Mediale Fehltritte: Internet-Benimmkurs für Feuerwehrleute

Ein Feuerwehrmann blickt auf sein Smartphone.
Damit der Auftritt in Sozialen Medien für die Organisation nicht zum Fiasko wird, gibt es österreichweit Schulungen.

Ein Hassposting, unqualifizierte Kommentare in der Flüchtlingsfrage, oder ein öffentlich gepostetes Video im Vollrausch – und das alles von Personen in Feuerwehruniform.

340.000 Feuerwehrmitglieder gibt es in Österreich und der mediale Fehltritt eines einzigen kann auf das gesamte Feuerwehrwesen zurück fallen. Aus diesem Grund hat der Österreichische Bundesfeuerwehrverband in Zusammenarbeit mit der Initiative „Saferinternet.at“ Konzepte und Schulungen für Aktive Feuerwehrmitglieder sowie die Feuerwehrjugend zum Thema Internet und Social Media erarbeitet.

In den kommenden Monaten sollen bundesweit so viele Feuerwehren wie möglich für den professionellen Umfang mit Facebook und Co. geschult werden. Es geht dabei um eine Art Verhaltenskodex und Benimmregeln für das Internet. „Im besten Fall verhält sich in Zukunft jeder Feuerwehrmann wie ein Thomas Schäfer-Elmayer“, scherzt man bei der Feuerwehr.

Prävention bei der Feuerwehrjugend

Weil das Thema den Landesfeuerwehrverbänden schon lange unter den Fingernägeln brannte, ist man heilfroh, dass es erstmals auch Schulungen für das Internet gibt. „Auch wenn sich manche vielleicht nichts Böses dabei denken, gehören genaue Regeln her. Gerade was unsere Jugendarbeit betrifft – und zum Glück haben wir steigende Mitgliederzahlen bei der Jugendfeuerwehr – müssen wir auch präventiv vorgehen“, erklärt Markus Voglhuber vom Landesfeuerwehrverband Oberösterreich.

Keine private Meinung

Von den 340.000 Feuerwehrmitgliedern sind etwa 300.000 ehrenamtlich in den Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden engagiert. Ein Großteil ist in den sozialen Netzwerken aktiv und stellt oft mit einem Profilbild in Uniform oder mit Kommentaren einen Konnex zu der Blaulichtorganisation her. „Hier wird von der Öffentlichkeit sehr oft eine private Meinung als Feuerwehrmeinung interpretiert, womit sie eben keine private mehr ist“, sagt Richard Berger vom Bundesfeuerwehrverband.

Auch die Konsequenzen der Veröffentlichung von vermeintlich lustigen Fotos wird oft unterschätzt. „Dies ist kein Feuerwehrphänomen. Es passiert häufig, dass Fotos falsch verstanden werden und zu unbeabsichtigten Beleidigungen führen. Dies kann eben auch der Feuerwehr schaden“, so Berger.

Ein anderes Problemfeld sind Bilder und Videos von Verletzten, die nach Unfällen oder Bränden den Weg ins Internet finden, ohne dass Angehörige der Opfer darüber verständigt wurden.

Ein Mann hält eine Präsentation mit einem brüllenden Löwen vor einem Publikum.

Die Feuerwehr Baden-Stadt war die erste, die an dem Workshop teilnahm

Dienstliche Konsequenzen

„Im dienstlichen Rahmen dürfen solche Weitergaben und Veröffentlichungen nur nach Freigabe des Kommandos passieren. Dafür haben wir auch eine Dienstaufsicht, die in solchen Fällen reagiert“, erklärt Voglhuber.

Um die Aktiven darauf zu sensibilisieren, haben der Bundesfeuerwehrverband und Saferinternet.at Workshops speziell für Feuerwehren ausgearbeitet. Ein Themenschwerpunkt richtet sich an Mitglieder der Feuerwehrjugend bis 16 Jahre, der andere an Aktive ab 16. Die Feuerwehr Baden-Stadt in NÖ war die erste überhaupt, die das Schulungsprogramm in Anspruch genommen hat. Laut Kommandant Gerald Peter haben knapp 30 seiner Mitglieder freiwillig teilgenommen. Das Echo sei großteils positiv, wenngleich noch mehr feuerwehrspezifische Inhalte aufgenommen werden könnten, so Peter.

Berufsfeuerwehr Wien

Noch kein Thema sind derartige Schulungen beispielsweise bei der Berufsfeuerwehr Wien. In Sachen Social Media unterliegen die Berufsfeuerwehrleute den Regeln für alle Mitarbeiter der Stadt Wien. „Gröbere Probleme hat es bisher damit nicht gegeben“, sagt Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf.

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