© Kurier/Juerg Christandl

Reportage
08/06/2020

Straches Nachbarn: "Will nicht wissen, wo Strache wohnt"

Die Bewohner von Weidling sind nur mäßig stolz auf ihren prominenten Nachbarn.

von Josef Gebhard

„Raucher sterben nicht an Krebs, sondern erfrieren“, steht am Eingang des Erdberger Beisls, darunter übergroße Aschenbecher für nikotinsüchtige Gäste. Ein Arrangement, das auch einem prominenten Grätzl-Bewohner gefallen könnte, der zumindest seit März einige Ecken weiter sein Domizil aufgeschlagen haben soll: Heinz-Christian Strache. Der Ex-FPÖ-Chef muss nach einer Anzeige beweisen, dass er zu Recht hier hauptgemeldet und nicht ein Klosterneuburger ist. Gelingt ihm das nicht, darf er nicht bei der Wien-Wahl im Oktober antreten.

Der KURIER hat sich mit der Nachbarschaft des Team-HC-Obmannes unterhalten. Und die Freude über den Nachbarn hält sich in Grenzen.

Es ist nicht die nobelste Gegend der Stadt, in der Strache seinen Lebensmittelpunkt haben soll, seit seine Mutter in ein Seniorenheim gezogen ist, wie man beim Team HC seit Wochen betont. Migrantisch geprägt, dominieren eher schlichte Lokale und Geschäfte das Bild der Straßen.

Zum bekannten Nachbarn können oder wollen hier nur wenige Auskunft geben. Was aber im anonymen Großstadt-Gewühl nicht sonderlich verwundert.

Einzelne wollen Strache aber doch wahrgenommen haben: „Ich wohne seit über 15 Jahren in der Nähe seiner Wohnung“, schildert ein Nachbar, der anonym bleiben will. „Ich habe ihn in den letzten zehn, 15 Jahren immer wieder gesehen, als er seine Mutter besucht hat. Auch in den vergangenen Wochen hab ich ihn öfters gesehen, zum Beispiel beim Lüften“, sagt der Mann.

Schauplatzwechsel: Etwa zwölf Kilometer entfernt, bereits in Niederösterreich, liegt Weidling bei Klosterneuburg. 3.300 Einwohner, Begräbnisstätte von Cajetan Felder. Den ehemaligen Wiener Bürgermeister (von 1868 bis 1878) nennt Strache gerne als Vorbild, wenn es um seine politischen Ambitionen im Rathaus geht.

Ob er deswegen hier, in einer ruhigen, grünen Villengegend auf einer Anhöhe, sein (angeblich nur) zweites Domizil hat, bleibt dahingestellt.

Jedenfalls scheint er unter den hiesigen Nachbarn deutlich mehr Eindruck zu hinterlassen als in Wien-Erdberg: „Früher hab ich ihn öfter gesehen, man hat sich gegrüßt. Ich habe schon das Gefühl, dass er hier seinen Lebensmittelpunkt hat“, schildert eine Anrainerin. „Seit die Debatte um seinen Wohnsitz losgegangen ist, ist das anders. Mir kommt vor, dass er die Autos woanders abstellt.“

Wahlberechtigte
An der Gemeinderatswahl teilnehmen dürfen alle Österreicher, die am Stichtag 14. Juli 2020 ihren Hauptwohnsitz in Wien hatten. Dies gilt auch für das passive Wahlrecht – also für Personen, die für den Gemeinderat kandidieren wollen

Berichtigungen
Sollte jemand zu Unrecht auf dem Wählerverzeichnis stehen oder irrtümlich fehlen, besteht noch bis 13. August die Möglichkeit, einen Berichtigungsantrag zu stellen (dies ist schriftlich oder mündlich möglich), über den dann die jeweilige Bezirkswahlbehörde entscheiden muss 

Wenig stolz

Allzu stolz ist sie aber nicht auf ihren Nachbarn: „Nach allem, was war, hoffe ich nicht, dass er bei der Wien-Wahl was reißt.“

Ähnliche Eindrücke hat auch ein Weidlinger, der weiter unten im Ortszentrum lebt. „Ein Freund von mir hat einen Garten in der Nähe von Straches Haus. Der sieht ihn und seine Frau fast jeden Tag“, erzählt der Mann dem KURIER. „Die Behauptung, dass Strache ein Wiener ist, können Sie vergessen“, sagt der Anrainer, der nicht wie ein Strache-Fan wirkt. Selbst habe er ihn nur öfters mit dem Auto vorbeifahren gesehen, „mitsamt seinen Bodyguards“.

Nur wenige Details zu ihrem prominenten Nachbarn weiß eine Frau zu erzählen, die ebenfalls hier wohnt: „Ich habe zwar gehört, dass Strache hier irgendwo wohnt, weiß aber nicht, wo genau“, sagt sie. „Ich will das aber auch gar nicht wissen. Denn dann würde mir erst so richtig bewusst werden, dass er tatsächlich hier lebt.“

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