etwa vier Stunden zur Verfügung steht. Die Einsätze müssen gezielt geplant werden. Im Prater oder auf der Donauinsel wären radelnde Beamte genauso agil und vermutlich effektiver im Einsatz. Diesen Ansatz forciert auch die Polizeigewerkschaft.

Bleibt noch der Imagegewinn. Gegner weisen daraufhin, dass sich um das gleiche Geld entsprechende Kampagnen durchführen ließen. Tatsächlich würden diese aber wohl nicht den gleichen Effekt erzielen wie berittene Polizisten. Da sie bei Touristen ebenfalls gerne gesehen werden, sind sie durchaus eine Bereicherung für das Stadtbild. Das ist auch der Grund, warum sie in vielen anderen Ländern meist dem Sparstift dann doch nicht zum Opfer gefallen ist.

Unter dem Strich wäre die Reiterstaffel für Wien also wenig einsetzbar, aber vermutlich ein Imagegewinn für die Polizei. Ob das den Preis wert ist, muss jeder für sich entscheiden.