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Chronik Österreich
04/28/2021

Was Maibaum und Ramadan mit dem Infektionsgeschehen zu tun haben

Die meisten Infektionen passieren im privaten Bereich. Religiöse Feiern und gelebte Tradition tragen zuweilen aber dazu bei.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim

Große Zusammenkünfte vieler Menschen  sind – den Corona-Auflagen geschuldet – seit mehr als einem Jahr eine Rarität. Der Pandemie fielen sowohl religiöse Feste in gewohnter Form als auch Brauchtumsveranstaltungen zum Opfer. Aber nicht immer halten sich die Menschen privat an die behördlichen Vorgaben, das spiegelt sich dann im Infektionsgeschehen wieder.


Welche Rolle spielte Ostern heuer?

Ausgerechnet im Vorfeld von Ostern türmte sich im März in Österreich, befeuert von der britischen Variante, die inzwischen bereits dritte Welle der Corona-Pandemie auf. Die Landeshauptleute der Ostregion verordneten ihren Bundesländern aufgrund der besonderen Dramatik der Lage ab 1. April einen harten Lockdown. Eine „Osterruhe“.

 

Der Appell des damaligen Gesundheitsministers Rudolf Anschobers, auch im Rest des Landes „Kontakte in den nächsten Tagen drastisch zu verringern“, wurde geflissentlich überhört:

Im Bregenzerwald in Vorarlberg, das damals trotz Öffnungen noch klar am besten dastand, werden insbesondere Familienfeiern in großen Runden zu Ostern als ein Grund dafür gesehen, dass sich Cluster bildeten. Über die Region musste eine Ausreisetestpflicht verhängt werden. Seit Dienstag gelten verschärfte Maßnahmen für die Gemeinden des Tals.

Hinterlässt der muslimische Fastenmonat Ramadan Spuren in den Covid-Kurven?

Von 12. April bis 12. Mai gilt der Ramadan, es ist der zweite, den Österreichs rund 700.000 Muslime im Lockdown verbringen müssen: Wie die christlichen Kirchen schloss sich auch die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ) den Corona-Schutzmaßnahmen des Staates an, FFP2-Masken in den rund 350 Moscheen und Moscheevereinen sind Pflicht, das gemeinsame Fastenbrechen wurde untersagt.

Aber auch hier entzieht sich der private Bereich der Kontrolle. Das abendliche Fastenbrechen wird in Tirol neben der britischen Variante und ihrer Mutation als ein Mitgrund für den jüngsten Anstieg der Infektionen gesehen, der aber bereits wieder abzuflachen scheint.

Noch in der Vorwoche hatten laut Corona-Einsatzleiter Elmar Rizzoli 75 Prozent der Intensivpatienten türkischen Migrationshintergrund. Laut Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat es am Montag „ein Gespräch mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften“ gegeben, mit dem Ziel, dass diese die Community sensibilisieren. „Man kann das aber nicht nur Richtung Migrationshintergrund argumentieren“, betonte Platter. Es gelte allgemein, vorsichtig zu sein, da aktuell 80 Prozent der Infektionen in Tirol nach wie vor im privaten Bereich passieren würden.

Haben religiöse Veranstaltungen generell Einfluss auf das Infektionsgeschehen?

Durchaus, doch das ist regional und sogar lokal völlig unterschiedlich. Im Bezirk Vöcklabruck (Oberösterreich) wurde etwa ein Gotteshaus vorübergehend geschlossen elf Sänger des Kirchenchors haben sich infiziert. Derartige Cluster unabhängig von der Konfession gab es während eines Jahres Pandemie zuhauf, von Pfingstkirchen über katholische Kirchen bis zur serbisch-orthodoxen Kirche. Auch Begräbnisse und Trauerfeiern waren schon Infektionstreiber.

Fallen Brauchtumsveranstaltungen ins Gewicht?

Dazu gibt es keine eigenen Daten, die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) verweist darauf, dass diese Fälle in der Clusterauswertung „in das Setting Freizeit“ fallen. In dem Bereich fanden laut jüngster Auswertung österreichweit 13,9 Prozent der Ansteckungen statt. Dass solche Feste folgen haben, bewies jedoch der Fall Kötschach-Mauthen in Hermagor (Kärnten): Nach einem Almabtrieb und privaten Feiern danach waren 200 Menschen in Quarantäne, drei Dutzend Menschen waren infiziert von Gemeindemitarbeitern bis zu Feuerwehrleuten.

Finden Maiaufmärsche statt und werden Maibäume aufgestellt?

Der 1. Mai ist eigentlich der Tag der Massentreffen, einerseits politisch mit Maiaufmärschen, andererseits traditionell mit Festen rund um die soeben aufgestellten Maibäume. Ob diese Veranstaltungen zu Infektionsvermehrung beitragen, lässt sich nicht festmachen, denn im Jahr 1 der Pandemie fanden sie schlicht nicht statt. Und auch am Samstag finden sie nicht in der gewohnten Form statt. Die Politik verlegt sich ins Internet; die geschmückten Baumstämme dürfen zwar auf Haupt- und Dorfplätzen aufgestellt werden, aber nur ohne Publikum das wären Veranstaltungen, doch die sind verboten.

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