Pensionist baute Cannabis an: "Gegen Schmerzen"

APA/DPA/DANIEL KARMANNAPA3041719-2 - 22102010 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA 317 CI - Illtion zur Freigabe von Cannabis in Kalifornifornien - Ein Marihuana Joint wird gerollt (Archivbild 30.11. 2006).  Am 2. November geht es in Kalifornien um harte Dollars.
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Wilhelm Wallner wollte weg vom Morphium. Am Montag musste er deshalb vor Gericht.

Da verschlug es sogar dem Richter die Sprache. „Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll“, erklärte Vorsitzender Roland Finster am Salzburger Landesgericht. Vor ihm saß Wilhelm Wallner aus Henndorf am Wallersee, 54 Jahr alt, unbescholten, gelernter Tischler, zweifacher Vater und dreifacher Opa – und angeklagt wegen der Erzeugung und des Besitzes von Cannabis.

„Unschuldig“, sagte Wallner. Wobei er zugab, insgesamt 71 Hanfpflanzen in seinem Haus angebaut zu haben. Daraus hatte er auch nie ein Geheimnis gemacht; „alle haben davon gewusst, meine Familie, meine Freunde, selbst die Eltern meiner Freundin“, teilte Wallner mit. Doch nicht, um high zu werden, sondern nur aus medizinischen Gründen. „Zur Schmerzbekämpfung.“

Im Jahr 2004 erlitt der Henndorfer einen Arbeitsunfall, daraufhin schickte man ihn in Invaliditätspension und verschrieb ihm gegen die Schmerzen Morphium. Sechs Jahre lang schluckte Wallner das Gift. „Das Morphium frisst einen innerlich auf. Das ist Selbstmord auf Raten, das geht auf Magen und Leber und verändert die Psyche. Ich war total abhängig, voll high, konnte Gesprächen nicht mehr folgen.“

Im Internet suchte Wallner 2009 nach Alternativen und kam auf die Wirkung der Hanfpflanze. „Daraufhin habe ich beschlossen, mir meine Medizin selbst anzubauen – obwohl es verboten ist.“ Er fuhr nach Wien, kaufte Pflanzen, besorgte Lampen, Ventilatoren und Messgeräte und richtete sich daheim eine kleine Plantage ein. Aus drei bis fünf Gramm Marihuana kochte er sich täglich drei Liter Tee, die er über den Tag verteilt trank.

„Kriminalisiert“

„Mir hat’s super geholfen. Die Depressionen waren weg, die Schmerzen gelindert“, erzählte Wallner. Bis im Oktober 2012 erstmals die Polizei vor der Türe stand und ihm die Pflanzen zerstörte.

„Ich fühle mich im Recht, ich werde kriminalisiert“, sagte Wallner am Montag vor Gericht. Er präsentierte ein Schreiben seines Arztes, darin steht: Selbstmedikation durch Marihuana-Präparate medizinisch empfohlen, mit drei Rufzeichen versehen.

Richter Finster zeigte Verständnis für den 54-Jährigen und stellte das Verfahren (vorläufig) ein. „Werden Sie aber in den nächsten zwei Jahren wieder erwischt, gibt’s eine Verurteilung.“

(kurier) Erstellt am
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