Augarten

© Kurier / Gerhard Deutsch

Chronik Österreich
10/31/2021

Die Corona-Wellen im Vergleich: Ein Winter wie damals?

Neuinfektions-Zahlen und Intensivbetten-Auslastung erinnern an den November vergangenen Jahres. Was damals folgte: Ein monatelanger Lockdown. Was ist diesmal anders?

von Karl Oberascher

Österreich ist zurück im Corona-Krisenmodus. Innerhalb von weniger als zwei Wochen hat sich die 7-Tages-Inzidenz auf inzwischen 340 verdoppelt, der Samstags-Wert von 6.102 Neuinfektionen war der höchste seit Jahresbeginn – und lässt Erinnerungen an den November 2020 wach werden. 

Bei den Neuinfektionen, verläuft die Entwicklung tatsächlich parallel zum November vergangenen Jahres, liegt sogar leicht über dem damaligen Niveau (siehe Grafik unten).

Das Ergebnis damals: Ab dem 3. November 2020 wurde der sogenannte "Lockdown light" verhängt - die täglichen Neuinfektionszahlen sollten noch auf knapp 10.000 steigen, ehe sie ab dem 12. November dann wieder langsam rückläufig waren. Der Lockdown blieb den Österreichern aber noch länger erhalten - ab dem 12. Dezember sogar in verschärfter Form. Erst im Februar konnten Handel und Gastronomie wieder aufsperren.

Und diesmal? 

Diesmal gibt es - immerhin - einen Stufenplan, der auf die Auslastung auf den Intensivstationen abstellt - und vor allem: die Impfung. 

Österreich liegt aktuell bei einer Durchimpfungsrate von rund 64 Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Bei der impfbaren Bevölkerung über zwölf Jahren liegt der Anteil bei 74 Prozent. 

Ungeimpfte besonders betroffen

90 Prozent aller symptomatischen Covid-Fälle sind aktuell bei Ungeimpften zu beobachten. Laut aktueller Auswertung der AGES liegt die 7-Tages-Inzidenz unter Ungeimpften zwischen 18 und 59 Jahren aktuell bei 650, bei Geimpften knapp über 150. 

Und auch die Intensivstationen sind vorwiegend mit ungeimpften oder immunsupprimierten Patienten belegt. Wobei dort auch zusehends ältere, früh geimpfte Patienten aufgrund der nachlassenden Impfwirkung landen. Pharmakologe Markus Zeitlinger, MedUni Wien plädierte im KURIER deshalb jüngst dafür, die dritte Impfung generell auf sechs Monate nach der zweiten vorzuziehen. 

Insgesamt betrachtet verläuft aber auch die Entwicklung auf den Intensivstationen parallel zum vergangenen Jahr (siehe Grafik unten) - vom damaligen Höhepunkt mit 615 belegten Betten ist man aktuell aber noch weit entfernt. 273 Covid-Patienten liegen - Stand Samstag - auf einer Intensivstation. Dass die an den Belag der Intensivbetten gekoppelten bundesweiten Verschärfungen der Stufe 2 in Kraft treten, ist also nur eine Frage von Tagen.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein geht überhaupt davon aus, dass bereits Ende nächster Woche der Wert von 400 Intensivbetten erreicht sein wird. Ab da tritt bereits Stufe 3 in Kraft und die 2,5-G-Regel (geimpft, genesen oder PCR-getestet) ersetzt die bisher bekannte 3-G-Regel - sprich: Antigen-Schnelltests sind dann nicht mehr als Eintrittsticket in die Gastronomie, Hotellerie oder Freizeiteinrichtungen gültig.

Angesichts dieser Zahlen zogen in den vergangenen Tagen zahlreiche Bundesländer die geplanten Verschärfungen vor. Zuletzt wurde in Niederösterreich 2G in der Nachtgastronomie und eine erweiterte FFP2-Maskenpflicht beschlossen.

Um die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen einschätzen zu können: Rund 0,75 Prozent der Infizierten landet laut Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub in Wien derzeit auch im Spital. „Im September hat man damit gerechnet, dass ungefähr ein Prozent der positiv Getesteten auf der Intensivstation landet. In den letzten Wochen haben wir gesehen, dass das nicht mehr ganz hinkommt. Wir sind jetzt eher bei drei Viertel dieses Wertes, also umgerechnet gegenwärtig etwa 30 Personen pro Tag“, erklärte Klimek zuletzt im KURIER. 

Lockdown für Ungeimpfte

Wohin geht also die aktuelle Welle? Einig sind sich die Experten, dass es zu einem deutlichen Anstieg auf den Intensivstationen kommen wird. Das Covid-Prognosekonsortium geht davon aus, dass in zwei Wochen zwischen 300 und 435 stationär aufgenommene Covid-19-Patienten und intensivmedizinisch betreut werden müssen. Auf Normalstationen werden am 11. November zwischen 1.149 und 2.148 Patientinnen und Patienten erwartet.

Diese Entwicklung könnte in einzelnen Bundesländern dazu führen, dass der Covid-19-Belag auf Intensivstationen am Donnerstag in zwei Wochen die kritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent übersteigt. Der aktuellen Einschätzung der Experten zufolge liegt diese Wahrscheinlichkeit in Vorarlberg bei 35 Prozent, in Wien bei 15 Prozent und im Burgenland bei zehn Prozent.

Wenn schon die Zahlen auf den Intensivstationen und in Sachen Neuinfektionen parallel zum vergangenen Herbst verlaufen bleibt die Frage, ob uns dann nicht auch noch ein ein neuerlicher Winter-Lockdown droht.

"Das Ziel der Maßnahmen ist es, ohne Schließungen durch Herbst und Winter zu kommen und alles offenzuhalten", heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium. Und es sei klar kommuniziert, dass bei 600 Covid-Intensivpatienten Ausgangsbeschränkungen nur für Ungeimpfte kommen. Dennoch: Zumindest ein (Teil-)-Lockdown rückt infolge des Stufenplanes näher.

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