Chronik | Österreich
21.11.2017

Perchten: Vorkehrungen in OÖ und Steiermark

In Oberösterreich und der Steiermark wird die Polizei bei Perchtenläufen zu Seite stehen, Sicherheitsvorkehrungen werden erhöht. "Aktion scharf" soll es aber keine geben.

Nach Zwischenfällen mit gewalttätigen Perchten sieht die steirische Exekutive keinen Anlass für eine "Aktion scharf". Man wolle zwar bei Krampus-Veranstaltungen sichtbar sein, vorrangig verantwortlich seien aber Sicherheitsdienste, die vom Veranstalter organisiert werden. Die Polizei schreitet ein, wenn es aus dem Ruder laufen sollte. Beim Grazer Perchtenlauf sind die Auflagen wie jedes Jahr hoch.

Jürgen Haas, Sprecher der steirischen Polizei, erklärte, dass alle Perchtenläufe bei den Gemeinden gemeldet werden müssen. Ab einer gewissen Größe kann die Behörde Auflagen erteilen. Die Beamten sind zwar über die Veranstaltungen informiert, haben jedoch nicht die Aufgabe, für Ordnung zu sorgen. Das müsse der Security-Dienst machen. Erst wenn es zu Delikten komme, sei die Polizei gefragt. Der Streifendienst werde dennoch als Prävention sichtbar sein - "wie jedes Jahr", so Haas zur APA.

Auflagen in Graz

Andreas Köhler, Leiter der Grazer Veranstaltungsbehörde, schilderte die hohen Auflagen für den Grazer Perchtenlauf, der am 3. Dezember in der Innenstadt stattfinden wird: "Wir sind seit Jahren technisch auf hohem Niveau und es hat in den vergangenen Jahren nie Probleme gegeben." Gewalttätige Übergriffe seien praktisch nicht möglich, denn die Perchten bekommen genaue Instruktionen und ein Ordnerdienst überwacht das Geschehen. Es herrscht ein absolutes Alkoholverbot bis zur Demaskierung und die teilnehmenden Maskenträger müssen Erklärungen unterschreiben und Haftungen übernehmen. "Wir wissen, welche Gruppen im Fall des Falles zur Verantwortung zu ziehen sind", versicherte Köhler.

Alko-Vortest seien seiner Ansicht nach nicht nötig: "Wir wollen es nicht auf die Spitze treiben." Sogar knapp vor dem Auftritt bekommen die Perchten laut Köhler noch ein Briefing, in dem ihnen nochmals ihre Verantwortung aufgezeigt wird. Das sei vor allem deshalb wichtig, weil oft auch noch sehr junge Perchtenläufer dabei seien. Seit mehreren Jahren funktioniere der Grazer Perchtenlauf ohne Probleme, davor hatte es auch ein paar Jahre eine Art freies Perchtentreiben in der Stadt gegeben, "aber das funktionierte nicht", so Köhler. Daher habe man wieder auf die vorgegebenen Gassen und abgesperrtes Gelände zurückgegriffen.

"Wir haben das Konzept Jahr für Jahr weiterentwickelt", meinte der Experte. Probleme, die es früher etwa auch am Ende der vorgegebenen Route gegeben hatte, wurden gelöst, indem den Perchten nun eine schmale Gasse als Rückzugs- und Erholungsort dient: "Dort können sie sich demaskieren und erfrischen, ehe sie in Begleitung von Ordnerdiensten zurück zu ihren Fahrzeugen gehen."

Oberösterreich: Bisher keine Zwischenfälle

In Oberösterreich gab es heuer bisher keine Zwischenfälle bei Perchtenläufen oder Krampusumzügen. "Körperverletzung und Sachbeschädigung fällt nicht unter Brauchtum und wird scharf geahndet", betonte Polizeisprecher David Furtner für die kommenden Veranstaltungen. Die ausführenden Vereine pochen auf Eigenverantwortung, wie ein Rundruf der APA ergab.

Polizeisprecher David Furtner betonte, dass jede Veranstaltung an sich bewertet werde und die Polizei partnerschaftlich zur Seite stehe. Bei größeren Aufläufen wie am Linzer Hauptplatz oder in der Landstraße sei die Exekutive ohnehin immer dabei, da es auch verkehrstechnisch erforderlich sei. "Wer einen Krampus attackiert, macht sich genauso strafbar wie ein Krampus, der jemanden angreift", gab Furtner zu bedenken.

Grundsätzlich haben Krampusumzüge im Land eine längere Tradition als Perchtenläufe. Die Kremstaler Perchten sind für ihre bis zu 40 Jahren alten Masken aus dem Gasteinertal bekannt. Sie sind in Linz, Wels und Umgebung im Einsatz, aber auch bei einer großen Krampus Show in Kaplice (Tschechien). Obmann Erwin Baumgartner sieht keine Notwendigkeit für Alko-Tests oder dergleichen "weil ich meine Burschen gut im Griff habe". Die Kollegen seien alle im gestandenen Alter und "wissen, was sich gehört". Wenn er selber größere Läufe veranstaltet "nehme ich nur Gruppen, die ich kenne". Problematisch seien die Jungen, "die belohnen sich gern", aber das müsse dann der Obmann regeln, so Baumgartner.

"Tradition soll nicht beschädigt werden"

Genauso sieht das Andreas Kislinger aus St. Roman im Innviertel. Er verantwortet derzeit den dortigen Midloan-Brauch, bei dem Krampusse und Haberngoaß sowie Tod und sogenannte Weiße den Nikolaus in die Häuser und durch den Ort begleiten, allesamt unverheiratete Burschen unter 30 Jahren. Beim Anziehen der Kostüme trinke man vielleicht ein Bier, aber danach nichts mehr bis zum Schluss. Es herrsche viel Vertrauen untereinander, und wenn es notwendig sei, auch wenn ein Mitglied zu grob agiere, dann sage er eben etwas. Die Tradition solle schließlich nicht beschädigt werden, denn der Brauch ist uralt, wurde auch während der Kriege - mit Unterstützung von Frauen - aufrechterhalten.

Beim Windischgarstner Niglo-Umzug, der 2011 in die Liste der Immateriellen Kulturgüter der Unesco aufgenommen wurde, habe es noch nie einen derartigen Zwischenfall gegeben, sagte der Obmann des Heimatvereines, Jörg Strohmann. "Wir kennen einander und machen die Leute aufmerksam, dass sie nicht wild herumschlagen dürfen." Man versuche, das Gute in den Mittelpunkt zu stellen.

Auch gegenüber kleinen Kindern wisse man sich zu benehmen - "da geht eben nur ein Krampus mit", sagte Kislinger, und der verhalte sich ruhig. Baumgartner berichtete, dass die Perchten vor den Kindern in die Knie gehen und ihnen die Hand reichen, um die Angst zu nehmen. Im Gegenteil sei es schon einmal vorgekommen, dass ein Passant das Kostüm eines Kramperls anzünden wollte, als er kniete, - da sei Baumgartner eingeschritten. In voller Montur tragen die Kremstaler Perchten 40 bis 50 Kilo mit sich herum. "Ich gehe auf Stelzen und bin fast vier Meter hoch, da wäre Bier nicht das richtige", schmunzelte Baumgartner, obwohl "natürlich wird bei uns auch was getrunken, ein, zwei Bier, dann ist es genug".