Pfandringe: Vom Wegwerfen und Weitergeben
In Graz gibt es die Pfandringe seit Sommer 2025
Die Polizeimeldung ist nur wenige Zeilen lang. Ein Mann (45) wurde am Samstag beim Bahnhof Wien-Liesing von einer einfahrenden Garnitur erfasst: „Zeugen gaben im Zuge erster Erhebungen an, dass der Mann am Bahnhofsgelände augenscheinlich nach Pfandflaschen gesucht und sich zu diesem Zweck auch in das Gleisbett begeben haben soll.“
Darüber hinaus wird nicht viel bekannt, doch ein Detail sticht heraus: Der Mann starb auf der Suche nach Leergut, das Menschen achtlos weggeworfen hatten.
Wie viele Menschen sammeln Pfandflaschen?
Mit der Einführung des Pfands auf Einweggebinde – 25 Cent pro Stück – sollte die Recyclingquote erhöht werden, das gelang. Offen ist der soziale Aspekt: Da immer noch Pfandflaschen und Dosen auf der Straße oder im Müll landen, suchen Menschen gezielt danach. Laut Umfrage des Getränkeherstellers Fritz-Kola und des Meinungsforschungsinstituts TQS machen das hochgerechnet rund 228.000 Personen.
Wie reagieren die Städte?
Die Städte und Gemeinden haben ganz unterschiedliche Zugänge, wenn es um das Sammeln von Pfandflaschen im öffentlichen Raum geht. Linz etwa hat bereits im Dezember 2024 sogenannte Pfandringe an Mistkübeln in der Innenstadt anbringen lassen, darunter Hauptplatz, Schillerpark oder Volksgarten.
Mittlerweile sind 19 solcher Metallhalterungen angebracht, erst im Juni kamen zwei neue Standorte dazu; Erweiterungen seien möglich, heißt es aus Linz.
Stadträtin Eva Schobesberger (Linz): "Die Pfandringe funktionieren so, wie wir es erhofft haben."
„Unsere Zwischenbilanz zeigt, die Pfandringe funktionieren so, wie wir es erhofft haben“, ist Umweltstadträtin Eva Schobesberger (Grüne) überzeugt. „Die Gebinde werden wie vorgesehen in den Ringen abgestellt und auch sehr rasch wieder entnommen.“ Bisher sei es weder zu Vandalismus noch Zweckentfremdung gekommen.
Die Vorgangsweise in Graz ist ähnlich. Im Juli 2025 startete die Holding Graz ein Pilotprojekt mit vier entsprechend ausgestatteten Mülleimern am Hauptbahnhof, mittlerweile wurden auch Mistkübel im Stadtpark mit den Halterungen ausgerüstet. „Jede Pfandflasche und jede Dose ist von Wert“, begründete Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) bei der Einführung. Die Pfandringe sollten helfen, dass Leergut nicht im Abfall lande. „Zudem schaffen wir einen sozialen Mehrwert.“
„Einfache Maßnahme mit Wirkung“
Auch Innsbruck startete im Vorjahr einen Testlauf. „Eine einfache Maßnahme mit mehrfacher Wirkung“, ließ Stadträtin Janine Bex damals wissen: „Sie hilft Menschen, die auf Pfandeinnahmen angewiesen sind, bringt wertvolle Rohstoffe zurück in den Kreislauf und reduziert Abfall.“
Wien entschied sich gegen Pfandringe. Eine Sprecherin der zuständigen Magistratsabteilung begründet das unter anderem damit, dass der „soziale Aspekt für bedürftige Menschen keineswegs treffsicher ist, jeder kann Flaschen entnehmen“. Außerdem gebe es ein hygienisches Problem, wenn etwa halb volle Becher abgestellt würden.
Private Initiativen im nicht öffentlichen Raum seien „von dieser Betrachtung“ ausgenommen, hieß es seitens der Stadt. Das meint etwa das Museumsquartier, das Pfandringe auf seinem Gelände anbrachte.
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