Was bringt das Einwegpfand? Zum Beispiel 80 Millionen Euro "Pfandschlupf"
„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir es gemeinsam geschafft haben, dass acht von zehn Gebinden den Weg zurück in den Kreislauf finden“, sagt Monika Fiala, Geschäftsführerin von EWP Recycling Pfand Österreich.
Sie zieht Bilanz über das erste Jahr nach Einführung des Einwegpfandes für PET-Flaschen und Aludosen. Das Ziel, das die Pfandverordnung vorsieht, war eine Sammelquote für Getränkeverpackungen aus PET und Aluminium von mindestens 80 Prozent. Dieses wurde mit einem Ergebnis von 81,5 Prozent übertroffen.
Zudem wurde die Recyclingquote erhöht und auch die Zustimmung bei den Konsumenten sei groß. Einer Umfrage zufolge befürworten drei Viertel der Österreicher das Pfandsystem.
Landwirtschaftsminister: Erfolg ist „kein Zufall“
Für Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ist es „kein Zufall“, dass die Bevölkerung das Einwegpfand gut angenommen hat. Dem vorangegangen sei eine rechtzeitige Vorbereitung. Für Getränkeproduzenten und Händler hätte die Umstellung einen großen finanziellen Aufwand bedeutet. Der Bund habe Händler und andere Stakeholder dabei unterstützt mit Förderungen von insgesamt 80 Millionen Euro für Rücknahmeautomaten und 60 Millionen Euro für Sortieranlagen.
Das Pfandsystem wurde eingeführt, um die Sammelziele der Europäischen Union zu erreichen. Vor Einführung lag die Quote bei Kunststoffflaschen und Aludosen bei 70 bis 77 Prozent. Mit den 80 Prozent, die im vergangenen Jahr erreicht werden mussten, ist es noch nicht getan. Im Jahr 2027 muss die Sammelquote auf 90 Prozent erhöht werden. Das will Fiala durch weitere Informationskampagnen für Konsumenten erreichen.
Strafzahlungen möglich, wenn Ziele nicht erreicht werden
Über die Konsequenzen, die folgen, wenn das Ziel nicht erreicht wird, macht sich Fiala aktuell keine Gedanken: „Mein Team und ich sind nicht angetreten, um Vorgaben nicht zu erfüllen. Wir werden alles daran setzen, sie zu erfüllen, und werden das schaffen.“ Sollten Ziele der EU aber nicht erreicht werden, „gibt es Strafzahlungen“, heißt es weiter von der EWP-Chefin.
18,5 Prozent der Pfandgebinde wurden 2025 nicht wieder zurückgegeben. Das Pfand in Höhe von 25 Cent pro Dose oder Flasche wurde nicht ausgezahlt. 80 Millionen Euro fielen so als sogenannter Pfandschlupf an. Das Geld werde zur Finanzierung des Pfandsystems genutzt, stellt Fiala klar. Wie hoch die Kosten für das Einwegpfand in Österreich genau sind, lässt die EWP–Geschäftsführerin offen.
Trotz der Erfolge bei Sammelzielen und Recyclingquote: Ganz reibungslos scheint das Pfandsystem noch nicht zu funktionieren. Vor allem die Rücknahme bereitet häufig Probleme. Auch den KURIER erreichten bereits Leser-Beschwerden über Pfandautomaten, die nicht funktionieren oder die Rücknahme einzelner Gebinde verweigern.
Monika Fiala, Geschäftsführerin von EWP Recycling Pfand Österreich
Händler sind zur Rücknahme verpflichtet
Dabei könne es sich nur um Automatenfehler handeln, die punktuell vorkommen können, heißt es von Rewe (Billa, Penny, Adeg) auf Nachfrage. Auch Fiala bestätigt: Die Pfandverordnung würde vorschreiben, dass Händler, die Dosen und PET-Flaschen verkaufen, diese auch wieder zurücknehmen müssen. Rückgabeautomaten müssen alle Pfandgebinde annehmen.
Nur für manuelle Rücknehmer gibt es eine Ausnahme. Diese müssen nur die Verpackungsgrößen annehmen, die sie auch selbst verkaufen. Insgesamt sei die Zahl der Beschwerden, die EWP Recycling Pfand Österreich erreichen rückläufig.
Fehlende Barrierefreiheit führt zu scharfer Kritik
Kritik an den Rückgabeautomaten gibt es auch vonseiten des Österreichischen Behindertenrats. Sie seien für „Personengruppen wie beispielsweise blinde und stark sehbehinderte Menschen, kleinwüchsige Personen, Rollstuhlnutzerinnen und Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten für die Nutzung der Hände nicht eigenständig“ zu verwenden, heißt es.
Fiala verweist darauf, dass bei der Umstellung vielfach auf „bereits vorhandene Infrastruktur“ (Mehrweg-Pfandautomaten) zurückgegriffen wurde. Der Behindertenrat fordert, Barrierefreiheit als Kriterium bei künftigen Zertifizierungen, „damit alle Menschen die Möglichkeit haben, ihr Pfand zurückzubekommen.“
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