Chronik | Niederösterreich
17.11.2017

Der Maskenmacher

Kramperl und Perchten in ganz Österreich tragen die Masken von Markus Pitterle.

Seit sieben Uhr in der Früh steht Markus Pitterle schon an der Werkbank in Niederndorf (Bezirk Melk). Der Geruch von Zirbenholz vermischt sich mit dem Rauch der Zigarette, die er sich gerade angezündet hat. Heavy Metal tönt lautstark aus Musikboxen, die – wie alles hier – von einer Schicht Holzspäne bedeckt sind. Auf der Werkbank klemmt eine Holzmaske mit düsteren Gesichtszügen.

Pitterle schnitzt seine Krampus- und Perchtenmasken aus einem einzigen Stück Holz. Er verwendet traditionsgemäß Zirben, die Baumstämme liegen draußen im Garten. Bevor er mit dem Schnitzen beginnt, schneidet er mit der Motorsäge grob die Konturen des Kopfes heraus, danach werden die verwendeten Messer immer kleiner und Details kommen zum Vorschein: Augenringe, Wangenknochen, Lachfalten. Müll wird dabei keiner produziert, die Holzreste verheizt Pitterle. Zum Schluss verleiht er den Masken noch Farbe, auf Kundenwunsch setzt er ihnen Tierhörner auf. Rund 20 Stunden wendet Markus Pitterle für eine Maske auf.

Der 23-Jährige ist einer von rund 50 hauptberuflichen Maskenschnitzern in Österreich. Seine Perchten- und Krampusmasken verkauft er im ganzen Land. Das „war so nicht geplant“, erzählt er. Schon immer sei er von den Fratzen der Kramperl fasziniert gewesen. Während sich andere Kinder vor Schreck ans Bein der Mutter klammerten, sah Pitterle genau hin und begann, die Masken aus Pappmasche nachzubilden. Später trat er einem Krampusverein bei, kaufte sich seine erste eigene Maske. „Die hab’ ich angesehen und gedacht: Das kann doch nicht so schwierig sein.“

Erste Erfolge

Als Niederndorf vor ein paar Jahren vom Hochwasser betroffen war, kam eine St. Pöltener Firma, um die Kellerwände trockenzulegen. Die Männer sahen seine Schnitzversuche und wollten prompt Masken für den eigenen Krampusverein haben: Der erste von vielen Aufträgen. Seinen eigentlichen Beruf als Zimmerer musste Pitterle später kündigen: „Dafür hatte ich keine Zeit mehr“. Heute genießt der Maskenkünstler seine Freiheiten. „Mein Hobby ist mein Beruf, das ist ein Geschenk“, sagt der 23-Jährige. Er sucht sich Aufträge aus. Denn der Schnitzer hat Prinzipien: „Ganz wilde Sachen wie etwa Aliens mach’ ich nicht.“

Pitterle wird heute noch bis spät am Abend an der Werkbank stehen. Die Maske, an der er schnitzt, ist Teil einer Gruppe, die noch in letzter Sekunde für einen Lauf geliefert werden soll. „Heute wird sie fertig“, sagt Pitterle – und zückt das Messer.