Im Heim im Schloss Wilhelminenberg kam es zu Gewalt und Missbrauch.

© stephan boroviczeny

Interview
11/07/2019

Missbrauchsopfer: "Der Bericht kann kein Abschluss sein"

Mit dem Bericht des Weissen Rings soll ein dunkles Kapitel der Stadt Wien abgeschlossen werden. Dagegen wehrt sich ein ehemaliges Heimkind.

von Katharina Zach

Sechs Monate war Romana Schwab alt, als sie das erste Mal ins Kinderheim kam. Für sie und später ihre jüngeren vier Geschwister folgte ein Leben zwischen Heim und Eltern, voller Gewalt und Missbrauch. Schwab ist eines jener ehemaligen Heimkinder, die ab 2010 nach langem Schweigen ihre Erfahrungen öffentlich gemacht haben.

Im Gegensatz zu vielen anderen hat die 61-Jährige ihr Leben in den Griff gekriegt. Mit ihrer Familie lebt sie in Niederösterreich. „Heute geht es mir gut“, sagt sie. Als Obfrau des Vereins „Ehemalige Heim- und Pflegekinder Österreich“ engagierte sie sich für die Durchsetzung der Heimopferrente. Von der Stadt Wien ist sie enttäuscht.

KURIER: Die schwierigste Frage zu Beginn: Können Sie uns von Ihren Gewalterfahrungen erzählen?

Romana Schwab: Natürlich, das war damals gang und gäbe. Sie haben versucht, die Kinder zu brechen. Die wollten sich Sklaven erziehen, die nicht aufmucken. Ein Heimleiter zum Beispiel, hat wahnsinnig gerne Kopfnüsse ausgeteilt. Er hat die letzten zwei Schulstufen unterrichtet, und wenn du an der Tafel gestanden bist und etwas nicht gewusst hast, hast du schon eine g’habt. Da bist’ gleich mit dem Kopf gegen die Tafel geknallt. Und man wurde im Kartoffelkeller eingesperrt, wenn man irgendwas angestellt hat.

In welchen Heimen waren Sie untergebracht?

Im Zentralkinderheim, in Biedermannsdorf, im Kinderheim Schloss Altenberg. Das Nussdorfer Lehrlingsheim war dann die letzte Station. Irgendwann hat mich die Mama entdeckt, weil sie eine Arbeitskraft gebraucht hat. Da hat sie mich rausgenommen.