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Politik Inland
08/04/2020

Straches Spesenaffäre: Brisante neue Aussagen eines Ex-Bodyguards

Drei Leibwächter belasten mittlerweile den Ex-FPÖ-Chef schwer. In neuen Protokollen berichtet Bodyguard Michael N. von einem Rucksack mit 250.000 Euro im Parlamentssafe.

von Ida Metzger

Auch Bodyguards besitzen einen Ehrenkodex. Dieses Faktum scheint Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache unterschätzt zu haben – mehr noch, es könnte ihm zum Verhängnis werden. War es anfangs nur ein Bodyguard, der Strache in der Spesenaffäre schwer belastete, sind es mittlerweile drei ehemalige Leibwächter, die vor den Ermittlern gegen den ehemaligen Vizekanzler ausgesagt haben.

Das Motiv, das sie antreibt, ist stets ähnlich: Oliver R. nahm Rache, weil Strache ihn menschlich enttäuscht hatte. Er lieferte Informationen an die Hintermänner des Ibiza-Videos und dann an die Polizei und deckte somit das vermeintliche Spesenkarussell auf. Straches jahrelange Schattenmänner avancieren mehr und mehr zu den Kronzeugen der Anklagebehörde.

So auch im Fall von Michael N. Er marschiert am 9. Dezember 2019 zur Polizei (die Protokolle liegen dem KURIER vor). Fünf Jahre lang war er für die FPÖ als Sicherheitsmann engagiert.

Als Grund für seine Aussage nennt er Straches Strategie, die Schuld in der Spesenaffäre auf seine ehemalige Sekretärin und den Sicherheitsmann Oliver R. „abzuwälzen“. Dadurch sah sich Michael N. „genötigt, diese zu schützen“. Über 90 Minuten schildert er vor der Polizei, wie Strache die Spesenaffäre samt Scheinrechnungen organisiert habe.

Die Details seiner Aussage sind pikant. Schon im Jahr 2010 sei er „von Strache zur Umwandlung von Rechnungen aufgefordert worden“. Mitgeholfen habe er bei diesen illegalen Aktionen nie. „Für mich war stets merkwürdig, dass es für Herrn Strache keinen Unterschied zwischen privaten und Ausgaben für politische Parteitätigkeiten gab“, sagt N.

Mehrfach machte der Personenschützer den Parteichef darauf aufmerksam, dass dieses Vorgehen illegal sei, aber ohne Wirkung. Korrektiv innerhalb der Partei gab es keines, heißt es im Protokoll.

250.000-Euro-Rucksack

Einmal, nämlich im Jahr 2013, habe er eine Rechnung für den Kauf einer Markise über 5.330 Euro für den Parteichef begleichen müssen. Für Geldbotenaufträge wie diese hatte Strache einen „Rucksack mit Bargeld in seinem Parlamentssafe“, schildert der Bodyguard.

Das war aber nicht das einzige Mal, dass dem Personenschützer Strache und sein ominöser Geldrucksack auffielen. „Einmal kam er mit diesem aus seinem Haus in Klosterneuburg und sperrte diesen später in den Parlamentssafe“, so Michael N.

In einem Gespräch, das Strache hinter einer verschlossenen Tür führte, hörte der Bodyguard „etwas von 250.000 Euro, und es fiel seitens Strache der Name Schellenbacher“, ist im Polizeiprotokoll nachzulesen.

Im Juli 2013 präsentierte Strache überraschend den niederösterreichischen Unternehmer Thomas Schellenbacher als Kandidaten der FPÖ bei der nächsten Nationalratswahl. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dieser Causa wegen Mandatskaufs: Angeblich sollen ukrainische Oligarchen an Strache persönlich dafür zwei Millionen Euro gezahlt haben.

Aber nicht alles lief rund im System Strache: Probleme gab es mit den Scheinrechnungen zu Weihnachten. Strache beauftragte seine engste Mitarbeiterin mit dem Einkauf der Geschenke. „Ich habe von Frau S. gehört, dass […] die Abrechnung dann stets ein Problem war.“

Wütender Strache

Ärger bereitete einmal im Jahr ein Finanztreffen mit der Parteispitze und dem Steuerberater. Nicht alles, was Strache der Partei als Spesen unterjubeln wollte, ging offenbar durch.

„Frau S. erzählte mehrfach, dass Herr Strache danach wütend war, da er teils hohe Rückzahlungen an die Partei leisten musste“, erzählt Bodyguard Oliver R., der die Lawine ins Rollen brachte, bei seiner Einvernahme am 9. Dezember 2019.

Der langjährige Vertraute von Strache behauptet auch, dass Strache die Luxus-Boutique seiner Ex-Freundin in der Wiener Innenstadt finanziert habe und stiller Teilhaber gewesen sei.

Strache bestreitet alle Vorwürfe. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

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