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Chronik Österreich
10/29/2021

Woher kommt der aktuelle Anstieg der Zahlen - und wohin führt er?

"Die Prognose ist zumindest besser als letztes Jahr um diese Zeit", sagt Komplexitätsforscher Klimek.

Es sind Zahlen, die man längst überwunden geglaubt hatte. 5.861 neue Corona-Fälle vermeldeten die Behörden am Freitag, die 7-Tages-Inzidenz kletterte auf 314,22.

Trotz Impfung.

Trotz Verschärfungen in Wien, Oberösterreich - und Salzburg. Tirol und die Steiermark werden ab 8. November nachziehen. 

Ähnlich viele Fälle hat es zuletzt vor ziemlich genau einem Jahr - in der zweiten Welle im November 2020 - gegeben. Damals harrte das ganze Land der Impfung. Jetzt liegt Österreich bei einer Durchimpfungsrate von knapp 64 Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Bei der impfbaren Bevölkerung über zwölf Jahren liegt der Anteil bei 74,4 Prozent. 

Woher kommt also der aktuelle Anstieg - und wohin führt er vielleicht sogar noch? 

Zunächst zum Anstieg. Am stärksten betroffen ist aktuell Oberösterreich mit einer 7-Tage-Inzidenz von 464. Angesichts der in die Höhe schnellenden Infektionszahlen wurde deshalb am Freitag auch bereits die Intensivbetten-Kapazität ausgebaut.

Salzburg folgt mit einer Inzidenz von 452. Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt aktuell Wien mit 195 neuen Fällen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen. 

Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) führt im Standard auch die deutlich gesunkenen Temperaturen als Faktor an. "Die Temperaturen sind jetzt deutlich gesunken, die Menschen sind wieder mehr in Innenräumen, da macht sich der saisonale Effekt richtig bemerkbar", sagt Czypionka.

Dass aktuell auch ein deutlicher Anstieg bei grippalen Infekten und anderen Infektionen, die vergangenen Herbst beinahe komplett ausgeblieben sind, festzustellen ist, ist für Czypionka auch ein Indiz dafür, dass Kontaktbeschränkungen im Vergleich zum Vorjahr generell weniger streng eingehalten werden. Außerdem herrsche inzwischen die Delta-Variante und nicht mehr der deutlich weniger infektiöse Wildtyp vor. 

Trotzdem rechnet Czypionka nicht damit, dass die Zahlen komplett explodieren: "Das ist noch kein exponentieller Anstieg, ich würde eher sagen, das sind Ausreißer mit steigender Tendenz.

Auf den Intensivstationen - für etwaige weitere Maßnahmen gilt die Belegung inzwischen ja als entscheidender Faktor - ist die Situation trotz steigender Zahlen insgesamt übrigens tatsächlich entspannter als im Herbst 2020. Vom Höhepunkt mit 615 belegten Betten ist man noch immer weiter entfernt. Auch wenn mit 280 Intensivpatienten die nächste Stufe im Corona-Plan der Regierung (ab 300 mit Coronapatienten belegten Betten) gefährlich nahe kommt. 

90 Prozent aller symptomatischen Erkrankungen bei Ungeimpften

Klar ist: Laut Daten der AGES treten 90 Prozent aller symptomatischen Erkrankungen in der Gruppe der ungeimpften Bevölkerung auf. 

Die Daten würden eindeutig zeigen, dass "die Impfung zwar kein Totalschutz ist, aber sie bremst alles ein: sowohl die Weitergabe einer Infektion als auch das Erkrankungsrisiko und besonders auch das Risiko schwer zu erkranken", betont Statistiker Erich Neuwirth gegenüber dem KURIER.

Um die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen einschätzen zu können: Rund 0,75 Prozent der Infizierten landet laut Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub in Wien derzeit auch im Spital. „Im September hat man damit gerechnet, dass ungefähr ein Prozent der positiv Getesteten auf der Intensivstation landet. In den letzten Wochen haben wir gesehen, dass das nicht mehr ganz hinkommt. Wir sind jetzt eher bei drei Viertel dieses Wertes, also umgerechnet gegenwärtig etwa 30 Personen pro Tag“, erklärte Klimek zuletzt im KURIER. 

Immerhin: "Die Prognose ist zumindest besser als letztes Jahr um diese Zeit", sagt Klimek. 

Vergangenes Jahr war der November erst der Auftakt der dritten Welle. Zwei Wochen dauerte damals der Sprung von durchschnittlich 5.086 Neuinfektionen am 4. November auf 7.464 am 13. November. 

Aktuelle Zahlen aus den Bundesländern

  • Burgenland: 102
  • Kärnten: 260
  • Niederösterreich: 1.273
  • Oberösterreich: 1.469
  • Salzburg: 562
  • Steiermark: 685
  • Tirol: 357
  • Vorarlberg: 289
  • Wien: 864

Die sogenannte Inzidenz gilt als wichtiger Richtwert in der Pandemiebekämpfung. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner an. Die 14-Tages-Inzidenz wird herangezogen, um langfristige Tendenzen besser darstellen zu können.

In Deutschland etwa liegt die zulässige Obergrenze bisher bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. In Österreich ist eine solche Grenze nicht genau definiert. In der Corona-Ampel wird eine Region auf Rot gestellt, wenn es eien "hohe kumulative 7-Tages-Inzidenz relativ zur Bevölkerungsgröße" gibt. 

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