Durch den Brexit soll es zu keinen Engpässen kommen

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Chronik Österreich
10/18/2021

Panne bei Apotheken-Software sorgt für Empörung

Falsche Arzneimittel-Dosierung angezeigt. Übereilte Einführung des E-Rezepts mitverantwortlich?

von Josef Gebhard

Elektronische Systeme sollten eigentlich dafür sorgen, dass Fehler bei der Abgabe von Arzneien an Patienten vermieden werden. Aufgrund einer Software-Panne, die zuletzt in Apotheken in ganz Österreich aufgetreten ist, ist jedoch genau das Gegenteil der Fall.

Betroffen sind 33 der bundesweit 1.400 Standorte, bei denen alle dasselbe Software-Produkt eines bestimmten Herstellers im Einsatz ist. Aufgrund des Fehlers kam es dort zu einer von der ärztlichen Verordnung abweichenden Anzeige von Dosierungsinformationen, heißt es bei der Apothekerkammer.

Wenn zum Beispiel der Arzt die Einnahme einmal täglich morgens anordnete, wurde daraus aufgrund der Panne die Dosierung „zwei Mal täglich“. Betroffen sind nach derzeitigem Stand rund 3.000 Rezepte und 1.000 Patienten. Die Apotheken stünden bereits im Kontakt mit den Betroffenen bzw. deren Ärzten, heißt es bei der Standesvertretung.

Von einer „gefährlichen Falschdosierung“ in 60 Fällen spricht der steirische Ärztekammer-Vizepräsident Dietmar Bayer in der Kronen Zeitung. Man hoffe, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Laut Apothekerkammer sei aber kein Fall bekannt, bei dem die falsch angezeigte Empfehlung tatsächlich an den Patienten weitergegeben worden sei.

Hintergründe noch offen

Inzwischen wurden bereits Gesundheitsministerium, die betroffene Software-Firma und der Dachverband der Sozialversicherungsträger informiert, um den Fehler umfassend aufzuklären. Denn aktuell ist nicht einmal klar, seit wann er besteht. Erstmals aufgefallen ist das Problem vor einigen Wochen, als eine Apothekerin beim Einlösen eines Rezepts bemerkte, dass die Einnahmeempfehlung nach pharmazeutischem Wissensstand nicht korrekt sei. Sie stimmte sich dann mit den verschreibenden Arzt aus.

Das verantwortliche Software-Unternehmen, M-Computer GmbH, gibt an, am 24. September erstmals informiert worden zu sein. Bereits am 27. September habe man das Problem bei allen betroffenen Apotheken behoben, betonte man am Montag. Alle möglichen betroffenen Patienten seien informiert worden.

Diskutiert wird nun, was der Auslöser des Problems war. Branchenkenner vermuten gegenüber dem KURIER, dass es im Praxisbetrieb der Software zu einer kritischen Datenkonstellation gekommen sein könnte, an die im Testbetrieb nicht gedacht worden sei.

Fehlerquelle Telefon-Rezept

Ein weiterer Faktor dürfte die Corona-Pandemie sein: Als vor etwas mehr als zwei Jahren die eMedikation eingeführt wurde, wurde zunächst noch das beim Arzt ausgedruckte Rezept als eine Art Sicherheitsanker beibehalten. Anhand des Dokuments wäre dem Apotheker sofort aufgefallen, wenn die von Arzt elektronisch übermittelten Daten durch die Apotheken-Software verändert worden wären.

Früher als geplant und ohne noch ein alternatives Sicherheitssystem entwickelt zu haben, wurde allerdings mit der pandemiebedingten Einführung der telefonischen Verschreibung auf das Papier-Rezept verzichtet. Auch bei der Software-Firma weist man auf die „übereilte Einführung des E-Rezepts im Zuge der Covid-Pandemie“ hin.

Nichts zu tun habe der Fehler mit der elektronischen Gesundheitsakte ELGA, wird von allen Seiten betont. Vielmehr handle es sich bei der Software um eine dezentrale Schnittstelle zu ELGA. Welches Produkt der Apotheker dafür anschafft, ist ihm selbst überlassen. Das gilt aber auch für Ordinationen und Spitäler.

Im Gesundheitsministerium betont man, dass die zuständigen Stellen schon mit der Aufklärung der Panne beschäftigt seien.

Scharfe Kritik kommt von der Ärztekammer: „Es darf nicht sein, dass es wie im konkreten Fall vom Zufall abhängt, dass solche Fehler gefunden werden“, sagt Vizepräsident Johannes Steinhart zum KURIER. „Man wird in den Systemen das notwendige Qualitätsmanagement implementieren müssen.“

Steinhart geht davon aus, dass die betroffenen Apotheken haftbar seien, sollte durch die Panne tatsächlich ein Patient zu Schaden gekommen sein.

Appell an Patienten

Auch Wiens Patientenanwältin Sigrid Pilz plädiert nun für die Entwicklung von Qualitätsstandards für die dezentralen Software-Programme.

Sie betont, dass die Probleme nicht das zentrale ELGA-System betreffen würden, das sich bis dato als sehr zuverlässig erwiesen habe. „Ich appelliere daher an die Patienten, nicht aufgrund der Probleme in den Apotheken aus ELGA auszusteigen.“

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